SZ 10.02.2026
17:07 Uhr

Ernährung: Wer Kaffee trinkt, wird seltener dement


Das Getränk galt einst als schädlich, nun bestätigen immer mehr Studien seine gesundheitsfördernde Wirkung.  Wie viele Tassen es dafür braucht, zeigt eine neue Untersuchung.

Ernährung: Wer Kaffee trinkt, wird seltener dement
Schon länger verdichten sich die Hinweise, dass Menschen aus der Tasse Kaffee auch gesundheitliche Vorteile ziehen. (Foto: Julio Rodriguez/IMAGO/Westend61)

Manchmal gerät man in Situationen, die nur mit Koffein zu bewältigen sind: die Nacht vor Abgabe einer Studienarbeit etwa oder eine lange Autofahrt. Man trinkt Kaffee dann nicht, weil er so gut schmeckt, sondern weil er wach, konzentriert und fokussiert halten soll. Es ist ein kurzfristiger Effekt: Koffein für Gehirnleistung. Eine neue Studie in der Fachzeitschrift Jama zeigt nun aber, dass die Rechnung auch langfristig aufgehen könnte. Denn Menschen, die regelmäßig Kaffee oder Tee trinken, erkranken demnach seltener an Demenz.

Forschende der Harvard University untersuchten dafür Daten von mehr als 130 000 Personen aus zwei US-amerikanischen Studien zur öffentlichen Gesundheit. In beiden berichteten die Teilnehmenden regelmäßig, wie viel Kaffee und Tee sie tranken. Außerdem gaben sie an, ob bei ihnen Demenz diagnostiziert wurde und ob sie kognitive Schwierigkeiten bei sich bemerkten, etwa mit dem Gedächtnis oder der Orientierung. Die Daten der Teilnehmenden wurden bis zu 43 Jahre zurückverfolgt.

Das Viertel, das am meisten Kaffee trank, hatte demnach ein um 18 Prozent geringeres Demenzrisiko als das Viertel, das am wenigsten Kaffee trank. Wer mehr Kaffee konsumierte, fühlte sich auch geistig fitter. Zwei bis drei Tassen pro Tag reichten aus, um diese Effekte zu erreichen. Für Tee ergaben sich ähnliche Zusammenhänge, wobei die maximale Wirkung schon nach ein bis zwei Tassen erreicht war. Entscheidend scheint der schon erwähnte Wirkstoff zu sein: Denn für entkoffeinierten Kaffee fanden die Forschenden keine schützenden Effekte.

Der Umfang der Studie sei zwar beeindruckend, sagt Jules Griffin, Biochemiker an der University of Aberdeen, dem Science Media Centre. Der Effekt auf das Demenzrisiko sei allerdings klein. „Es gibt andere Maßnahmen, die eine größere Wirkung haben“, sagt Griffin und nennt Beispiele: „nicht rauchen, Sport treiben und die Aufnahme von gesättigten Fetten und freiem Zucker in unserer Ernährung reduzieren.“

Die Autoren merken außerdem selbst an, dass ihre Studie nur eine Korrelation, aber keine ursächliche Beziehung belegt. Ob Koffein vor Demenz schützt oder aber Menschen mit Demenz weniger Kaffee und Tee trinken, lässt sich nicht schlussfolgern. Dafür bräuchte es Kontrollgruppen, die ein Placebo bekommen. Das wiederum ist in der Praxis kaum umsetzbar, vor allem nicht über solche langen Zeiträume.

Die Studie ordnet sich allerdings in eine Reihe von Untersuchungen ein, die Kaffee in den vergangenen Jahren eine gesundheitsförderliche Wirkung attestiert haben. Das Getränk soll vor Diabetes, Parkinson, Depressionen sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen. Im Laborversuch verlangsamte es sogar die Zellalterung.

Wer also eine durchwachte Nacht vor sich hat, muss kein schlechtes Gewissen haben, wenn er sich eine Tasse nach der anderen aufbrüht. Wobei die Wissenschaftler schon darauf hinweisen, dass „exzessive“ Koffeinaufnahme sich schlecht auf den Schlaf auswirken und Ängste verstärken könnte. Womöglich mache das die schützenden Effekte auf das Gehirn zunichte.

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