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07.01.2026
14:00 Uhr
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Fast 311 000 Menschen in Bayern waren im Dezember arbeitslos. Und auch andere Zahlen zeigen, dass die Zeiten auf dem Arbeitsmarkt härter werden.

Die steigende Arbeitslosigkeit ist vor allem der schwierigen wirtschaftlichen Lage im verarbeitenden Gewerbe geschuldet. (Foto: Sven Hoppe/dpa)
Die Zahl der Menschen ohne Job ist weiter gewachsen. Im letzten Monat des vergangenen Jahres waren landesweit 310 795 Personen arbeitslos gemeldet. Das waren gut sechs Prozent mehr als im Dezember 2024. Damit sei die Arbeitslosigkeit „zum Jahresende so hoch wie seit fast 20 Jahren nicht mehr“, teilte die Regionaldirektion Bayern der Agentur für Arbeit am Mittwoch in Nürnberg mit. Auch die Arbeitslosenquote ist gestiegen: auf vier Prozent, ein Plus von 0,2 Punkten gegenüber dem Vorjahr.
Damit setzt sich für den Dezember eine Entwicklung fort, die das alte Jahr geprägt hat. Die steigende Arbeitslosigkeit ist vor allem der schwierigen wirtschaftlichen Lage im verarbeitenden Gewerbe geschuldet. Zwar führen die bayerischen Arbeitsagenturen und Jobcenter immer noch mehr als 100 000 offene Stellen in ihrem Bestand. Doch ihre Zahl sinkt. Und in der Industrie machten zuletzt Meldungen über Stellenkürzungen die Runde. Teils geht es dabei um Entlassungen, teils wird versucht, über Vorruhestandsregelungen die Kopfzahl der Beschäftigten zu drücken.
Wo die Nachfrage nach den hergestellten Produkten fehlt, wird außerdem oft zu Kurzarbeit gegriffen, in der Hoffnung, so die Auftragsflaute überbrücken zu können. Die aktuellsten Zahlen hierzu stammen allerdings aus dem September 2025. Damals wurde für gut 43 500 Menschen Kurzarbeit realisiert, sechs Prozent mehr als im September 2024.
Ebenfalls am Mittwoch veröffentliche die Regionaldirektion Gesamtwerte für 2025. Demnach waren im Jahresdurchschnitt knapp 315 000 Menschen arbeitslos gemeldet – ein Anstieg von mehr als zehn Prozent gegenüber 2024. Die Arbeitslosenquote lag bei vier Prozent – 0,3 Punkte mehr.
Für die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (VBW) spiegeln die Zahlen die „enormen Strukturprobleme“ des Landes wider. Unter anderem bei der Bürokratie brauche es schnell Entlastungen. In der Staatsregierung verweist man dazu auf den Bund – und zum Beispiel auf den Mindestlohn. Es sei hier „höchste Zeit“, die Forderung nach einer Reduzierung der Vorschriften umzusetzen, teilte Arbeitsministerin Ulrike Scharf (CSU) mit. Nachbesserungsbedarf sieht sie auch bei der Dokumentation der Arbeitszeiten.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Bayern sieht dagegen auch der Freistaat selbst mehr gefragt: Während andere Länder ihre Industrie aktiv unterstützten, verlasse sich Bayern zu sehr auf Marktmechanismen. „Es braucht Investitionen in Qualifizierung, Energie, Infrastruktur und Innovation – und es braucht den Dialog mit den Beschäftigten“, sagte der DGB-Landesvorsitzende Bernhard Stiedl. Im alten Jahr hatte er gemeinsam mit der IG Metall Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW) vorgeworfen, es mangle ihm an einer Strategie gegen die Krise.
Im Vergleich zum Bund steht Bayern nach Zahlen immer noch gut da: Deutschlandweit lag die Arbeitslosenquote zuletzt bei 6,2 Prozent. Dennoch gilt der Regionaldirektion das Jahr 2025 als „in der Summe enttäuschend“. Zudem gebe es im Moment „keine Indizien, dass wir in Richtung Gesundung durchstarten“, sagte Chef Markus Schmitz jüngst im SZ-Interview. Trotzdem warnte er davor, den Fachkräftemangel nicht zu unterschätzen. „Wenn wir jetzt die Menschen massenweise in den Vorruhestand gehen lassen, werden wir es übermorgen bereuen“, sagte Schmitz.
Standortkrise, Sparpläne, Investitionsstopps: 2026 könnten noch mehr Menschen ihren Job verlieren. Gleichzeitig suchen viele Firmen dringend Fachkräfte, sagt der Chef der bayerischen Arbeitsagenturen und Jobcenter, Markus Schmitz. Ein Gespräch über eine historische Ausnahmesituation.
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