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06.01.2026
14:14 Uhr
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Präsident Donald Trump drängt amerikanische Ölfirmen, in Venezuela zu investieren. Dafür bringt er sogar staatliche Subventionen ins Spiel. Doch so einfach ist das nicht.

Während US-Präsident Donald Trump seine Intervention in Venezuela offiziell mit dem Kampf gegen den Drogenschmuggel begründet, macht er zugleich keinen Hehl daraus, dass es ihm vor allem um die gewaltigen Ölreserven des Landes geht. Davon sollten auch die Amerikaner profitieren, versprach er am Samstag auf einer Pressekonferenz in Mar-a-Lago. Am Montag behauptete er in einem Interview mit NBC News zudem, das Vorhaben, wonach US-Ölkonzerne ihre Aktivitäten in Venezuela ausweiten sollen, könne „in weniger als 18 Monaten“ anlaufen.
„Ich denke, wir können das in noch kürzerer Zeit schaffen, aber es wird viel Geld kosten“, sagte Trump. „Ein Venezuela als Ölexporteur ist gut für die Vereinigten Staaten, weil es den Ölpreis niedrig hält.“ Möglicherweise setzt der US-Präsident also darauf, dass seine von steigenden Lebenshaltungskosten frustrierten Wähler noch vor den Zwischenwahlen im Herbst sinkende Benzinpreise an den Tankstellen bemerken und ein noch niedrigerer Ölpreis das Wirtschaftswachstum unterstützt.
Tatsächlich reagierten die Ölmärkte zum Wochenauftakt zunächst mit leichten Preisabschlägen – obwohl Militärinterventionen normalerweise eher zu steigenden Ölpreisen führen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent verbilligte sich am Montagmorgen um 0,4 Prozent auf 60,54 Dollar, die US-Sorte WTI fiel um 0,5 Prozent auf 57,04 Dollar. Am Dienstag notierte der Ölpreis aber bereits wieder im Plus. Nur kurzfristig wettete der Markt also darauf, dass ein politischer Machtwechsel in dem südamerikanischen Opec-Staat längerfristig zu einem höheren Angebot – und damit zu deutlich niedrigeren Preisen – führen könnte.
Fachleute bezweifeln ohnehin, dass der Öl-Effekt kurzfristig spürbar sein wird und Trump den Ölpreis durch den Zugriff auf Venezuela bis zu den Zwischenwahlen noch mehr senken kann. Seine Strategie, den Preis zu drücken, sei zwar bereits aufgegangen, weil der Ölpreis in den vergangenen Monaten deutlich gefallen ist, sagt Thomas Benedix, Rohstoffexperte bei Union Investment. Die Ölpreise sind 2025 um mehr als 18 Prozent gesunken, das war der stärkste jährliche Rückgang seit 2020. Dazu habe nicht zuletzt das verbesserte Verhältnis zu Saudi-Arabien beigetragen – ebenso wie die Strategie der Opec, ihre Marktanteile auszubauen und die Produktion zu erhöhen.
Der Ölpreis werde aber nicht dauerhaft unter 60 Dollar bleiben, weil einige Produzenten – insbesondere im Schieferölsektor – dann keine Anreize mehr hätten, ihre kostspielige Förderung auszubauen, sagt Benedix. „Zudem dürfte die einflussreiche US-Schieferöl-Lobby, die der Regierung politisch nahesteht, darauf drängen, dass der Preis nicht allzu weit abrutscht“, so der Marktexperte.
Venezuela verfügt über die größten Ölreserven der Welt. Laut dem Londoner Energy Institute besitzt das Land mit 303 Milliarden Barrel rund 17 Prozent der weltweiten Reserven, das ist mehr als Saudi-Arabien. Die Ölindustrie in Venezuela ist allerdings stark heruntergekommen, gefördert wird also wenig. „Es kann sein, dass ein bisschen mehr Öl gepumpt wird, aber zunächst müsste investiert werden, und das dauert“, sagt Rohstoffexperte Benedix von Union Investment. Auf Sicht von vielleicht fünf Jahren könnte es für die Fördermenge zwar einen Unterschied machen, vorausgesetzt, die politische Lage stabilisiere sich und ausländische Unternehmen investierten ernsthaft Geld. Es sei aber extrem unklar, wie viele Investitionen nötig sind. Unter zweistelligen Milliardenbeträgen komme man „nirgendwohin“, möglicherweise seien sogar bis zu 100 Milliarden Dollar notwendig. Die Erneuerung der venezolanischen Ölindustrie kann zudem bis zu zehn Jahre dauern.
Leon Ferdinand Bost, Rohstoffmarktexperte vom Bankhaus Metzler, hält zudem das Investitionsrisiko für US-Ölfirmen in Venezuela für sehr hoch. „Man hat dort früher Enteignungen erlebt, das könnte auch erneut passieren, je nach politischer Entwicklung.“ Unklar sei auch, wie es nach der Präsidentschaft von Trump weitergehe, ob die amerikanischen Interessen in Venezuela so wichtig blieben wie jetzt. „In einer solchen Welt tut man sich als Unternehmen schwer, dort über viele Jahre viele Milliarden Dollar zu investieren“, sagt Bost.
Venezuela produziert derzeit rund 900 000 Barrel pro Tag, wenn man vor Ort grundlegende Wartungsarbeiten an den Förderanlagen durchführe, könnte der Output in den nächsten Monaten auf 1,2 Millionen Barrel ansteigen, schätzt Experte Bost. Anders als sein Kollege von Union Investment geht er davon aus, dass der Ölpreis durchaus weiter fallen könnte, allerdings nicht wegen Venezuela. „Den globalen Ölpreis wird das kaum beeinflussen, das Angebot ist groß, der Preis dürfte so oder so weiter fallen.“
Der US-Ölkonzern Chevron ist derzeit der einzige große Konzern, der mit einer Ausnahmegenehmigung der US‑Finanzbehörde noch in Venezuela Öl fördert. Chevron steht nach aktuellsten Zahlen für knapp ein Drittel der Ölproduktion in Venezuela, was weltweit gesehen ein winziger Anteil ist. Geht es nach Trump, soll sich das rasch ändern. Dafür schließt er auch staatliche Subventionen nicht aus, obwohl die USA bereits jetzt hoch verschuldet sind.
„Es muss eine enorme Summe investiert werden, und die Ölunternehmen werden das Geld aufbringen. Anschließend werden sie entweder von uns oder durch Umsätze entschädigt“, sagte er zu NBC. Wie die Ölförderung konkret wieder aufgenommen werden soll oder wer in der Zwischenzeit über die Einnahmen verfügen wird, sagte Trump indes nicht. Auf die Frage, ob er bereits mit Führungskräften von Exxon Mobil, Chevron und Conoco Phillips gesprochen habe, antwortete Trump, es sei „zu früh“, um dazu etwas zu sagen.
Die Aktien von US-Ölkonzernen legten zu Wochenbeginn jedenfalls deutlich zu. Laut einem Bericht des Wall Street Journal hatte Trump die Vorstandschefs der Ölkonzerne offenbar bereits vor einen Monat gebeten, sich auf Venezuela vorzubereiten, während er den US-Kongress bei der riskanten Operation komplett außen vor ließ.
Was Trump nun auch in die Karten spielen dürfte: Das Ölkartell Opec plus wird seine Strategie, weiter viel Öl zu fördern, indes auch nach dem Zugriff in Venezuela fortsetzen. Die Fördermenge werde nicht gekürzt, teilte die Gruppe am Sonntag nach einem kurzen Onlinetreffen mit. Die acht an der Entscheidung beteiligten Länder fördern etwa die Hälfte des weltweiten Öls. Opec plus ist der informelle Zusammenschluss der klassischen 13 Opec-Länder mit weiteren zehn Öl produzierenden Nicht-Opec-Staaten wie Russland.
Jenseits der Ölfrage reagierten die Finanzmärkte zu Wochenbeginn unterschiedlich auf die Ereignisse: Während der Goldpreis als klassischer „sicherer Hafen“ für Anleger ebenso wie der Preis für Silber stieg, zeigten sich die Anleger an den Aktienmärkten überraschend entspannt mit Blick auf die geopolitische Unsicherheit. Das lag allerdings weniger an freudigen Erwartungen eines allgemeinen Wirtschaftswachstums, sondern vor allem an Aktien von Rüstungskonzernen, die deutlich zulegten. Der deutsche Leitindex Dax erreichte zu Wochenbeginn ein neues Allzeithoch und notierte am Dienstag knapp unter der Marke von 25 000 Punkten. Auch die Aktienmärkte in Asien und den USA legten zu.
US-Präsident Trump sagt ganz offen, dass es ihm in Venezuela um lukrative Geschäfte geht. Aber es bleiben Fragen: In welchem Zustand ist die dortige Ölindustrie? Und warum ist sie für die USA interessant? Eine Analyse mit Satellitenbildern und Grafiken.
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