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05.03.2026
14:07 Uhr
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Die Preise für Benzin gehen wegen des Iran-Krieges durch die Decke – und auf einmal zeigen sich die Vorteile eines Elektroautos. Ist jetzt der Moment gekommen, um umzusteigen?

Wenn die Spritpreise hoch sind, ist das E-Auto gegenüber einem Verbrenner fast immer im Vorteil. Jan Woitas/dpa
Wer in diesen Tagen an eine Tankstelle fährt, kann eine Zwei-Klassen-Gesellschaft beobachten. Während die Verbrennerfahrer verzweifelt die Tanks ihrer Autos füllen, bevor der Spritpreis das nächste Rekordhoch erreicht, stehen nur wenige Meter daneben die E-Autofahrer entspannt an der Ladesäule. Für sie hat sich nichts geändert, schwankende Ladepreise, vor allem heftige Ausreißer nach oben, gibt es in der Regel nicht.
Spritpreise über zwei Euro? Da dürfte der eine oder andere Autofahrer doch noch einmal intensiver über den Wechsel hin zum Elektroauto nachdenken. Zumal bei diesen Tankkosten ein zentrales Argument gegen das Batteriefahrzeug wegfällt. Je nach Ladesituation war das elektrische Fahren bisher teils teurer als Tanken. Wer lange Strecken fährt, oft schnellladen muss und weder daheim noch auf der Arbeit Strom ziehen kann, war je nach Fahrprofil und Automodell teilweise mit dem E-Auto teurer unterwegs als mit einem vergleichbaren Verbrenner.
Doch mehr als zwei Euro für Benzin oder Diesel haben zumindest diese Rechnung umgekehrt. Der ADAC hatte bereits im November 2025 einen ausführlichen Kostenvergleich von elektrischen Autos und Verbrennermodellen gemacht – und dabei auch verschiedene Ladestrompreise berücksichtigt. Der Vergleichspreis für Benzin lag damals jedoch nur bei 1,67 Euro pro Liter. Schon mit diesem von heute aus betrachtet günstigen Spritpreis schnitt das E-Auto in vielen Fällen kostentechnisch besser ab.
Eine Beispielrechnung: Ein Mittelklassewagen wie der VW Golf kostet bei einem Benzinpreis von zwei Euro rund zwölf Euro pro 100 Kilometer. Das vergleichbare Elektro-Pendant, der VW ID3, würde selbst bei einem Strompreis von 69 Cent pro Kilowattstunde (was eher einem höheren Schnellladepreis entspricht) auf der gleichen Strecke rund einen Euro weniger kosten.
Noch viel eindeutiger wird es, wenn man günstiger laden kann – also zum Beispiel zu Hause oder am Arbeitsplatz. Mit dem durchschnittlichen Strompreis von aktuell rund 37 Cent pro Kilowattstunde sind die Energiekosten für den E-Autofahrer nur etwa halb so hoch wie für den Verbrennerfahrer. Viele Stromkunden können aktuell sogar bei einem Anbieterwechsel Preise um die 30 Cent bekommen. Zudem gibt es spezielle Autostromtarife, die das Laden noch einmal günstiger machen.
Natürlich kann niemand sagen, ob die hohen Spritpreise nur eine Momentaufnahme sind. Und da nicht nur Öl, sondern auch Gas durch den Krieg in Nahost teurer geworden ist, könnte sich das auch auf die Strompreise auswirken. Weil in Deutschland der Strompreis an der Börse häufig durch Gaskraftwerke bestimmt wird, treibt ein Anstieg der weltweiten Gaspreise auch die Stromgroßhandelspreise nach oben.
Da man als Stromkunde allerdings in der Regel Verträge abschließt, die mindestens für zwölf Monate fixe Preise garantieren, dürften die Auswirkungen dort noch nicht so schnell ankommen. Auch die Ladestromtarife sind zuletzt eher günstiger als teurer geworden. Große Ladestromanbieter wie EnBW oder EWE haben zum Beispiel erst vor Kurzem ihre Ladestrompreise gesenkt. Wer viel fährt und oft öffentlich laden muss, kann zudem bei vielen Anbietern Tarife mit Grundgebühr abschließen, die das Laden dann noch einmal günstiger machen.
Allerdings sind die Ladepreise nicht der einzige Grund, warum Menschen beim Umstieg auf Elektroautos zögern. Es müssen auch genug Lademöglichkeiten im Alltag vorhanden sein, um sein Auto mit Strom zu versorgen. Eine Untersuchung des Autoverbands VDA hatte erst im November 2025 bemängelt, dass es immer noch in rund einem Drittel aller Gemeinden in Deutschland keinen öffentlichen Ladepunkt gibt. Auch das Tempo des Ausbaus hat nach VDA-Angaben im vergangenen Jahr abgenommen.
Viele Gebiete sind jedoch mittlerweile sehr gut mit Lademöglichkeiten versorgt. Und auch ein anderes Argument gegen das Elektroauto fällt zunehmend weg: der hohe Anschaffungspreis. Bereits im Dezember hatte eine Analyse des Center Automotive Research gezeigt, dass der Preisabstand bei den 20 meistverkauften Modellen zwischen Elektro- und Verbrennervariante nur noch 1340 Euro im Durchschnitt beträgt.
Seit Januar gibt es je nach Einkommen und Familiensituation eine neue staatliche Kaufprämie zusätzlich. Bis zu 6000 Euro Rabatt kann man so beim Kauf oder Leasing eines neuen Elektroautos erhalten. Bekommt man diesen Zuschuss, ist das Verbrennermodell in den meisten Fällen teurer als das Elektroauto.
Allerdings zeigen aktuelle Zahlen, dass bisher die neue Förderung noch keinen Run auf E-Autos ausgelöst hat. Zwar stieg die Zahl der neu zugelassenen E-Autos im Februar im Vergleich zum Vorjahresmonat um 29 Prozent. Ihr Anteil am gesamten Neuwagenmarkt liegt bei 22 Prozent, was keine große Steigerung zu der Zeit vor der Prämie ist. 2025 waren im Schnitt 19 Prozent der Neuzulassungen rein elektrisch.
Angesichts staatlicher Förderungen und steuerlicher Vergünstigungen für E-Autos hält auch der Verkehrsexperte Constantin Gall vom Beratungsunternehmen EY die Entwicklung für verhalten. „Deutschland gibt Milliarden aus, um den Hochlauf der E-Mobilität zu beschleunigen, aber die Käufer bleiben zurückhaltend“, teilte er mit. „Dass der Absatz von Elektroautos in Deutschland im Februar nicht stärker gestiegen ist, könnte auch mit anhaltenden Unsicherheiten in Bezug auf die neue staatliche Förderung von Elektroautos zusammenhängen.“
Vielleicht entfaltet ja die Kombination aus Prämie und Spritpreisschock in den nächsten Wochen ihre Wirkung.
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