SZ 13.02.2026
11:55 Uhr

Langlauf-Nachrückerin Fürstenberg: „Ich war ganz blau am Ende“


Theresa Fürstenberg erhält ein Angebot, das man nicht ablehnen kann: Sie darf nachrücken in den olympischen Langlauf-Wettbewerb. Also reist sie spontan 200 Kilometer an – und macht Bekanntschaft mit einer „brutalen Strecke“.

Langlauf-Nachrückerin Fürstenberg: „Ich war ganz blau am Ende“

Am Mittwochmorgen um 10 Uhr erhielt die Langläuferin Theresa Fürstenberg mitten auf der Loipe einen Anruf. Die schöne Nachricht des Cheftrainers Per Nilsson vom Deutschen Skiverband (DSV): Die 23-Jährige darf an den Winterspielen in Tesero teilnehmen – ihre Olympiapremiere. Das Problem: Sie war gerade beim Training in ihrer Wahlheimat, sollte aber mal schnell zum tags darauf um 13 Uhr angesetzten Olympiarennen über 10 Kilometer mit Intervallstart reisen. Also packte Fürstenfeld, die für den SC Partenkirchen in die Loipe geht, binnen 45 Minuten ihre Sachen und fuhr mit ihrem Heimtrainer Michael Bittner los. „Es war schon spontan und ein bisschen anstrengend. Aber wenn man die Chance bekommt, muss man sie nutzen“, sagt sie. Gut, dass die Entfernung zwischen Garmisch und dem Val di Fiemme nur gut 200 Kilometer beträgt.

Fürstenberg war Nachrückerin, und weil die Teamsprint-Olympiasiegerin von 2022, Katharina Hennig Dotzler, und Katherine Sauerbrey auf das Rennen verzichteten, bekam sie die Chance ihres Lebens. „Das ist das Schönste, wenn man unverhofft zu so einem Einsatz kommt. Da nimmt man auch in Kauf, dass es eine Dreiecks-Fahrerei gibt“, sagte Teamchef Peter Schlickenrieder.

Die Wettbewerbe für Langlauf, Skispringen und die Nordische Kombination finden bei den Winterspielen 2026 im Val di Fiemme statt. Ein Überblick über den Zeitplan.

Fürstenberg schaute sich nach der Ankunft in Tesero noch schnell das Streckenprofil an – Einschätzung: heftig – und lief am Donnerstag dann einfach los. Auf die vorderen Plätze kamen andere, sie selbst landete auf dem 68. Platz, mit mehr als vier Minuten Rückstand auf die Schwedin Frida Karlsson, die bereits ihre zweite Goldmedaille in Tesero gewann. „Boah, das war hart, die Strecke war schon richtig brutal. Ich war ganz blau am Ende, aber hat Spaß gemacht. Ich bin froh, dass ich hier bin und voll stolz, dass ich heute laufen durfte.“ Inklusive Dopingkontrolle im Anschluss.

Fürstenfelds Geschichte ist aber nicht nur die einer glücklichen Nachrückerin. Denn die junge Frau mit dem schwarzen Stirnband, die im Ziel völlig erschöpft auf die Knie sank, ist Deutsch-Norwegerin, ihr Vater ist Norweger, die Mutter Deutsche. Sie wurde in Oslo geboren, wuchs dort auf und durchlief das dortige Schul- und Sportsystem. Erst zur Saison 2022/23, nach ihren letzten Juniorenrennen, wechselte Fürstenberg zum DSV – und zog nach Garmisch, die bessere Perspektive als bei der riesigen Konkurrenz in Norwegen lockte sie. „Sie hat den Spirit, den man in Norwegen in die Wiege gelegt bekommt, mitgenommen“, sagte Schlickenrieder.

Johannes Hosflot Klaebo, der sich in Tesero zum erfolgreichsten Wintersportler bei Olympischen Spielen krönen kann, ist eines ihrer Vorbilder, was auch nur folgerichtig ist. Denn Fürstenberg berichtete in Tesero, nachdem sie sich wieder etwas erholt hatte, dass sie früh mit der Loipe in Berührung kam. Wie so viele in diesem Land, in dem Langlauf Volkssport ist. „Meine Freunde haben das gemacht, meine Freundin. Und dann war ich auf dem Sportgymnasium in Oslo. Jeden Montag, Mittwoch und Freitag stand Langlaufen auf dem Stundenplan.“ Zweimal im Jahr habe es Lehrgänge gegeben, trainiert habe sie immer oben am Holmenkollen, dem Hügel in Oslo, auf dem die legendäre Skisprungschanze steht und von wo aus sich viele Kilometer lange Loipen tief in die angrenzenden Wälder schlängeln.

2025 gewann Fürstenberg zusammen mit Laura Gimmler die deutsche Meisterschaft im Teamsprint, außerdem in der Mixed-Staffel. Und sie entwickelte sich stetig weiter, bis sie am 12. Dezember 2025 erstmals im Weltcup startete – und sich in Davos mit Platz 39 gleich ihre ersten Punkte sicherte.

Nun also Olympia, aber nur für zwei Tage und ein einziges Rennen. Denn am Freitag fuhr Fürstenberg schon wieder weiter auf ihrer von Teamchef Schlickenrieder angesprochenen Dreieckstour. Ihr fernes Ziel: Nove Mesto in Tschechien, wo sie an diesem Wochenende beim zweitklassigen Continental Cup startet. Mit dem bleibenden Andenken, mal kurz bei den Winterspielen vorbeigeschaut zu haben. Und mit der Hoffnung, noch mal zurückzukehren, auch nach Tesero: Denn Fürstenberg steht auch kommende Woche auf Stand-by.

Stevenson Savart wuchs bei Adoptiveltern auf, erfuhr Spott, jobbt als Lehrer. Mit Stolz vertritt der 25-Jährige aus Haiti sein armes Land und kämpft für ein höheres Anliegen – auch wenn er chancenlos in der Loipe ist.

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