SZ 29.01.2026
09:32 Uhr

Elon Musk: Tesla setzt auf Roboter statt Elektroautos


Tesla stellt seine zwei teuren Automodelle ein. Die Zukunft, so sagt Elon Musk, gehöre ohnehin Robotern, KI und selbstfahrenden Autos ohne Lenkrad. Kann das gut gehen?

Elon Musk: Tesla setzt auf Roboter statt Elektroautos
Das Tesla-Modell S kostet in den USA fast 95 000 Dollar. (Foto: Michel Euler/AP)

Als reiner Autohersteller kann Tesla nicht mehr bestehen. Diese Erkenntnis dürfte Elon Musk nicht erst gekommen sein, als er jetzt zum ersten Mal in der Unternehmensgeschichte einen Umsatzrückgang vermelden musste. Die große Vision, die Musk für Tesla immer wieder beschwört, ist ohnehin die eines Unternehmens, das sein Geld vorwiegend mit Robotern und Robotaxis verdient und nicht mehr mit dem Verkauf von Autos. Und so kam die Nachricht, dass Tesla zwei seine beiden ältesten Modelle, die Limousine S und das SUV X, einstellt, nicht überraschend.

Sie begründeten einst den Ruf Teslas, wurden zuletzt aber kaum mehr ausgeliefert. Längst macht der Hersteller sein Geschäft zum überwiegenden Teil mit den günstigeren Modellen 3 und Y. Doch weil auch dort die Verkaufszahlen zurückgehen, treibt Elon Musk seinen Einstieg in andere Geschäftsfelder voran. In diesem Jahr soll die Fertigung des Robotaxi-Fahrzeugs Cybercab ohne Lenkrad und Pedale beginnen. Davon werde man mit der Zeit vielfach mehr Wagen bauen als von allen anderen Modellen zusammen, so die Hoffnung des Tesla-Chefs.

In der Fabrik in Fremont, wo bisher die Modelle X und S gebaut wurden, soll der freiwerdende Platz nun genutzt werden für die Produktion des humanoiden Roboters Optimus. Tesla will die Fertigung in diesem Jahr beginnen – und Musk stellte jüngst auch in Aussicht, dass die Roboter bis Ende 2027 „der Öffentlichkeit“ zum Verkauf angeboten werden könnten. Der Tech-Milliardär ist allerdings bekannt dafür, übermäßig ambitionierte Ziele auszugeben und Fristen zu setzen, die er später nicht einhält.

Auch bei den Robotaxis hat Elon Musk seinen Zeitplan schon mehrfach angepasst. Bislang fahren nur in Austin im US-Bundesstaat Texas Teslas mit der Selbstfahrsoftware. Zum Start mussten diese allerdings noch einen menschlichen Aufpasser auf dem Fahrersitz haben, der in brenzligen Situationen eingreifen konnte. Erst seit Dezember gibt es laut Tesla die ersten Robotaxis in Austin, die komplett ohne menschlichen Back-up unterwegs sind. Auch in San Francisco bietet Tesla Fahrten mit seinen Robotaxis an. Dort muss jedoch immer noch ein Mensch die Wagen steuern, weil Tesla die Genehmigung fehlt, die Wagen autonom fahren zu lassen. Die Google-Schwesterfirma Waymo betreibt unterdessen bereits mehr als 2500 fahrerlose Wagen in mehreren US-Städten und ist auf Expansionskurs. Bei der Quartalsbilanz kündigte Tesla an, schon im ersten Halbjahr 2026 in sieben weiteren US-Städten Robotaxi-Dienste zu starten. Ob mit oder ohne menschlichen Aufpasser, blieb offen.

Das aktuelle Kerngeschäft von Tesla – der Verkauf von Autos – schrumpft derweil. Im vergangenen Jahr fielen die Erlöse angesichts gesunkener Auslieferungen um rund drei Prozent auf knapp 95 Milliarden Dollar. Der Gewinn brach um 46 Prozent auf rund 3,8 Milliarden Dollar ein. Tesla verbuchte 2025 bereits zum zweiten Mal hintereinander einen Rückgang der Auslieferungen. Sie sanken um 8,5 Prozent auf knapp 1,64 Millionen Fahrzeuge. Den bisherigen Höhepunkt hatte Tesla 2023 mit etwas mehr als 1,8 Millionen ausgelieferten Wagen erreicht. 2024 hatte der Umsatz trotz der niedrigeren Auslieferungen noch um ein Prozent zugelegt. „Die einzigen Autos, die wir künftig bauen werden, sind vollautonome Autos“, sagte Musk am Dienstag. Einzige Ausnahme: ein Roadster, der allerdings noch nicht vorgestellt wurde. 

US-Präsident Donald Trump hat unterdessen nicht nur die Steuervergünstigung von 7500 Dollar beim Kauf eines Elektroautos gestrichen, sondern entzog Tesla mit dem Aushöhlen der Regeln zum CO₂-Ausstoß auch eine verlässliche Geldquelle: Einnahmen aus dem Handel mit Emissionszertifikaten. In den vergangenen Jahren hatte Tesla seine Gewinne mit dem Verkauf der Verschmutzungsrechte immer wieder ordentlich aufgebessert. Doch nun sind andere Autobauer weniger daran interessiert. Teslas Erlöse aus dem Zertifikatehandel fielen im vergangenen Quartal auf 542 Millionen Dollar. Im vierten Quartal 2024 waren es noch 692 Millionen Dollar gewesen – und fast 2,8 Milliarden Dollar im gesamten Jahr.

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