|
01.09.2026
11:36 Uhr
|
Wie viele Kommunen nimmt auch Albstadt in Baden-Württemberg gutes Geld mit Bußgeldern ein. Der örtliche Oberbürgermeister hat seinen Beitrag geleistet: Innerhalb weniger Monate wurde er zweimal geblitzt – im eigenen Ort.

Bußgelder wegen zu schnellen Fahrens sind wichtige Einnahmen für Kommunen. In Albstadt in Baden-Württemberg leistete der dortige Oberbürgermeister Roland Tralmer, CDU, seinen ganz persönlichen Anteil, um diese Einnahmen zu erhöhen: Innerhalb weniger Monate wurde er zweimal von den städtischen Blitzern beim Geschwindigkeitsübertritt erwischt.
SZ: Herr Tralmer, können Sie gerade gut telefonieren?
Roland Tralmer: Ja, ich sitze nicht im Auto, und wenn, dann telefoniere ich nur mit Freisprecheinrichtung.
Gut. Also, wegen Ihrer zwei Strafzettel …
Das ist ja gerade das wichtigste Thema des Sommers.
Das klingt ein bisschen höhnisch. Wie meinen Sie das?
Ich stelle fest: Es gibt gerade keine Krokodile in der Kanalisation, auch das Ungeheuer von Loch Ness ist nicht aufgetaucht. Insofern scheint die Nachricht, dass ein Oberbürgermeister zwei Strafzettel bekommen hat, etwas Besonderes zu sein. Ich unterstelle, dass das beim einen oder anderen Bürger auch schon vorgekommen ist.
Aber einem Oberbürgermeister unterstellt man eben auch eine besondere Gesetzestreue.
Eine Fehlerfreiheit wird zu Recht allerhöchstens dem Papst unterstellt. Mit dem möchte ich mich nicht auf eine Stufe stellen. Ich bin im Übrigen evangelisch.
Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie gemerkt haben, dass Sie geblitzt wurden?
Ich war selbstkritisch und dachte: Ich sollte noch vorsichtiger fahren. Mein zweiter Gedanke war: Ich zahle meine Knöllchen sofort am selben Tag. Und ich habe mir vorgenommen, dass es bei diesen zwei Knöllchen bleibt.
Was war größer – der Ärger über die Knöllchen oder die Freude, dass Sie damit zur städtischen Einnahmenstatistik beitragen?
Ich würde mich sehr erhöhen, wenn ich behaupten würde, dass ich mich gar nicht geärgert hätte. Nicht über die Stadt, sondern über mich selbst. Ich baue mir dann die Brücke: Immerhin kommt es einem guten Zweck zugute.
Wie kam es eigentlich zu den beiden Situationen?
Die erste Situation war: Ich kam gerade von einer Besprechung in der Kirche und war so sehr in Gedanken, dass ich in dem Moment nicht auf den Tacho geschaut habe. Das zweite war ein per Freisprechanlage geführtes Telefonat mit einem Bürgermeisterkollegen. Es ging passenderweise um kommunale Finanzen. Auch da habe ich nicht auf den Tacho geschaut. Ich hatte schon das Schild vom Ortsausgang vor Augen und nicht mehr genau auf das Tempo geachtet. Einmal waren es vier, einmal acht Kilometer pro Stunde zu schnell. Es ging also um niedrige Geldbeträge.
Ist der Job des Bürgermeisters zu stressig, um ihn bußgeldfrei erledigen zu können?
Das würde ich pauschal verneinen. Der Job ist stressig, keine Frage. Das weiß man aber, wenn man sich auf so einen Job bewirbt. Dann kommt es auf die Organisation an. Für keinen der beiden Fälle kann ich behaupten, dass ich dringend darauf angewiesen war, schneller zu fahren.
Gilt für Sie künftig: lieber fünf Minuten zu spät als ein drittes Mal in der städtischen Bußgeldstatistik auftauchen?
Weder noch. Lieber rechtzeitig losfahren und die Regeln beachten.
Drehen Sie die Blitzermeldungen im Radio laut, damit so was nicht häufiger passiert?
Ich höre einen Sender, der keine Blitzernachrichten hat.
Verständlich. Sie können ja auch einfach die Leute aus Ihrem Haus fragen, wo heute die Blitzer in der Stadt stehen.
Wenn ich wollte, könnte ich das machen. Ich möchte das aber explizit nicht. Im Gegenteil: Beim ersten Vorfall wollte ich extra schauen, ob ein Blitzer an einer bestimmten Straße steht. Aber dann war ich so vertieft, dass ich nicht mehr drüber nachgedacht habe. Und dann war es passiert.
Schon mal über den blitzerfreien ÖPNV als Fortbewegungsmittel nachgedacht?
Habe ich. Aber meine Termine sind zu dicht getaktet. Zu oft sind meine Termine im ländlichen Raum, das ist oft nicht mit den Fahrplänen zu machen. Aber auch daran arbeiten wir.
Wird jetzt hinter Ihnen gehupt, weil sie so vorsichtig fahren?
Bisher nicht. Aber selbst wenn es so wäre, muss ich das hinnehmen. Als Oberbürgermeister gehört ein dickes Fell zum notwendigen Berufsbild.
Weitere Folgen der Serie „Ein Anruf bei …“ finden Sie hier.
Ein Kunde schwärzt eine Bäckerei in Pfaffenhofen an der Ilm bei den Behörden an – weil ihm bei seiner Brothälfte zehn Gramm fehlen. Für den Bäcker endet das teuer.
Lesen Sie mehr zum Thema
In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.
Sie möchten die digitalen Produkte der SZ mit uns weiterentwickeln? Bewerben Sie sich jetzt!Jobs bei der SZ Digitale Medien
Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: