SZ 14.01.2026
15:44 Uhr

Landgericht München: Fußballschiedsrichter soll Schülerinnen vergewaltigt haben


Ein ehemaliger Hobbyschiedsrichter steht wegen sexueller Übergriffe an zwei damals 16 und 18 Jahre alten Kolleginnen vor Gericht. Zum Prozessauftakt räumt der 40-Jährige einen davon ein – und den Besitz kinderpornografischen Materials.

Landgericht München: Fußballschiedsrichter soll Schülerinnen vergewaltigt haben
Vor dem Landgericht München muss sich ein 40-Jähriger wegen Vergewaltigung und Besitzes kinderpornografischen Materials verantworten. Ein Urteil wird Ende Januar erwartet. (Foto: Sven Hoppe/dpa)

Fußballschiedsrichterin, das war einmal das Hobby einer Schülerin aus der Region München. Inzwischen will sie aber nichts mehr davon wissen. Nicht etwa, weil ihr der Spaß daran vergangen ist, ein Spiel zu pfeifen. Sondern weil die Schülerin, so haben es Ermittlungen der Staatsanwaltschaft am Landgericht München II ergeben, Ende 2023 im Alter von 16 Jahren von einem damals 38-jährigen Hobby-Schiedsrichterkollegen in dessen Wohnung vergewaltigt worden sein soll.

Und sie soll nicht das einzige Opfer des Mannes gewesen sein. Außer der Schülerin soll der inzwischen 40-Jährige den Ermittlungen zufolge im Herbst 2023 noch eine 18 Jahre Schiedsrichterkollegin vergewaltigt haben, ebenfalls in seiner Wohnung. Anfang April vergangenen Jahres wurde der Mann festgenommen, seit Anfang dieser Woche muss er sich nun vor dem Landgericht München II verantworten.

Die Staatsanwaltschaft legt dem 40-jährigen Angestellten neben Vergewaltigung in zwei Fällen zudem den Besitz von Kinderpornografie zur Last. Denn als Kripobeamte den Angeklagten in den frühen Morgenstunden des 9. April 2025 in seiner Wohnung im Süden Münchens festnahmen, fanden sie dort der Anklage zufolge 466 Bilddateien sowie 174 Videodateien mit entsprechenden Inhalten. Der 40-Jährige sitzt seit der Festnahme in Untersuchungshaft.

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Als der Vertreter der Staatsanwaltschaft zum Auftakt der Verhandlung die Anklage verlas, saß der Angestellte mit weit nach vorn gebeugtem Oberkörper auf der Anklagebank und blickte regungslos zu Boden. Einige Male jedoch schaute er kurz auf und schüttelte leicht den Kopf.

Zu den Vorwürfen aus der Anklage sagte der Angestellte nichts. Stattdessen gab sein Verteidiger, Rechtsanwalt Simeon Feuerstein, für ihn eine Erklärung ab. Darin räumt der 40-Jährige die Vergewaltigung der 16 Jahre alten Schülerin ein, ebenso den Besitz der kinderpornografischen Bild- und Videodateien, die bei seiner Festnahme in seiner Wohnung gefunden wurden. „Die ganze Angelegenheit“, mit der der Verteidiger die Vergewaltigung der Schülerin meint, tue seinem Mandanten sehr leid, heißt es in der Erklärung. Mit der jungen Frau sei ein sogenannter Täter-Opfer-Ausgleich in Höhe von 8500 Euro geschlossen worden. Außerdem habe sich der 40-Jährige in dem Fitnessstudio, in dem auch die Schülerin trainiere, abgemeldet und von sich aus die Schiedsrichtergruppe verlassen, in der er die beiden jungen Frauen kennengelernt habe.

Zu dem Vorwurf der Vergewaltigung der damals 18-jährigen Hobby-Schiedsrichterin erklärte der Verteidiger, dass der Angeklagte diese nicht einräume. Die mittlerweile 20-Jährige soll aufgrund der mutmaßlichen Tat psychisch schwer belastet sein.

Am zweiten Prozesstag berichtete eine Angehörige der Schiedsrichtergruppe, in der auch der Angeklagte war, dass sie erstmals auf der Jahresabschlussfeier 2024 von den mutmaßlichen sexuellen Übergriffen gehört habe. An der Feier habe auch der 40-Jährige teilgenommen. Als sie ihn mit den Vorwürfen konfrontiert und ihm erklärt habe, dass er keine Spiele mehr als Schiedsrichter bekomme, habe er die Feier schnell verlassen. In seiner Zeit als Hobbyschiedsrichter, so die Zeugin, habe der Angeklagte anderen Frauen oft „schöne Augen gemacht“. „Man hat immer gemerkt, Frauen sind seine Leidenschaft.“ Auch sie, räumte die Schiedsrichterin bei ihrer Vernehmung ein, habe mit dem Angestellten ein Verhältnis gehabt, wenn auch nur ein kurzes. Die schweren Anschuldigungen ihrer beiden Kolleginnen gegen den Mann habe sie dennoch ernst genommen.

Die Vernehmung der zum Zeitpunkt der mutmaßlichen Vergewaltigung 16 Jahre alten Schülerin durch einen Ermittlungsrichter wurde per Video aufgezeichnet und unter Ausschluss der Öffentlichkeit gezeigt. Ein Urteil in dem Prozess wird für Ende Januar erwartet.

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