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21.02.2026
22:55 Uhr
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Seit acht Jahren donnern Laura Nolte und Deborah Levi gemeinsam durch den Eiskanal, sie fahren sogar gemeinsam in den Urlaub. Nun sind sie erneut Olympiasiegerinnen – vor Lisa Buckwitz und Neele Schuten, die Silber gewinnen.

Laura Nolte (links) und Anschieberin Deborah Levi feiern ihre Goldmedaille überschwänglich. (Foto: Robert Michael/dpa)
Es ist unmöglich zu sagen, wo dieser Lauf begonnen hat: oben am Start über Cortina d’Ampezzo oder doch vielleicht doch schon auf Langkawi, einer Insel in Malayisa, wo Laura Nolte und Devorah Levi im Sommer fantastische Tage verbrachten, wie sie sagten. Unten im Ziel sind sie einander am Samstag in einer frostigen Dolomitennacht in die Arme fallen. Vier Jahre nach dem Olympiasieg von Peking haben die beiden besten Freundinnen im Eiskanal erneut große Beute im Zweierbob gemacht. Sie hielten die gesamte Konkurrenz auf Distanz, einschließlich Lisa Buckwitz aus Berlin, die ihnen mit Anschieberin Neele Schuten noch am nächsten kam. Kim Kalicki, die dritte deutsche Pilotin landete mit Talea Prepens auf den undankbaren vierten Rang.
„Wir haben es genossen, es noch mal erleben zu dürfe“, sagte Laura Nolte, 27, erleichtert. Die zweite Goldmedaille sie das Ziel gewesen in ihrer Lieblingsdisziplin. Und Gold hatte auch Lisa Buckwitz, 31, schon gewonnen, 2018 in Pyeongchang, damals noch als Anschieberin von Mariama Jamanka. Danach schulte sie zur Pilotin um und hat sich nun an den Lenkseilen eine Silbermedaille erobert. „Das war ihre stabilste Fahrleistung der ganzen Saison“, sagte Bundestrainer René Spies anerkennend.
Die neue Bob- und Rodelbahn begeistert nicht nur die Athleten, sondern ganz Italien. Entworfen und geplant hat sie ein Leipziger Ingenieurbüro – gebaut wurde sie in Rekordzeit.
Buckwitz hatte der Kollegin Neele Schuten, 26, erst am Tag vor Weihnachten eröffnet, dass sie in Cortina zu zweit auf die Reise durch die Eisröhre gehen. Bei Laura Nolte hat sich diese Frage nie gestellt. Seit acht Jahren vertraut sie Deborah Levi, seit die Wiesbadener Sprinterin in Winterberg im Sauerland zu einem Probetraining als Anschieberin erschien. Ein Leichtathletiktrainer, der auch mit Bobsportlern arbeitete, hatte Levi bei deutschen Meisterschaften auf den Termin aufmerksam gemacht. Man braucht Schnelligkeit und Schnellkraft, um so ein Trumm auf Kufen, 170 Kilogramm schwer, aus dem Stand von hinten in Fahrt zu bringen. Aber ein Team müsse auch harmonieren, sagt Levi, 26, und sie und Nolte hätten sich vom ersten Tag an ausgezeichnet verstanden. „Seitdem sind wir unzertrennlich.“ Sie verbringen sogar den Urlaub zusammen, im Sommer waren von Malaysia aus zu einem Trainingslager nach Kuala Lumpur weitergereist.
Für Laura Nolte ist Deborah Levi „die schnellste Anschieberin der Welt“. Sie habe immenses Vertrauen in den Antritt und die Schubkraft ihre Partnerin, „egal was passiert“. Levi ihrerseits kann zwar nicht mehr eingreifen, wenn das Gefährt mit 130 Kilometern pro Stunde durch die Kurven schießt, aber ihre Zuversicht in die Fähigkeiten der Freundin an den Lenkseilen ist mindestens genauso groß: „Ich weiß, dass sie uns gut nach unten bringt.“
Sie waren beide Leichtathletinnen, das verbindet. Ihren Bob schaukelten sie erst durch den Europacup, dann nahmen sie im Weltcup Geschwindigkeit auf. Als sie bei den chinesischen Winterspielen vor vier Jahren ins Ziel donnerten, wurden sie zu den jüngsten Olympiasiegerinnen der Bobgeschichte ausgerufen – die bei den Frauen, erst 2002 zugelassen, allerdings eine kurze ist – und waren nach eigener Aussage wie beschwipst vor Glück.
Spätestens seit den heiteren letzten Tagen von Yanqing gilt Laura Nolte als eine der besten Lenkerinnen durch die Loopings im Eiskanal. Es hat sie am Montag mächtig gewurmt, als sie in Cortina im ersten Wettbewerb im tückischen Monobob noch die 41-jährige Elana Meyers Taylor an sich vorbeiziehen lassen musste. Die Grande Dame des Bobsports, Mutter zweier Kinder, setzt im Zweierbob auf Erfahrung – Laura Nolte auf die schnellen Füße von Deborah Levi. Nach einem schweren Fahrfehler im zweiten Lauf, bei dem Bob USA Nummer 1 fast quer stand, verbesserte sich Elana Meyers Taylor in den beiden letzten Durchgängen noch auf Platz sieben.
Und auch US-Pilotin Kaillie Armbruster Humphries, 40, dreimalige Olympiasiegerin, kam mit Jasmine Jones den Laufzeiten des Duos Laura Nolte/Deborah Levi nur im zweiten Lauf nahe. Nichts veranschaulicht die phänomenale Karriere von Armbruster Humphries besser als der Umstand, dass sie schon vor 18 Jahren in Rennkluft am Bob-Start den Blick über die Gipfel der Dolomiten schweifen ließ – damals, im Januar 2008, als der alte, inzwischen abgerissene Eiskanal noch stand. „Ich bin von allen Bobfahrern und Bobfahrerinnen die Einzige, die hier noch runtergefahren ist“, hat sie im November bei den Testwettbewerben für den Neubau der Pista Olimpica Eugenio Monti lachend gesagt: „Einen Vorteil bringt mir das allerdings nicht.“
Armbruster Humphries sicherte sich noch einmal, anderthalb Jahre nach der Geburt ihres Sohnes, zwei Bronzemedaillen, im Mono- und jetzt im Zweierbob. Der Sieg ging an das beste Duo der Saison: an Laura Nolte und Deborah Levi, die in allen fünf Weltcuprennen des Winters, die sie gemeinsam bestritten, und nun auch im olympischen Wettbewerb ungeschlagen geblieben sind.
Gold, Silber, Bronze: Deutsche Piloten triumphieren im Zweierbob. Kurz vor seinem Karriereende schlägt Johannes Lochner seinen Rivalen Francesco Friedrich – so deutlich, dass er es kaum fassen kann.
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