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07.12.2025
15:41 Uhr
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Er ist pfeilschnell, lernt fix und schießt viele Tore: Leipzigs Yan Diomande trifft in der WM-Vorrunde mit der Elfenbeinküste auf das deutsche Team – das gewarnt ist.

Am Samstagabend war Yan Diomande ein zufriedener junger Mann, bis ihn eine Frage aus der Fasson brachte. „Wo ist mein Ball?“, rief er auf Englisch, kaum, dass er eine kleine Medienrunde im Inneren der Leipziger Arena hinter sich gebracht hatte. Den Spielball hatte er sich, nach der Sittenlehre des Fußballs, redlich verdient. Durch einen Hattrick, der den Sieg seiner Mannschaft, RB Leipzig, gegen Eintracht Frankfurt auf 6:0 (2:0) schraubte.
Vor dem Hintergrund der WM-Auslosung vom Freitag ließ sich Diomandes Dreierpack zudem wie eine Kampfansage an das DFB-Team deuten. Diomande wurde in Abidjan geboren, sprich: in der früheren Hauptstadt eines westafrikanischen Landes namens Elfenbeinküste. Am Freitag wurde es in die WM-Gruppe Deutschlands gelost, die Côte d'Ivoire – wie die Republik in der französischen Amtssprache heißt – wird am 20. Juni in Toronto/Kanada der zweite Gegner der deutschen Mannschaft. Nach dem Auftaktmatch gegen Curaçao und vor dem abschließenden Spiel gegen Ecuador.
So hoch verlor die Eintracht zuletzt 1996: Beim 0:6 in Leipzig geht bei Frankfurt so ziemlich alles schief. Leipzig feiert einen Mann, der bei der WM auch Deutschland ärgern könnte.
Eine Koryphäe wie Ghana-Coach Otto Addo warnte zwar vor der Elfenbeinküste; in vielen deutschen Medien war jedoch von einem guten Los für die DFB-Mannschaft die Rede. „Da wird nichts einfach sein“, protestierte Diomande, „für niemanden.“ Und dass er „nichts versprechen“ wolle, heiße nicht, dass seine Mannschaft – „Les Éléphants“, wie sie genannt werden – so weit wie möglich kommen wollen. Erst aber gelte es, sich auf den Afrika-Cup zu konzentrieren, der am 21. Dezember in Marokko beginnt. Er würde gern in Leipzig bleiben und keine Bundesligaspiele verpassen. Aber: „Es war immer mein Traum, für mein Land zu spielen“. Diesmal gibt es einen zusätzlichen Anreiz: „Wir wollen unseren Titel verteidigen.“
Als weitgehend unbeschriebenes Blatt kam Diomande im Sommer aus der spanischen Liga nach Leipzig. Beim Absteiger Leganés hatte er in zehn Spielen nur 574 Minuten Einsatzzeit gesammelt, aber das reichte, um ihn einen Geheimtipp zu verwandeln. Leganés spielte mit dem Gedanken, ihn zu halten; als Leipzig rund 20 Millionen Euro anbot, schlugen die Spanier zu. Für den jetzigen Tabellenzweiten Leipzig hat sich die Investition bereits bezahlt gemacht. Diomande, der nach einem Nasenbeinbruch mit Gesichtsmaske spielt, hat nach dreizehn Spieltagen bereits mehr als tausend Pflichtspielminuten in den Beinen und sieben Treffer erzielt, sechs davon in der Bundesliga, einen im Pokal. „Ich kann noch mehr“, sagte er am Samstag.
Das glauben auch die Scouts namhafter europäischer Klubs, und ebenso der RB-Trainer Ole Werner. „Er ist für eine Mannschaft unglaublich wertvoll, weil er auch gegen den Ball arbeitet“, sagte Werner nach dem Sieg gegen Frankfurt, der durch die Tore von Conrad Harder, Christoph Baumgartner und David Raum abgerundet wurde. „Wir sind froh, dass er sich so entwickelt und dass er auch die Grundlagen weiter für die Mannschaft einbringt. Das ist für uns und für ihn ganz wichtig auf dem weiteren Weg“, betonte Werner. Auch die Kollegen sind von Diomande angetan. „Er ist ein ganz feiner Kerl, der bereit ist zu arbeiten“, berichtete Baumgartner, „mit dem man auch mal hart reden kann, wenn mal was nicht passt, und der das annimmt.“
Dass sich Diomande in der Bundesliga so gut und so schnell zurechtgefunden hat, dass ihn Bundestrainer Julian Nagelsmann nach der Auslosung ausdrücklich als Gefahrenquelle benannte, führt der Ivorer auf den Charakter des Fußballs in Deutschland zurück. „Die Bundesliga ist physisch stark. Und schnell“, sagte er, „in Spanien wird mehr Fußball gespielt.“ Als habe er davon nicht genug, habe er Kraft in Leipzig getankt, „auf den Coach, den Trainerstab, meine Kameraden gehört“, und damit sein Spiel verfeinert. Dieses Spiel lebt von unbeirrbarer Waghalsigkeit; er ist ein Hochgeschwindigkeits-Dribbler, der kein Abenteuer scheut und Fehler wegsteckt. „Ich mache nur meinen Job“, sagte Diomande, „und mein Job ist, es immer und immer wieder zu versuchen.“
Keiner wird das im Sommer wohl intensiver zu spüren kriegen als Leipzigs Kapitän David Raum, der sich in Toronto einem direkten Duell mit Diomande ausgesetzt sehen könnte. „Das wäre Fun“, sagte Diomande, und meinte das alles andere als geringschätzig. Auch Raum freut sich, aber ein wenig mulmig scheint ihm schon zu sein, aber er habe ihn lieber im eigenen Team als beim Gegner. „Man weiß nie, was Yan macht“, sagte Raum.
Das kleinste Land der WM-Geschichte, ein ehemaliger Geheimfavorit und eine goldene Generation: die Gruppengegner Curaçao, Elfenbeinküste und Ecuador im Kurzporträt.
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