SZ 18.09.2026
01:56 Uhr

Heidi-Fest im Hofbräuhaus: Mit Heidi Klum zurück in die Sauerkrautsuppen-Zeit


Der Hype um die Wiesn schwappt ins TV: Zum zweiten Mal glüht Heidi Klum mit Schlagergrößen im Hofbräuhaus fürs Oktoberfest vor. Ein einziger großer Spaß? Das dürften nicht alle so sehen.

Heidi-Fest im Hofbräuhaus: Mit Heidi Klum zurück in die Sauerkrautsuppen-Zeit

Eines muss man Heidi Klum lassen: Egal, was sie vorführt – sie führt es unverkrampft vor. Sie freue sich so, ruft sie zu Beginn ihres Wiesn-Vorglüh-Spektakels am Donnerstagabend in die prall gefüllte Schwemme des Hofbräuhauses: Die Familie sei da, viele Freunde. „Da drüben sehe ich auch meine Freunde von Pro Sieben. Schön, dass ihr alle da seid!“ Ausgerechnet den Verlassenen zum Auftakt einen bittersüßen Gruß zukommen zu lassen: Das hat was. Das traut sich nicht jeder.

Das Heidi-Fest wurde zum zweiten Mal aufgeführt. Die Premiere im vergangenen Jahr lief bei Pro Sieben, dem Sender, für den Klum seit zwanzig Jahren Germany’s Next Topmodel sucht. In diesem Jahr zog es um zu RTL. Ein Wechsel, bei dem es auch um Prestige ging. Inga Leschek, Chief Content Officer von RTL, nutzte den Einzug über einen grasgrünen Teppich, um vor den Kameras des eigenen Senders zu versichern, das Fest sei „einfach ein großartiges Spektakel“ und „Heidi ein Weltstar“.  Man werde alles tun, um es so gut wie möglich zu verwerten.

Zur Show gab es am Donnerstag auch einen Live-Ticker (17.59 Uhr: Heidi Klum macht sich gemeinsam mit ihrer Mama Erna auf den Weg ins Hofbräuhaus). Am Samstag, wenn die echte Wiesn beginnt, wird der Sender um 17.45 Uhr in einem einstündigen Special noch einmal auf das zurückblicken, was sich in Heidis-Wunderland tat.

Heidi-Fest, Heidis-Wunderland: Die Begriffe bemänteln den wahren Kern. Trachten, in Masskrügen serviertes Bier, Schlager: Die mehrstündige TV-Show nutzt den Hype ums Oktoberfest. „Oktoberfest“ und „Wiesn“ sind allerdings geschützte Marken der Stadt München.

Bei der ersten Aufführung fiel das Heidi-Fest beim Publikum durch. Im Schnitt schalteten 760 000 Menschen ein, in der besonders begehrten Zielgruppe der bis 49-Jährigen weniger als sechs Prozent, was auch daran gelegen haben könnte, dass nicht wenige der Main-Acts die 80 bereits eindeutig überschritten hatten. Roberto Blanco, 89, Peter Kraus, 87, und Michael Holm, 83, durften dieses Mal pausieren.

Geschickt wurden die – immer noch vorhandenen – Retro-Tendenzen im Vorlauf als Ausflug in die Zeit gerahmt, in der Heidi Klums Laufsteg-Karriere begann: die 1990er-Jahre. Unter anderem zu sehen: Ein Video aus jener Zeit, in dem Klum von der Küche ihrer Mutter schwärmt („ne echt gute Sauerkrautsuppe“). Die ersten drei dargebotenen Lieder boten dann auch den Soundtrack zu jenen Jahren: Rednex, „Cotton Eye Joe“, 1994 veröffentlicht. Dr. Alban „It’s my life“, Erscheinungsjahr 1992. Und Mousse T. & Emma Lanford: „Horny“, 1998 erschienen.

Was dieses Mal auch anders war als bei der Premiere: Klum wurde mit dem Moderieren nicht alleingelassen. Ob es eine gute Idee war, ihr als Haupt-Sidekick die Dragqueen Olivia Jones zur Seite zu stellen, bleibt allerdings eine Geschmacksfrage, die sich daran entscheidet, ob man Zeilen wie „das war Fingerhakeln mit der Zunge“, „der Bruce hat eine Zunge wie eine Eidechse“ oder „ich bin die Glöcknerin von Notre Klum“ für unterhaltsam hält. Oder nicht.

Eine Alphornbläserin, die „Rivers of Babylon“ anspielt. Eine Kuhglocken-Königin, die den Schlager „Verlieben, verloren, vergessen, verzeih’n“ anbimmelt: Der Versuch, aus den zwei Stunden mehr zu machen, als ein atemloses Hit-Abdudeln vor geladenen Gästen, war zu erkennen. Moderatorin Frauke Ludowig bot auf dem grünen Teppich all ihre Society-Erfahrung auf, um den einziehenden Gästen etwas zu entlocken und das Wunderland ein wenig einzuhegen.

Eines war tatsächlich auffällig: Wie gut dieses Wunderland vermarktet wird. Die Blumen vor der Fotowand waren nicht natürlich, sondern aus kleinen Bausteinen zusammengesetzt – Kinderspielzeug, für das im Hintergrund geworben wurde. Daneben stand die lila Kuh eines Schokoladenproduzenten. Neben der durfte Tochter Leni Klum erzählen, wie sie beim letztjährigen Heidi-Fest ihre Liebe zum Dirndl entdeckte – und dass daraus inzwischen eine Kooperation mit einer Dirndlschneiderei entstanden ist, deren Kreation sie (Überraschung!) gerade trage. Vermarktungsschleifen gab es viele. Eigentlich fehlte die Einblendung „Dauerwerbesendung“.

Markus „Ich will Spaß“, Tony Christie „Is This the Way to Amarillo?“, Snap „Rhythm is a dancer“: Vieles, was es auf dem Oktoberfest zu hören gibt, wurde von den Original-Interpreten dargeboten. Mehr als 25 Titel umfasste die Songliste, bis Vicky Leandros mit „Ich liebe das Leben“ die Rausschmeißerin gab – anmoderiert von Heidi Klum, die ihren Sohn Henry Samuel fragte: „Wie geht es dir, mein Schatz?“ Darauf er: „Ich liebe das Leben.“

Ein einziger großer Spaß: So wird das Heidi-Fest verkauft. Aber das sieht nicht jeder so. Ob es als Werbung für das Original taugt – die Frage drängt sich auf. Bayern bestehe nicht nur „aus Botox-gespritzten Frauen, prallen Brüsten, C-Klasse-Prominenz, Pseudo-Anzapfen und Rüschendirndl“, schäumte im vergangenen Jahr Christian Schottenhamel, einer der Sprecher der Wiesnwirte, bei web.de.

Dass ausgerechnet das staatliche Hofbräuhaus die Kulisse bietet für eine derartige Klischee-Schau, ist auch bemerkenswert. Man fördere Vielfalt in jeglicher Form, hat das Unternehmen dazu während der Vorbereitungen wissen lassen. Eines lässt sich sagen: Zumindest das ist bei diesem zweiten Heidi-Fest wieder gelungen.

Bilder und Videos vom Oktoberfest dürfen nicht einfach für kommerzielle Zwecke verbreitet werden. Was das für Influencer und Privatpersonen bedeutet – und wie Cathy Hummels für ihren „Wiesnbummel“ vorsorgt.

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