SZ 23.01.2026
14:14 Uhr

Flüsse und Seen im Freistaat: Die schönsten Orte zum Eisbaden in Bayern


Der Freistaat hat eine Vielzahl von Seen, die nicht nur im Sommer die Schwimmer anlocken. Wo es im Winter besonders schön zum Eisbaden ist – eine Auswahl.

Flüsse und Seen im Freistaat: Die schönsten Orte zum Eisbaden in Bayern

Auf ganz Bayern verteilt gibt es Tausende Seen – vom größten im Alpenvorland, dem Chiemsee, bis zu zahlreichen kleinen Weihern und künstlich angelegten Seen. Allein 200 natürliche Seen haben nach Angaben des Landesamts für Umwelt jeweils eine Fläche von mehr als drei Hektar. Der Königssee im Nationalpark Berchtesgaden, das Fünfseenland südwestlich von München und der Walchensee bei Kochel – sie sind weit über die Grenzen des Freistaats bekannt.

Fürs Eisbaden eignen sich die großen Seen immer da, wo es flache Stellen am Ufer gibt, über die man leicht ins Wasser und wieder herauskommt. Optimal: mit einer Bank am Ufer, auf der das Handtuch trocken bleibt und die Thermoskanne mit warmem Tee griffbereit steht.

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Auch in die Donau trauen sich Schwimmer im Winter – am letzten Samstag im Januar in Neuburg besonders viele. 1970 begann das Event als Spaß von acht Wasserwachtmitgliedern, in den vergangenen fünf Jahrzehnten hat es sich zum größten Donauschwimmen in Europa entwickelt – und das als Winterveranstaltung. Bis zu 2000 Teilnehmer steigen ins Wasser, einige in Badehose und Bikini, andere in Neopren.

Sie kommen aber nicht nur aus der Nachbarschaft, sondern reisen nach Angaben der Wasserwacht aus ganz Europa an, gehen verkleidet, mit Schwimmreifen oder selbst gebauten schwimmenden Gadgets ins Wasser. Um teilzunehmen, müssen sich die Schwimmerinnen und Schwimmer vorher anmelden – sie schwimmen dann vier Kilometer von der Staustufe Bittenbrunn bis zum Ruderclub.

„A bissla Frost hot nu nia g’schadt!“, so sieht Bernd Hoyer das mit dem Eisschwimmen. Er ist wegen permanenter Schmerzen zum Eisbaden gekommen. Vor vielen Jahren hatte er einen schweren Autounfall. „Ich habe mich informiert, viel gelesen und einen Kurs an der Volkshochschule gemacht“, sagt er. Hoyer geht mit den Jahreszeiten, im Winterhalbjahr in den See bei Gunzenhausen, im Sommer in die Eistonne, die er inzwischen daheim installiert hat.

Jeden Sonntag um 10 Uhr treffen sich die Eisbader am Spielplatz des Seezentrums Schlungenhof, eine halbe Stunde später gehen sie ins Wasser des künstlich angelegten Stausees. Manche nur für ein paar Minuten, andere deutlich länger. „Eine Faustregel ist, nicht länger im Wasser zu bleiben, wie die Temperatur ist“ – fünf Minuten bei fünf Grad Wassertemperatur also. Jeder sei willkommen am Sonntagmorgen, sagt Hoyer, gern auch mehr Männer. „80 Prozent derer, die hier ins Wasser gehen, sind Frauen.“

Für viele Menschen gibt es bei diesen Temperaturen nichts Schöneres als ein paar Minuten in ein eisiges Gewässer zu gehen. Das setzt Glückshormone frei – wenn man es mit kühlem Kopf angeht.

Alternativen in der Region sind der Rothsee, der Brombachsee und die zahlreichen anderen Badeseen, die auch im Sommer von Schwimmern frequentiert werden. Im Veitsbad in Veitsbronn im Landkreis Fürth wird auch im Winter regelmäßig geschwommen. Anfang Januar werden dort alljährlich die Wettkämpfe um den Veitscup ausgetragen.

Unterhalb der weltweit längsten Burganlage in Burghausen treibt es Menschen jeden Winter ins kalte Wasser im Wöhrseebad. Hier geht es aber nicht nur um das kurze Eintauchen ins wortwörtlich kühle Nass, sondern auch darum, ein paar Bahnen zu ziehen. „Schwimmende Eisritter“ heißt der Verein derer, die bei winterlichen Luft- und Wassertemperaturen hier zum Schwimmen gehen. Entstanden ist der Wöhrsee schon vor vielen Jahrhunderten als künstlicher Stausee in einem ehemaligen Flussarm der nahen Salzach, genutzt als Fischwasser und Verteidigungsanlage für die Burgbewohner.

Nach der Freibadsaison im Sommer wird im Wöhrseebad die Eisarena aufgebaut, vier Bahnen werden mit Schwimmleinen gezogen – und ein paar Athleten sind immer unterwegs. Auf jeder Seite ragen jeweils vier Holzleitern aus dem Wasser, damit die Schwimmer jederzeit aussteigen können, wenn es doch zu kalt wird. Um das Zufrieren der Bahnen zu verhindern, laufen Pumpen, die das Wasser umwälzen. Und wenn der Körper dann knallig rot ist nach dem Ausflug ins winterliche Wasser, gehen die Vereins-Schwimmer zum Aufwärmen in eine Infrarotkabine.

Der Murner See ist, wie viele der kleinen und größeren Seen im Oberpfälzer Seenland, ein Baggerloch. Bis 1982 fraßen sich riesige Schaufelradbagger durch die Region und förderten 185 Millionen Tonnen Braunkohle. Bis zu knapp 50 Meter ist der See tief, vor allem im Sommer ist er ein beliebtes Ziel für Taucher. Beim Campingpark am Ostufer sind nicht nur eine – im Winter verschneite oder doch zumindest überfrorene – Liegewiese und ein paar kleine Sandabschnitte, sondern auch einige Bänke, auf denen Eisbader ihre trockene Kleidung und die Handtücher ablegen können.

Immer wieder sieht man an den seichten Einstiegen seitlich des breiten Ufers (dort wird es ziemlich schnell ziemlich tief) Menschen auch bei frostigen Temperaturen ins Wasser gehen.

Auch an anderen Ecken der Oberpfalz geht man für ein erfrischendes Bad in eisige Gewässer. Der Perlsee im Landkreis Cham beispielsweise ist ein beliebtes Ziel bei Eisbadern. Auch er ist ein Stausee, angelegt in den 1960er-Jahren, und liegt am Oberlauf der Schwarzach im sogenannten Waldmünchner Urlaubsland. Wie groß der See gerade ist, hängt von der Wassermenge der Zuflüsse ab. Sieben Hektar Fläche sind es mindestens, bei Hochwasser kann der See die zehnfache Menge Wasser halten. Auch am Perlsee gibt es verschiedene Einstiegsstellen ins Wasser, die sich für Eisbader eignen – etwa den Strand beim Campingplatz.

Direkt an der österreichischen Grenze neben dem Inn ist der Kirchdorfer Waldsee – und der spielt in einem Volkshochschulkurs eine große Rolle. Denn schon seit einigen Jahren wird dort Eisschwimmen quasi akademisch angeboten. Einen Vortrag gibt es über den Trainingsablauf und alles, was Eisschwimmer brauchen und mitbringen müssen.

Eine Mütze zum Beispiel, die hat nahezu jeder auf dem Kopf, der ins eisige Wasser geht. Auch ein warmer Tee nach dem Schwimmen ist für viele ein Muss in der Sporttasche. Über die Wirkung auf den Körper und die Seele referiert der Kursleiter, über seinen Weg zum Eisbaden – und dann erst geht es, gemächlich aber zielstrebig und mit warmen Gedanken, in den Waldsee.

Christof Wandratsch hat so ziemlich alle Titel gewonnen, die man im Eiswasser gewinnen kann – und das nur, weil er nach einer Herausforderung suchte. Welche Bedingungen er gar nicht mag und warum die kleinen Finger beim Eisschwimmen so wichtig sind.

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