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29.11.2025
18:05 Uhr
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Die TSG, abseits des Platzes ein zerstrittener Verein, überzeugt sportlich erneut. Köln feiert Saïd El Mala, Heidenheim dreht ganz spät das Spiel an der Alten Försterei. Das Wichtigste zum 12. Spieltag.

Es ist schon kurios. Da ist die Profiabteilung der TSG Hoffenheim seit Monaten verkeilt zwischen den Fronten eines Machtkampfs im Klub, mit der vorläufigen Pointe, dass der eigene Anhang den Vertrauten von TSG-Mäzen Dietmar Hopp, den Spielerberater Roger Wittman, auf Flugblättern als „Enkeltrickbetrüger“ tituliert. Doch Hoffenheims Trainer Christian Ilzer schafft es bislang, seine Mannschaft von all dem fernzuhalten, als würden sich die Querelen für die Spieler hinter einer Milchglasscheibe abspielen.
Auch gegen den FC Augsburg erinnerte die TSG am Samstag bisweilen an ihre besten Zeiten, als sie es in der Bundesligasaison 2017/18 zu Platz drei brachte und regelmäßig Besuche von Europapokalspielen pflegte. Das 3:0 am Samstag beförderte Hoffenheim zumindest in die unmittelbare Nachbarschaft von Platz vier in der Tabelle. Platz vier berechtigt am Saisonende zum Besuch der Champions League.
Zum Beispiel, dass Andrej Kramaric nicht von Beginn an mitspielt und das kein bisschen auffällt. Kramaric, zur Erinnerung, ist seit Anfang 2016 ununterbrochen in Hoffenheimer Diensten; keine kleine Leistung bei einem Arbeitgeber, der Spieler in der Nahrungskette des Fußballgeschäfts meist nach wenigen Spielzeiten gewinnbringend weiterreicht. Kramaric indes hat die Zeit lieber genutzt, um zum Rekordtorschützen im Kraichgau aufzusteigen, 129 Mal hat er in elf Bundesligaspielzeiten getroffen, drei waren es bislang in dieser Saison. Na und?
Das 1:0 gegen Augsburg war bestens aufgehoben bei den Kollegen Tim Lemperle und Bazoumana Touré. Lemperle wurde von Chrislain Matsima gehalten, der Hoffenheimer zog den Augsburger aber genauso scharf am Trikot – und somit aus dem Weg. Touré eilte im Rücken heran und hatte freie Bahn Richtung Tor (16.). Das 2:0 führte dann vor, was Hoffenheim derzeit so stark macht: Der Ball prallte scharf von Empfänger zu Empfänger, sauste mal tief, mal quer, aber immer scharf und präzise wie am Flipperautomat, ehe die Kugel mit Highscore versenkt wurde. In diesem Fall per Abstauber von Wouter Burger (26.).
Zwei untrügliche Zeichen, dass es beim FC Augsburg unter Trainer Sandro Wagner weiterhin überhaupt nicht läuft: Das 0:3 flipperte sich die Defensive um Cedric Zesiger selbst ins Tor (45.). Und als Hoffenheim den Gästen in der zweiten Halbzeit die Spielgestaltung überließ und Samuel Essende formschön aus der Distanz traf, stand sein Vorlagengeber zuvor hauchzart im Abseits.
Werder Bremens Victor Boniface, mal wieder. Seit er von Bayer Leverkusen an die Weser umgezogen ist, macht er vorrangig durch seine Wortmeldungen in den sozialen Medien von sich reden. Eine Kostprobe: „Das Leben ist wie ein Schuh, du kannst keine Kuh trinken, weil die Erde eine Karotte ist“. Alles halb so wild, sagte er jetzt dem Kölner Stadt-Anzeiger. Auch bei Bayer Leverkusen habe er ähnliche Weisheiten formuliert, „der Unterschied ist: Damals habe ich Tore geschossen und wir haben alles gewonnen.“ Jetzt, in Bremen, ist nachweislich weder das eine noch das andere der Fall.
Wobei zunächst vieles darauf hindeutete, dass Bonifaces Kollegen zumindest ihr Punkteguthaben in der Liga weiter auffüllen würden. Marco Friedl drückte eine Flanke zur Führung ins Tor. Boniface durfte dann noch ab Minute 70 mitwirken, die Hauptdarsteller der wilden Schlussphase waren aber andere. Zum einen Saïd El Mala, der Köln kurz vor dem Schlussgong das 1:1 sicherte. Und Bremens Niklas Stark, der sich schon für sein erstes Foul an El Mala über einen Platzverweis nicht hätte beschweren dürfen, diesen dann mit der zweiten gelben Karte in der Nachspielzeit nachholte.
Zumindest konnte man bisweilen den Eindruck gewinnen: wenn man sah, wie die Betreuer von Union Berlin und des 1. FC Heidenheim ihre Spieler versorgten, als müssten sie Cuts in der Ringecke verarzten. Erst rasselten Heidenheims Niklas Dorsch und Julian Niehues zusammen, dann bekam Niehues noch einen Schlag ab. Später erwischte es Unions Leopold Querfeld am Mund, womit der Österreicher ein passables Double von Heath Ledgers Hollywood-Joker abgab. Zumindest Dorsch wurde nach knapp einer Stunde ausgewechselt.
Dass es sich doch um ein Fußballspiel handelte, bewies zunächst Union: Ilyas Ansah ließ den Ball lässig in Rani Khediras Lauf tropfen, Letztgenannter vollendet per Vollspann (43.). Doch weil die Gastgeber es mit dem Fußballspielen nicht bis zum Ende so ganz genau nahmen, beschafften Heidenheims Stefan Schimmer (90.) und Jan Schöppner (90.+5) ihrem Klub den zweiten Saisonsieg; reichten den letzten Tabellenplatz fürs Erste an den FSV Mainz 05 weiter.
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