SZ 17.02.2026
15:33 Uhr

Bei Reitturnier in Riem: Abgeschnittene Schweife, zusammengeschnürte Zungen: Unbekannte quälen Ponys


Nachts sollen sich die Täter Zutritt zu den Ställen in Riem verschafft. Das Reitturnier wurde nach dem Vorfall abgebrochen. Doch wer steckt hinter der Tierquälerei?

Bei Reitturnier in Riem: Abgeschnittene Schweife, zusammengeschnürte Zungen: Unbekannte quälen Ponys
Die Olympia-Reitanlage in Riem: Nachts wurden hier mehrere Ponys von Unbekannten gequält. (Foto: Robert Haas)

Abgeschnittene Schweife, zusammengebundene Vorderbeine, zusammengeschnürte Zungen: Die Münchner Kriminalpolizei ermittelt in mehreren Fällen von Tierquälerei, die sich am Wochenende auf der Olympia-Reitanlage in Riem zugetragen haben. Dort veranstaltete der Bayerische Reit- und Fahrverband (BRFV) ein Dressurturnier mit Rahmenprüfungen für alle Altersklassen.

Nach Polizeiangaben vom Dienstag hatten sich ein oder mehrere Täter in der Nacht von Samstag auf Sonntag Zutritt zu den Pferdeställen verschafft und sechs Ponys malträtiert. Sie schnitten den Tieren Mähnen, Schöpfe und Schweife ab, fesselten Beine und wickelten „handelsübliche Gummibänder“ um Zungen, wie eine Polizeisprecherin mitteilte. Nach Einschätzung eines sofort hinzugezogenen Tierarztes seien keine dauerhaften Schäden zu erwarten.

In der Reitsport-Szene löste der Vorfall große Aufregung aus. Nachdem das nächtliche Geschehen am Sonntagmorgen bekannt geworden war, wurde das Turnier abgebrochen. Der langjährige BRFV-Geschäftsführer Wilfried Herkommer berichtete dem Pferdesport-Portal Equi Pages am Montag: „Der Schock war bei allen groß. Die Kinder waren zutiefst verstört. Keiner wollte unter diesen Umständen mehr reiten. Jeder wollte nur noch nach Hause.“ Wie in anderen Sportarten gibt es auch im Pferdesport verschiedene Altersklassen – auf den Ponys sitzen in der Regel 12- bis 16-jährige Jugendliche.

Das Turnier war als bayerische Sichtung für den „Preis der Besten“ angelegt, dem wohl bedeutendsten Wettbewerb für Nachwuchsreiter in Deutschland. Das Finale auf Bundesebene findet jährlich im Mai im nordrhein-westfälischen Pferdesportzentrum Warendorf statt; die Veranstaltung in Riem sollte als bayerische Qualifikation dienen.

Die Kreise, die die Nachricht gezogen hat, reichen bis in die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN), dem in Warendorf beheimateten Dachverband der Züchter und Reiter. In einer Stellungnahme betonte die FN, dass sich die Vorfälle „außerhalb des Trainings- und Turnierbetriebs“ ereignet haben. Bei Reitern kommt es immer wieder zu schlagzeilenträchtigen Verstößen gegen den Tierschutz, wenn Pferde mit unerlaubten Mitteln zu Leistungssteigerungen angetrieben werden sollen; beim Dachverband in Warendorf sorgt man sich deshalb um das Image.

Als Reaktion auf die Vorfälle am Wochenende werde das Sicherheitskonzept auf der Riemer Anlage nochmals verschärft, heißt es in der Mitteilung der FN weiter. Wie in Pferdesport-Kreisen zu hören ist, soll es weder eine Videoüberwachung noch eine Stallwache gegeben haben; Türen und Tore waren offensichtlich unverschlossen. Die Münchner Polizei hat bei der Spurensicherung bislang jedenfalls keine Indizien gefunden, die auf einen gewaltsamen Einbruch in die Stallungen deuten.

Die Beamten des zuständigen Kommissariats 65 ermitteln zwar in alle Richtungen; dass die Tat einen Bezug zum Turnier haben könnte, wird daher ebenfalls in Betracht gezogen. Was für Pferdesport-Experten allerdings rätselhaft ist: Die betroffenen Ponys hätten wohl nicht zu den Favoriten des Wettbewerbs gezählt, wie eine Szenekennerin der SZ sagte. Es sei daher unwahrscheinlich, dass sie von einem Konkurrenten aus dem Weg geschafft werden sollten.

Auf dem Areal der Olympia-Reitanlage ist auch die Reiterstaffel der Münchner Polizei untergebracht; sie hat sogar Boxen angemietet in dem betroffenen Gebäude. In den dortigen Stallungen seien zur Tatzeit aber keine Polizeipferde untergebracht gewesen. Dass die Tierquälerei Polizeipferden gegolten haben könnte, schloss die Polizeisprecherin deshalb aus. Im vorigen Mai war auf die Inspektion der Reiterstaffel ein Brandanschlag verübt worden.

Das bayerische Innenministerium will die Reichweite des Influencers Paul Bunne kostenlos für seine Pro-Olympia-Kampagne nutzen. Der willigt ein – und hat nun Ärger mit der Medienaufsicht.

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