SZ 13.02.2026
20:00 Uhr

Ernährung: Gesunde Ernährung kann das Leben um Jahre verlängern


Wovon der Körper besonders profitiert – und was ihm schadet.

Ernährung: Gesunde Ernährung kann das Leben um Jahre verlängern
Das Geheimnis eines langen Lebens liegt auch im Einkaufswagen. (Foto: Fabian Sommer/dpa)

Gesunde Ernährung lohnt sich tatsächlich. Die Lebenserwartung steige damit um mehrere Jahre, schreibt ein Team um Yanling Lv von der Huazhong University of Science and Technology in Wuhan in der Wissenschaftszeitschrift Science Advances. So hatte das Fünftel der 45-jährigen Männer, die sich am gesündesten ernährten, eine um 1,9 bis drei Jahre höhere Lebenserwartung als Männer, die sich am schlechtesten ernährten. Bei Frauen betrug der Unterschied 1,5 bis 2,3 Jahre. Eine zweite Studie zeigt, wie wichtig es für das Herz ist, bei Diäten auf Nahrungsqualität zu achten.

Männer gewannen in der ersten Untersuchung am meisten Lebensjahre mit einem Ernährungsmodell, das zur Reduktion des Diabetes-Risikos diente (DRRD). Dort spielen Ballaststoffe eine große Rolle. Lebensmittel, die den Blutzuckerspiegel erhöhen, werden vermieden. DRRD hatte insbesondere bei ehemaligen oder aktuellen Rauchern einen positiven Effekt. Frauen hingegen profitierten am meisten von einem Ernährungsmuster namens Amed, einer adaptierten Mittelmeer-Diät, das oft in Studien genutzt wird. Zu beiden Konzepten zählen viel Obst und Gemüse sowie ungesättigte Fettsäuren, wie sie in Olivenöl stecken, und sehr wenig Fleisch.

Insgesamt haben die Forscher fünf Ernährungsmuster untersucht: neben den erwähnten noch ein pflanzenbasiertes (hPDI), eines zur Reduktion des Blutdrucks (DASH) sowie den Harvard-Index für gesunde Ernährung (AHEI). Allen Konzepten sind gemein: der hohe Anteil an Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und Nüssen, sowie der Verzicht auf ungesunde Komponenten. Alle waren mit einem geringeren Risiko für bedeutende chronische Erkrankungen wie etwa Herz-Kreislauf-Leiden, Schlaganfall, Krebs und Typ-2-Diabetes assoziiert.

Über alle Ernährungsfaktoren hinweg reduzierten Ballaststoffe die Sterblichkeit in der Studie am stärksten, während zuckerhaltige Getränke am schlechtesten waren. Einen hohen Ballaststoffgehalt haben laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung (DGE) etwa Produkte aus Vollkorngetreide sowie Dicke Bohnen, Sojabohnen, Kichererbsen, Nüsse und Samen, aber auch Gemüsepaprika, Karotten, Brokkoli, Rhabarber, Steinpilze und Birnen.

Die schädliche Wirkung zuckerhaltiger Getränke kann laut Studie darauf zurückzuführen sein, dass sie unter anderem Blutzuckerschwankungen hervorrufen und die Insulinresistenz verstärken, was zu erhöhten Blutzuckerwerten führen kann. Das wiederum könne die Entwicklung chronischer Erkrankungen und einen vorzeitigen Tod begünstigen. Zudem fördern diese Getränke die Fettproduktion in der Leber.

„Unsere Ergebnisse unterstreichen die Vorteile gesunder Ernährungsmuster für die Verlängerung der Lebenserwartung – unabhängig von genetischen Faktoren für Langlebigkeit“, schreibt das Team um Yanling Lv.

Mehrere Mechanismen könnten den positiven Effekten gesunder Ernährungsmuster zugrunde liegen. So spiele in allen der Verzehr von Vollkornprodukten, Gemüse und Obst eine große Rolle, die reich an Ballaststoffen und Antioxidantien seien. Zu letzteren zählen etwa Vitamin C, B2 und E sowie Karotin, Selen und Zink, die die Körperzellen vor oxidativen Schäden schützen.

Das Team hatte für die Studie Daten von 103 649 Teilnehmenden der UK Biobank genutzt. Über eine mediane Nachbeobachtungszeit von 10,6 Jahren wurden insgesamt 4314 Todesfälle dokumentiert. Die Teilnehmenden wurden nicht dazu angehalten, bestimmte Lebensmittel zu essen. Sie hatten aber der UK Biobank an zwei oder mehr Tagen angegeben, was sie gegessen hatten. Die Datenbank enthält eine riesige Menge weiterer Daten zur Gesundheit und wird für sehr viele Studien genutzt. Die Ergebnisse zu den Zusammenhängen zwischen den Ernährungsmustern und der Sterblichkeit stimmten im Allgemeinen mit früheren Studien überein, die etwa Daten der Nurses’ Health Study (NHS) nutzten.

Weiterführende Ergebnisse zeigt eine Studie zur Auswirkung von zwei verschiedenen Diäten auf das Herz. Die gesundheitlichen Auswirkungen kohlenhydratarmer und fettarmer Diäten seien in erster Linie von der Qualität der Nahrungsmittel abhängig und nicht von deren Menge, schreibt das Team im Journal of the American College of Cardiology.

Eine hohe Qualität hat demnach eine Ernährung, die viel pflanzliche Fett- und Proteinquellen enthält sowie hochwertige Kohlenhydrate wie Vollkornprodukte, Obst und Hülsenfrüchte. Schlecht für das Herz waren verarbeitete Kohlenhydrate sowie Fette und Proteine tierischen Ursprungs.

Das Team hatte die Auswirkungen auf das Risiko für die Koronare Herzkrankheit (KHK) ermittelt, bei der Kalkablagerungen die Herzkranzgefäße verengen, was zu Brustschmerzen (Angina pectoris) führen kann, aber auch zu einem Herzinfarkt. Es nutzte Ernährungs- und Gesundheitsdaten von fast 200 000 Männern und Frauen aus drei großen Datenbanken, wobei 20 033 Fälle von Koronarer Herzkrankheit dokumentiert wurden.

„Unsere Ergebnisse widerlegen den Mythos, dass eine einfache Anpassung der Kohlenhydrat- oder Fettzufuhr grundsätzlich vorteilhaft sei, und zeigen deutlich, dass die Qualität der Lebensmittel in kohlenhydratarmen und fettarmen Diäten entscheidend für den Schutz der Herzgesundheit ist“, sagt Erstautor Zhiyuan Wu von der Harvard T.H. Chan School of Public Health in Boston.

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