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29.01.2026
14:42 Uhr
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Mit dem 3:0 gegen Villarreal erreicht Leverkusen sein Champions-League-Ziel – doch die Aussicht auf die möglichen nächsten Gegner lässt Trainer Hjulmand um Gnade bei der Auslosung flehen.

Leverkusens 1:0 gerät zum Slapstick: Ersatzkeeper Arnau Tenas zaudert so lange, bis Malik Tilmann dazwischenkommt und der abgeprallte Ball im Tor landet. (Foto: Thilo Schmuelgen/Reuters)
Wenn es um Spannung, Drama und wilde Emotionen geht, dann steht der Begegnung mit dem FC Villarreal sicherlich keine exponierte Stellung in der Europacup-Geschichte von Bayer Leverkusen zu. Das Spiel, das Bayer 3:0 gewann, war so aufregend wie eine Kaffeefahrt an die Mosel, und die stärksten Gefühle im Publikum weckte wahrscheinlich Villarreals Torhüter Arnau Tenas, als er das 1:0 inszenierte. Er löste damit selbst bei jenen Zuschauern gemeines Gelächter aus, die aus Barmherzigkeit Verzicht üben auf Spott und Häme: Ersatzkeeper Tenas hatte in seinem Fünfmeterraum beim Passspiel so lange gezaudert, bis Malik Tillman dazwischenkam und der abgeprallte Ball im Tor landete.
Tenas war einer von acht Spielern aus der zweiten Reihe, die Villarreals Coach Marcelino zwecks Schonung des Stammpersonals aufgeboten hatte. Dass Villarreal, Vorletzter in der Champions-League-Tabelle, aber Vierter in Spaniens Primera Division, andere Prioritäten setzte, war den Leverkusenern nicht unrecht. Für sie ging es um den Verbleib im Wettbewerb, und die drei gewichtigen Niederlagen zum Start ins neue Jahr drückten noch auf die Moral. Den klaren Erfolg gegen Villarreal nannte Trainer Kasper Hjulmand deshalb „einen großen Schritt nach vorn“.
Als Benfica Lissabon bemerkt, dass noch ein Tor hermuss für die Playoffs, wird der Torwart Anatolij Trubin nach vorn dirigiert – der trifft tatsächlich zum 4:2 gegen Real Madrid. Trainer José Mourinho tanzt, bei den Spaniern ist das Entsetzen groß.
Nicht erst seit Alejandro Grimaldos 3:0, das alle Eventualitäten beseitigte, sah das Leverkusener Spiel wie eine Trainingslektion auf Spanisch aus, eine Übung in Kurz- und Mittelstreckenpässen für Fortgeschrittene. Dem Torwart Janis Blaswich vertrieb das die Zeit auf angenehme Weise („wir waren ruhig und cool mit dem Ball, ohne dabei lazy zu werden“), und auch Hjulmand erkannte eine spielerische Rückbesinnung nach dem Krisenalarm, der noch vor einer Woche geherrscht hatte. „Das ist unsere Art und Weise von Fußball: Ballbesitz, Druck, Gegenpressing“, sagte er und lobte beispielhaft den Musterschüler Ibrahim Maza, der sich im Mittelfeld auf allen Positionen einzurichten versteht.
Das Erreichen der Playoff-Runde hatten die Klubverantwortlichen im Sommer als Ziel ausgegeben, was nach dem umfassenden Personaltausch eine viel größere Herausforderung darstellte, als das nun am achten Spieltag erkennbar wurde. Ibrahim Maza war im Sommer noch ein junger Spieler, der gerade erst aus der zweiten Liga dazugestoßen war. Inzwischen ist sein Einfluss zwar noch nicht so groß, wie jener von Florian Wirtz gewesen ist, aber man darf diese Fußballer jetzt miteinander vergleichen, ohne dem einen oder dem anderen unrecht zu tun. Auch Malik Tillman, doppelter Torschütze am Mittwochabend, unterscheidet sich mittlerweile auffällig von dem scheuen Reh, als das er in den ersten Europacup-Begegnungen durchs offensive Mittelfeld gehuscht war. Simon Rolfes hatte Tillman die Eigenschaften eines Spitzenspielers mit Weltklassepotenzial nachgesagt – jetzt weiß man, was der Sportchef meinte.
Ein feuriger, mitreißender Kämpfer wie der in Leverkusen nach wie vor hochverehrte Arturo Vidal wird Tillman in diesem Leben wohl nicht mehr werden. Doch er ist ein Spieler, der typischen Ansprüchen an das Bayer-Spiel gerecht werden kann. Peter Bosz, der selbst schon eine erfolgreiche Professur in Leverkusen unterhalten hat, war bei der PSV Eindhoven für Tillman der richtige Ausbilder. Nun lobt auch Hjulmand immer wieder die besondere Spielintelligenz des in Nürnberg geborenen US-Nationalspielers.
Ein runder Abend also für Bayer Leverkusen, so mochte man glauben, doch dann hat Kasper Hjulmand so laut geseufzt wie selten vorher an diesem Ort. Die Aussicht auf die möglichen nächsten Gegner in der Champions League ließ ihn hadern und klagen: In den Playoffs droht ein Wiedersehen mit Borussia Dortmund, im möglichen Achtelfinale ein Treffen mit dem FC Bayern – was wiederum eine Neuauflage des Achtelfinales im Vorjahr ergäbe. Die Chancen stehen jeweils 50:50, Olympiakos Piräus (fürs Playoff) und der FC Arsenal (Achtelfinale) stehen als Alternativen bereit. Kasper Hjulmand gab klar zu verstehen, wie groß seine Lust auf innerdeutsche Europacup-Abende ist. Es gebe doch „so viele internationale Mannschaften im Wettbewerb …“, rief er aus. Es klang, als flehte der Trainer um ein gnädiges Los am Freitag.
Albert Riera, ein in Deutschland kaum bekannter Spanier, soll überraschend neuer Coach bei Eintracht Frankfurt werden. Er kommt vom slowenischen Klub NK Celje – und gilt als impulsive Figur.
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