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04.02.2026
13:45 Uhr
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Im Herbst groß angekündigt, ist es nun so weit: Die Telekom nimmt die erste Stufe ihres KI-Rechenzentrums im Münchner Englischen Garten in Betrieb.

Diese ikonischen Gebäude im Münchner Tucherpark werden derzeit renoviert. Auf dem Gelände, das früher der Hypovereinsbank gehörte, ist auch das neue KI-Rechenzentrum der Telekom untergebracht – allerdings unterirdisch. (Foto: Stephan Rumpf)
Rechenzentren werden gerne in Gewerbegebieten gebaut, Schönheitspreise gewinnen sie in der Regel nicht. Beim Rechenzentrum, das im Münchner Tucherpark direkt am berühmten Eisbach an diesem Mittwoch offiziell den Betrieb aufgenommen hat, liegt die Sache etwas anders. Das Gebäude musste nicht nur nicht gebaut werden, man sieht es von außen auch nicht. Es erstreckt sich sechs Stockwerke unter die Erde.
In das ehemalige Rechenzentrum der Hypovereinsbank zieht jetzt die Telekom ein. Modernste Server mit etwa 10 000 Hochleistungschips des Marktführers Nvidia sollen von dort aus künftig Deutschlands KI-Ambitionen Rechenpower verleihen. Solche Rechenzentren, auch welche in ungleich größerem Maßstab, gibt es bisher überwiegend in den USA oder China.
Das Rechenzentrum soll nicht etwa dazu dienen, den Herstellern großer KI-Modelle wie Open AI (Chat-GPT), Anthropic (Claude) oder Google (Gemini) Konkurrenz zu machen und eigene Modelle zu entwickeln. Es geht vielmehr darum, auf der Basis bestehender Modelle industrielle Anwendungen mithilfe von KI wettbewerbsfähig zu halten. Mit den auf KI-Berechnungen spezialisierten Chips von Nvidia will unter anderem der deutsche Softwarekonzern SAP seinen Kunden einen Mehrwert bieten. Wer die Software der Walldorfer aus der Cloud nutzt, kann bereits jetzt KI-Anwendungen dazu buchen und Möglichkeiten testen, Erkenntnisse aus den eigenen Daten zu gewinnen.
Das Münchner KI-Rechenzentrum mit etwa 10 700 Quadratmeter Fläche ist das Erste seiner Art in Süddeutschland. Was nun in Betrieb gegangenen ist, ist nur die erste Ausbaustufe. Bis 2027 wird weitere Technik eingebaut. Ziel ist es, von 2027 an etwa 450 KI-Anwendungen gleichzeitig bedienen zu können. Gekühlt werden soll es über den direkt an dem Rechnerkeller vorbeifließenden Eisbach. Die Wärme, die die Rechner abgeben, soll aber auch das gesamte Quartier beheizen.
Inwieweit das KI-Rechenzentrum am Englischen Garten in München ein Beitrag zur digitalen Souveränität Deutschlands ist, darüber lässt sich streiten. Es steht zwar in Deutschland, aber die Hardware und wichtige Teile der Software kommen von der US-Firma Nvidia. Und das in einer Zeit, in der Amerikas Vizepräsident J. D. Vance offiziell verkündet, sein Land wolle die Vorherrschaft bei künstlicher Intelligenz auch als Machtinstrument gegenüber Europa nutzen.
Würden die USA Ernst machen, wäre es mit der Souveränität schnell vorbei. Schließlich muss Software in regelmäßigen Abständen aktualisiert werden, und auch die Chips sind nach einigen Jahren kaum mehr als Elektronikschrott und müssen ersetzt werden. Ähnliches gilt auch bei den Cloud-Angeboten der großen Anbieter wie Microsoft, Amazon und Co. Auch deren als souverän bezeichnete EU-Rechenzentren hätten im Falle einer größeren Verstimmung mit den USA spätestens nach einigen Monaten Probleme.
Früher hatte die Hypovereinsbank darin ihre Server stehen. Doch die Bank hat das Gelände im nördlichen Teil des Englischen Gartens längst verlassen, gehört sie doch mittlerweile zur italienischen Unicredit. Weite Teile des Geländes hat für etwa 1,1 Milliarden Euro ein Joint Venture der Commerz Real mit ihrem Immobilienfonds Hausinvest und dem Projektentwickler Hines aus Berlin erworben. Entstehen soll ein neues Quartier, in dem in einigen Jahren 4500 bis 5000 Menschen arbeiten und wohnen sollen. Dazu werden bestehende Gebäude wie das große Hilton-Hotel renoviert, andere werden neu gebaut. Ein guter Teil der neuen Wohnungen sollen auch geförderte Wohnungen mit gedeckeltem Mietpreis sein.
Das Joint Venture verfolgt dabei hochfliegende Pläne. Im gesamten Areal sollen die Ideen des ursprünglichen Architekten Sep Ruf beibehalten werden. So gibt es etwa keine privaten Gärten, sondern eine Parklandschaft, die der Allgemeinheit zur Verfügung stehen soll. Ein sogenanntes Medicum neben dem Hilton-Hotel soll etwa 5400 Quadratmeter Fläche für Arztpraxen bieten und mit einer großen Radiologie-Abteilung direkt vom benachbarten KI-Rechenzentrum profitieren.
Zu den 600 geplanten Wohneinheiten sollen zwei Kindertagesstätten und ein Supermarkt kommen. Bestehende Straßen werden teilweise entsiegelt, insgesamt sollen auf dem Gelände einmal 1600 Bäume stehen. Die Grünflächen umfassen zehn Hektar und damit etwa zwei Drittel des gesamten Areals.
Wer immer also die Server in dem unterirdischen Rechenzentrum betreut, wird es recht angenehm haben, wenn erst einmal die Bauarbeiten abgeschlossen sein werden. In die Keller direkt zu den Servern müssen die Mitarbeiter ja zum Glück nur selten. Eigentlich nur zum Aufbauen und danach nur für gelegentliche Wartungsarbeiten. Dann übrigens mit Ohrenschützern. Rechenzentren Produzieren nicht nur viel Wärme, sondern sind im Inneren auch ziemlich laut.
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