SZ 17.12.2025
14:55 Uhr

Boeing „747-8“: Warum die Lufthansa zwei Flugzeuge an die US Air Force abgibt


Die Fluggesellschaft verkauft zwei Boeing „747-8“  an die amerikanische Luftwaffe – als Trainingsjets für die künftige „Air Force One“.

Boeing „747-8“: Warum die Lufthansa zwei Flugzeuge an die US Air Force abgibt
US-Präsident Donald Trump will die Flotte der Air Force One ersetzen. (Foto: Manuel Balce Ceneta/AP)

Wenn die Lufthansa von etwas zu wenig hat, dann sind es Langstreckenflugzeuge. Die Lieferverspätungen, vor allem bei Boeing, erschweren der Fluggesellschaft seit Jahren die Planung. Sie muss alte, wartungsanfällige und unwirtschaftliche Maschinen viel länger fliegen als vorgesehen, um den Flugplan halten zu können. Dennoch hat sie jetzt einem ungewöhnlichen, aber lukrativen Geschäft zugestimmt.

Lufthansa gibt demnach über einen Zwischenhändler zwei ihrer 19 Boeing 747-8 an die amerikanische Luftwaffe ab. Die beiden Maschinen werden Teil des viele Milliarden Dollar teuren Programms, die Air Force One des amerikanischen Präsidenten zu ersetzen. Donald Trump oder sein Nachfolger werden allerdings voraussichtlich nie in den beiden Lufthansa-Maschinen fliegen – sie sollen der Air Force zufolge als Trainingsjets und später als Ersatzteillager dienen.

Dem Vernehmen nach ging die Transaktion ziemlich schnell vonstatten. Eine der zwei 747 hat die Lufthansa bereits aus dem Linienbetrieb herausgenommen, sie soll im Januar in die USA ausgeliefert werden. Die zweite Maschine wird noch einige Monate bei der Airline im Einsatz bleiben und soll nach aktuellem Stand im Oktober 2026 abgegeben werden.

Lufthansa bestätigt offiziell nur, dass sie die Jets verkauft hat, nennt weder den Käufer noch den Kaufpreis. Das Angebot für die Maschinen soll aber so gut gewesen sein, dass die Airline es unmöglich ausschlagen konnte. Nach amerikanischen Quellen bekommt sie für die beiden Maschinen rund 400 Millionen Dollar. Das ist ein Vielfaches des aktuellen Marktwertes, der laut einschlägiger Gutachter bei 40 bis 50 Millionen Dollar pro Stück liegt.

Derzeit fliegen zwei stark modifizierte Boeing 747-200 unter dem militärischen Namen VC-25A als Air Force One – das Rufzeichen bekommt jedes Flugzeug, mit dem der Präsident fliegt. Die beiden VC-25A wurden 1990 ausgeliefert und sind mittlerweile veraltet. Die Innenausstattung bestimmte in den 1980er-Jahren noch Nancy Reagan, die Ehefrau des damaligen Präsidenten Ronald Reagan.

Seit vielen Jahren läuft ein Projekt, die beiden Flugzeuge durch modernere Varianten der 747 zu ersetzen. Die neuen VC-25B sollen auf der 747-8 basieren, von denen die Lufthansa mit bislang 19 Maschinen die größte Flotte betreibt. Die beiden eigentlichen neuen Präsidentenjets sind aber zwei Exemplare, die 2015 ursprünglich für die ehemalige russische Fluglinie Transaero gebaut wurden. Transaero ging allerdings pleite, bevor sie die beiden Maschinen übernehmen konnte. Weil Trump der Umbau der beiden ehemaligen Transaero-Flugzeuge nicht schnell genug ging, ließ er sich in diesem Jahr von Katar eine weitere 747-8 schenken, mit der er gerne auch fliegen würde. Der Jet ist allerdings nicht Teil des offiziellen VC-25B-Programms.

Dass es die 747-8 überhaupt gibt, ist im Wesentlichen der Lufthansa zu verdanken. Anfang der 2000er-Jahre drängte sie Boeing, eine modernisierte und vergrößerte Version des Jumbojets zu bauen. Sie übernahm die erste von ursprünglich 20 bestellten Maschinen im Jahr 2012. Aber genau wie der Airbus A380 konnte sich die neueste 747 nicht durchsetzen, weil kleinere Jets wie die Boeing 787 und der Airbus A350 auch dank besserer Motoren effizienter und günstiger waren. Neben Lufthansa flogen nur noch Air China und Korean Air die Passagiervariante der 747-8. Als Frachter war sie erfolgreicher.

Dass die deutsche Airline nun noch zwei Großraumjets weniger in der Flotte hat, verschärft ihre Kapazitätsknappheit weiter. Wenn sie allerdings auf dem Markt kurzfristig noch weitere 787 oder A350 finden würde – am Geld würde es mutmaßlich nicht scheitern.

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