SZ 08.01.2026
11:42 Uhr

Glosse: Das Streiflicht: Mal den Kopf frei kriegen: Eine Tennisrunde in dunkler Stunde


In der Politik gibt es Momente, da man sich entspannen muss. Welcher Zeitpunkt nicht ganz der richtige ist, muss gerade Berlins Regierender Bürgermeister erfahren.

Glosse: Das Streiflicht: Mal den Kopf frei kriegen: Eine Tennisrunde in dunkler Stunde
Geht doch: Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) findet während des Berliner Stromausfalls noch den Weg zu den Einsatzkräften. (Foto: Britta Pedersen/Britta Pedersen/dpa)

(SZ) Es gibt in der Politik Momente der Anspannung, in der von den Verantwortlichen das Menschenmögliche gefordert wird. Der böse kleine Schulterteufel des Menschenmöglichen ist das sogenannte Allzumenschliche, von dem schon Nietzsche wusste, und mit dem ringen zu müssen eine der großen Herausforderungen der zeitgenössischen Politik ist. Der Regierende Bürgermeister von Berlin hat dies kürzlich wortwörtlich am eigenen Leib erfahren, als er nämlich am Tag des großen Stromausfalls eine Tennisrunde einlegte. Kai Wegner spielte Tennis, während die ihm anvertrauten Bürgerinnen und Bürger in extremer Dunkelheit und Kälte ihr zu dieser Jahreszeit eigentlich schon zur Genüge dunkles und kaltes Berlin erdulden mussten. Das mit dem Tennis kam  jetzt heraus, vermutlich musste erst der Strom wiederkehren, damit die  ganze Wahrheit ans Licht befördert werden konnte. Der Regierende, wie er von den Berlinern liebevoll genannt wird, rechtfertigte seine Tennisrunde in dunkler Stunde damit, dass er, so Wegner wörtlich, „den Kopf frei kriegen musste“.

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