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15.01.2026
13:13 Uhr
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Laut einer neuen Studie benötigt der Freistaat bis 2030 bis zu 470 000 neue Wohnungen. Ansonsten drohe Bayern wie Deutschland ein „Sozialdrama“, warnt das Bündnis Soziales Wohnen.

Bei der Wohnungslage stellt eine aktuelle Studie für Bayern größtenteils „starke Defizite“ fest. (Foto: Johannes Simon)
Fehlende Wohnungen, hohe Mieten und eine Gefahr für Gesellschaft wie Wirtschaft: Ein Bündnis aus Bau-, Wohn- und Sozialverbänden hat angesichts des allgemeinen Wohnungsmangels vor einem „Sozialdrama“ gewarnt. Allein Bayern benötigt demnach bis 2030 bis zu 470 000 neue Wohnungen, um dem Bedarf gerecht zu werden. Dafür müssten, von 2025 an gerechnet, jährlich rund 78 000 Einheiten gebaut werden – eine Marke, die bisher in keinem Jahr der jüngeren Vergangenheit erreicht wurde. Für ganz Deutschland bemisst das Bündnis Soziales Wohnen das Defizit auf rund 1,4 Millionen Wohnungen. Zu dem Zusammenschluss gehören unter anderem der Deutsche Mieterbund, die Industriegewerkschaft BAU sowie die Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie.
Die Zahlen stammen aus einer Studie des Pestel-Instituts, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. Sie zielt in erster Linie auf ganz Deutschland; aus den Daten lassen sich aber auch Erkenntnisse für die Bundesländer sowie die Landkreise und kreisfreien Städte generieren. Für Bayern stellt die Studie bei der Wohnungslage größtenteils „starke Defizite“ fest. Als „ausgeglichen“ galt sie mit Stand 2024 nur in einigen wenigen Regionen, hauptsächlich in Ost- und Nordbayern – etwa in den Kreisen Freyung-Grafenau und Wunsiedel. Ein leichter Wohnungsüberhang wurde nur der Stadt Coburg attestiert.
Der Notstand könnte allerdings gelindert werden. Würden zum Beispiel 80 Prozent der leer stehenden Häuser und Wohnungen wieder bezogen, könnte sich die Situation entspannen. In Ostbayern herrschte dann vielerorts ein starker Wohnungsüberschuss und in Schwaben und Teilen Frankens eine ausgeglichene Situation. Stark angespannt bliebe sie aber weiterhin in den Großräumen München und Nürnberg. Allerdings sei schon die Aktivierung „von 40 Prozent der Langzeitleerstände eher eine theoretische Betrachtung“, heißt es in dem Papier. Zu teuer und aufwendig seien oft die nötigen Sanierungen und Modernisierungen.
Die Folgen treffen vor allem jüngere und ältere Menschen. Die einen verdienten zu wenig für eine eigene Wohnung, notiert die Studie – während die anderen zunehmend Probleme hätten, sich ihre Wohnung von der Rente leisten zu können. Auch habe sich der Mangel an bezahlbarem Wohnraum zur „Wirtschaftsbremse“ entwickelt: Ohne die Lösung der „sozialen Frage dieser Zeit“ könnten keine Zuwanderer für die Arbeitsmärkte gewonnen werden – und werde die aktuelle Wachstumsschwäche nicht zu überwinden sein.
Das Bündnis Soziales Wohnen sieht in den neuen Zahlen „Warnsignale“ und unter anderem bei den Sozialwohnungen Handlungsbedarf. Bundesweit lag ihr Anteil an allen Mieterhaushalten zuletzt bei 4,5 Prozent und in Bayern bei vier. Das Bündnis fordert daher einen „Sozialen Bund-Länder-Pakt fürs Wohnen“: Der soziale Wohnungsbau müsse zur Chefsache werden, „im Kanzleramt genauso wie in den Staats- und Senatskanzleien der Länder“.
Auch die bayerischen Landtags-Grünen forderten die Staatsregierung zum Handeln auf. Nötig seien unter anderem eine Verlängerung der Bindungsfristen für Sozialwohnungen und eine Vereinfachung der Förderungen für Wohneigentum. „Wohnen ist ein Grundrecht, das die Staatsregierung nicht einfach ignorieren kann“, sagte der wohnungspolitische Sprecher Jürgen Mistol.
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