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03.02.2026
17:48 Uhr
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Albert Riera stellt sich als neuer Trainer der Eintracht vor – und macht sofort klar, was die Frankfurter Fußballer von ihm erwarten können.

Niemand vermag in die Zukunft zu blicken. Doch wenn es etwas gibt, was sich nach dem ersten öffentlichen Auftritt von Albert Riera als neuer Trainer von Eintracht Frankfurt sagen lässt, dann dies: Jede Form der Leidenschaftslosigkeit dürfte vorbei sein. Nicht nur, weil Riera von „Schmetterlingen im Bauch“ sprach, die er verspüre. Und davon, dass er diese Liebe am Leben halten möchte. Der 43-Jährige präsentierte sich auch so ausdrucksstark, dass sich der Eindruck verfestigte, die Bundesliga bekomme einen neuen Typ Trainer: einen Expressionisten mit klaren Gesichtskonturen und bohrenden, eisigen Augen.
Zuletzt hatte Riera den NK Celje aus Slowenien trainiert, am Sonntag saß er dort letztmals auf der Bank. Seine Mannschaft spielte als Tabellenführer bei NK Maribor und sah sich in der letzten Minute der Nachspielzeit um den Sieg gebracht. Maribor erzielte einen dritten Treffer und kam somit zum Ausgleich. Drei Gegentore? Da war doch was. In ihren vergangenen sieben Spielen hat die Frankfurter Eintracht wettbewerbsübergreifend immer drei Tore kassiert – außer gegen Tottenham Hotspur (0:2) in der Champions League. Welche Probleme er in seiner Analyse erkannt habe? „Problem“ sei ein Wort, das in seinem Wortschatz keinen Platz habe, sagte Riera: „Für mich gibt es Optionen.“ Seine Mission bestehe darin, Spielern Handreichungen zu geben, ihnen vorab Lösungen aufzuzeigen. Und so gut Fußball spielen zu lassen.
Albert Riera, ein in Deutschland kaum bekannter Spanier, soll überraschend neuer Coach bei Eintracht Frankfurt werden. Er kommt vom slowenischen Klub NK Celje – und gilt als impulsive Figur.
Riera wurde in Manacor geboren, dem mallorquinischen Geburtsort des Tennisspielers Rafael Nadal. Er hat eine überaus erfolgreiche Karriere als Profi hinter sich – er spielte unter anderem beim FC Liverpool und in der spanischen Nationalmannschaft – und hat das zur Grundlage von Überzeugungen gemacht, die er nun an seine Spieler weitergeben möchte. So wie er das als Trainer schon bei einem weiteren slowenischen Klub (Olimpija Maribor) und Girondins Bordeaux getan hat.
„Ich glaube an meine Ideen. Ich bin bereit – und total überzeugt“, sagte Riera, der des Deutschen nicht mächtig ist, aber hervorragend Englisch und eine ganze Reihe anderer Sprachen spricht. Die Sprache sei kein Kriterium gewesen, sagte Frankfurts Manager Markus Krösche; heutzutage sprächen im Grunde alle hinreichend gut Englisch. Es sei vielmehr darum gegangen, die beste Lösung für Eintracht Frankfurt zu finden. Und die beste Lösung sei Riera, den er schon vor zwei Jahren kennenlernte.
Die Lösung für die Eintracht habe weniger mit dem taktischen System zu tun als mit Fragen der Geisteshaltung, erklärte Riera. Es gebe zwei Sorten von Mannschaften: Solche die sich auf den Gegner stürzen, und solche, die abwarten: „Wir werden keine Wartenden sein“, versprach der Spanier.
Wie das zu bewerkstelligen sei? Selbstvertrauen mache die Hälfte der Performance eines Fußballprofis aus, sagte er; auch an Positivität dürfe es nicht mangeln. Auch deshalb werde er seinen Spielern Brillen „mit pinken Gläsern“ aufsetzen, sagte er, „keine dunklen“. Er sagte seine Sätze mit einem Wände durchdringenden Blick. „Wenn ich meinen Spielern morgen sage: Springt vom Balkon, sollen sie bald sagen, sie machen es“, meinte er. Was übrigens metaphorisch gemeint war. „Meine Spieler werden mir folgen, weil ich ihnen Lösungen und Optimismus gebe.“
Riera hat seit seiner Ankunft in Frankfurt am Sonntagabend bislang zweimal mit der Mannschaft trainiert, er gab auch schon Einblicke in seine ersten Maßnahmen. Den Kreis der Mannschaftskapitäne erweiterte er vorerst auf sechs – Robin Koch bleibt vorerst der erste, in zwei Wochen will sich Riera entscheiden, wen er zu seinem Spielführer erwählt. Riera kündigte an, dass die Mannschaft sich daran gewöhnen müsse, längere Videositzungen zu ertragen; bevor man ein Fahrzeug fährt, müsse man Theorie büffeln und die Verkehrszeichen lernen, argumentierte der Spanier. Auch der Strafenkatalog wurde ausgedehnt. Er werde bei disziplinarischen Vergehen den Profis nicht nur an die Brieftasche gehen, sondern sie auch an einem Glücksrad drehen lassen. Zu den pekuniären Bußen kämen so auch Strafarbeiten, etwa eine Stunde Fußballschuhe-Putzen – oder Gartenarbeit mit dem Platzwart. Was bei den gegenwärtigen Temperaturen vielleicht zu einem höheren Maß an Folgsamkeit führen werde.
Er selbst nahm sich vor seinem Debüt am Freitag beim 1. FC Union Berlin übrigens ebenfalls in die Pflicht. „Ich habe hier alles“, sagte er mit Blick auf die verschneiten Anlagen der Eintracht. Nur eines, das habe er fortan nicht: „Ausreden.“
Mario Götze mahnt „Basics“ an, Sportchef Krösche benennt deutliche Defizite: Frankfurts verschärft beim 1:3 gegen Leverkusen seine Krise und könnte sogar den Europapokal verspielen – muss der neue Trainer Riera nun als Retter ran?
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