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01.02.2026
14:01 Uhr
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Gut fünf Wochen vor der Kommunalwahl hat die Initiative „Bavaria ruft“ 200 Kommunalpolitikerinnen aus ganz Bayern zu einem Gruppenfoto auf der Theresienwiese aufgerufen. Es geht ihnen um Sichtbarkeit, ganz unabhängig von politischer Couleur.

Die Bavaria hat gerufen – und rund 200 Politikerinnen sind ihrem Ruf am Samstagmittag auf die Theresienwiese gefolgt. Am Fuße der Treppe unterhalb der Statue haben sie sich die vielen Frauen aus der bayerischen Kommunalpolitik und solche, die es werden wollen, mit wehenden, hellblauen Fähnchen zusammengefunden. Gut fünf Wochen vor dem Wahltag am 8. März, der in diesem Jahr rein zufällig auf den Weltfrauentag fällt, wollen sie mit einem Gruppenfoto ein Zeichen setzen, das „sichtbar, positiv und überparteilich“ ist. Aufgerufen dazu hatte die Initiative „Bavaria ruft“, die ins Leben gerufen wurde, um „mehr Frauen in die Räte“ zu bringen.
Die Idee dazu hatten im Frühjahr 2025 die Anzinger Bürgermeisterin Kathrin Alte (CSU) und die Lindauer Oberbürgermeisterin Claudia Alfons (parteilos). Sie konnten schnell Verbände und Organisationen wie den Landesfrauenrat Bayern, den katholischen deutschen Frauenbund, den bayerischen Jugendring, die katholische Landjugendbewegung, den Verein Frauen in die Politik sowie weitere kommunale Fraueninitiativen mit ins Boot holen. Fragt man Alfons, warum die Zeit erst jetzt oder vielleicht auch gerade jetzt reif für solch ein Bündnis ist, sagt diese, sie hätten sich von „Helvetia ruft“ inspirieren lassen. Dieser Zusammenschluss von Schweizer Kommunalpolitikerinnen hat sich bereits 2019 gegründet.
Eine Volkspartei im Abschwung, ein Wahlsieger, dem der bundespolitische Wind entgegenbläst, und Parteien am linken und rechten Rand, die Aufwind verspüren: Eine Analyse der Ausgangslange bei der Münchner Bezirksausschusswahl.
Als sie mit Alte und anderen Frauen aus Bayern im vergangenen Jahr für einen Austausch eingeladen gewesen sei, so Alfons, sei ihr zum ersten Mal bewusst geworden, dass sie das als Oberbürgermeisterin gar nicht kennt: einen Raum voller Politikerinnen. Anders als ihre männlichen Kollegen, für die es normal sei, unter ihresgleichen zu sein. Und freilich, allein ums Geschlecht geht es Alfons wie auch den übrigen Frauen nicht, die sich bei strahlendem Sonnenschein unterhalb der Bavaria eingefunden haben.
Aber es geht ihnen um Themen, die Frauen mehr im Blick haben, weil sie ihren Lebensrealitäten entsprechen, um diversere Gremien und ja, sagt Alfons, auch darum, an der ein oder anderen Stelle „Strukturen aufzubrechen“. Denn nur, weil Männer in der Politik nach wie vor in der Überzahl sind, müsse das ja nicht so bleiben. Dabei helfen, das zu verändern, sollen auch von der Initiative angebotene Schulungen und Netzwerkveranstaltungen.
Auch Ilse Aigner unterstützt diese Idee. Deshalb hat die Präsidentin des Bayerischen Landtags gemeinsam mit Ulrike Scharf, der Bayerischen Staatsministerin für Familie, Arbeit und Sozial (beide CSU), auch die Schirmherrschaft übernommen. Ihr sei es, sagt Aigner, wichtig, Frauen in der Politik sichtbar zu machen und gleichzeitig jenen, die sich noch nicht trauten, sich um politische Ämter – egal auf welcher Ebene – zu bewerben, „einen Stups“ zu geben. Frauen seien da einfach immer noch deutlich zögerlicher als Männer, bei gleicher Kompetenz wohlgemerkt. Denn an weiblicher Befähigung, das steht für Aigner und die anderen Frauen außer Frage, mangelt es nun wahrlich nicht in der Kommunalpolitik.
Allein, so die dritte Münchner Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD), man müsse das der Welt und damit vor allem den männlichen Kollegen im Jahr 2026 noch einmal in Erinnerung rufen: Ja, es braucht „starke Frauen“ in der Politik und davon auch noch deutlich mehr als jetzt; und nein, nicht nur für vermeintliche Frauenthemen. Günes Seyfarth, die sich für die ÖDP erstmals um einen Sitz im Münchner Stadtrat bewirbt, will darüber hinaus ermutigen: „Es gibt so viele inkompetente Männer“, da dürften doch wohl auch Frauen mal Fehler machen, sich in der Politik ausprobieren. Sie jedenfalls hat vor, sollte es im März mit der Wahl klappen, bei allem Ernst auch mit einer gehörigen Portion Spaß und Neugierde an die Sache heranzugehen – wohl wissend, dass Demokratie ein Privileg bleibt.
Vor allem bei Frauen lässt sich dieses Privileg aber nicht ohne das Thema Vereinbarkeit denken: Während Verena Dietl vor dem Termin an der Theresienwiese also noch ihren Sohn zum Fußball gebracht hat, haben Louisa Pehle und Lena Sterzer, die eine sitzt für die SPD im Bezirksausschuss Haidhausen, die andere in dem für München-Sendling, ihre Kinder mit zur Veranstaltung gebracht. Wobei man sagen muss: Ihre Töchter regelmäßig zu Terminen mitzunehmen, das ist für sie nicht nur eine Notwendigkeit aufgrund fehlender anderweitiger Betreuung, das ist für sie auch eine Form von politischer Früherziehung.
Sterzers Tochter fand die Idee, mit vielen anderen Frauen ein Foto zu machen, jedenfalls gleich cool. Und am Ende sind es wirklich fast nur Frauen, die „männlichen Unterstützer“, von denen in der Einladung die Rede war, muss man mit der Lupe suchen. Aber nun ja: Es ist ja auch Wahlkampf, da haben Kommunalpolitiker wohl Besseres zu tun.
Und was sagt eigentlich „Mama Bavaria“ zu alldem? Zunächst einmal, sagt Luise Kinseher, sei die Bavaria ja eine „reine Männerfantasie“, von König Ludwig I. nämlich. Wenn man in ihr aber eine heroische Frauenfigur der Stärke sehe, dann, so glaubt die Kabarettistin, fände diese es sicherlich gut, „wenn Frauen sich ihrer Macht bewusst werden“. Den Segen der Bavaria hätte die Initiative, die an diesem Samstagmittag „Am 8. März Frauen wählen“ skandiert, damit also schon mal. Bleibt nun abzuwarten, wie die Wählerinnen und Wähler entscheiden.
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