SZ 28.11.2025
16:24 Uhr

(+) Weihnachtliche Getränke: Es muss nicht immer Glühwein sein


Wer vorweihnachtliche Alternativen zum Christkindlmarkt-Klassiker sucht, kann in Münchens Gastronomie fündig werden. Eine Auswahl besonderer Kreationen – von alkoholfrei bis prickelnd teuer.

(+) Weihnachtliche Getränke: Es muss nicht immer Glühwein sein
Glühwein, der prickelt: Im Hotel Sofitel Munich Bayerpost wird Champagner-Glühwein serviert. (Foto: Paul Dittmann)

Während auf den vielen Christkindlmärkten Münchens roter oder weißer Glühwein in Tassen dampft, haben die Gastronomen der Stadt ihrer Kreativität für Alternativen keine Grenzen gesetzt. Eben ganz nach dem Motto: Es muss nicht immer Glühwein sein. Die Süddeutsche Zeitung hat einen Streifzug durch die Stadt unternommen und eine Auswahl der außergewöhnlichsten weihnachtlichen Drinks zusammengestellt.

Zugegeben: Ganz neu ist diese Kreation nicht. Es dürfte aber kaum eine andere Glühweinvariante in München geben, die so sehr auf das Lebensgefühl in der Stadt abgestimmt ist wie der Champagner-Glühwein. Der jetzige Barchef Simon Mehr vom Hotel Sofitel Munich Bayerpost hat ihn bereits 2019 erfunden.  Viele nennen ihn den teuersten Glühwein Deutschlands, weil er derzeit mit 18 Euro zu Buche schlägt.  Dafür besteht er aber aus ausnehmend vielen edlen Zutaten.

Da ist erst einmal der Sauvignon Blanc des rheinhessischen Weinguts Groh, der die Grundlage bildet. Der Wein selbst wartet mit den Aromen von reifen gelben Früchten, Stachelbeere und Passionsfrucht auf. Mehr veredelt ihn für seinen weißen Glühwein, den es auch im Sofitel gibt, mit weihnachtlichen Gewürzen, weißem Traubensaft, naturtrübem Apfelsaft, einem Hauch Zitrusfrucht und einem selbstgemachten Sirup. Die genaue Rezeptur, die Mehr immer weiterentwickelt, ist geheim. Sicher ist nur, dass dieser weiße Glühwein auf etwa 70 Grad erhitzt wird und dann frisch mit dem auf Zimmertemperatur gehaltenen Hauschampagner des Fünf-Sterne-Hotels von Perrier-Jouët aufgegossen und mit einer Orangenscheibe garniert wird. Die Sache mit der Zimmertemperatur klingt erst einmal befremdlich, aber die Perlage würde sich bei Hitze verlieren, und das Ganze soll doch prickelnd bleiben.

Den Champagner-Glühwein wird für 18 Euro von 28. November, 12 Uhr, in einer Weihnachtshütte vor dem Hotel Sofitel, Bayerstraße 12, ausgeschenkt, jeweils täglich bis 20 Uhr.

Normalerweise handelt es sich bei Wermut um ein Getränk, das aus mindestens 75 Prozent Wein bestehen muss, der mit Kräuterextrakten, vor allem mit einem der vielen Wermutpflanzen und Alkohol aufgespritet wird, wie das in der Fachsprache heißt. Daniel Richter vom Salon Irkutsk verwendet für seinen Wermut den ganz normalen Beifuß, der im Garten seiner Eltern wächst. Anders als normalerweise üblich setzt er aber für seinen Wermut erst einmal einzelne Mazerate auf, das heißt einzelne Kräuter oder Früchte lässt er für eine bestimmte Zeit in Wodka ziehen.

Je nach gewünschten Geschmackserlebnissen landen diese Mazerate dann in dem Weißwein, der die Basis seines Wermuts bildet. Für den weihnachtlichen Gusto in seinem Glühwermut setzt er neben Kräutern und Früchten aber auch auf Gewürze wie Zimt, Kardamom, Sternanis oder Nelken. Hinzu kommen Vanille, Tonkabohne und der Pimentpfeffer-Likör „Pimento Dram“ aus Pullach.  Richter achtet übrigens genau auf den Zuckergehalt seines weihnachtlichen Heißgetränks: etwa 50 Gramm pro Liter. „Ich mag es nicht, wenn es zu sehr im Mund pappt“, sagt er. Das Ganze wird dann stilecht in einem Samowar erhitzt.

Den Glühwein-Wermut gibt es für 7,50 Euro bereits seit Oktober im Salon Irkutsk, Isabellastraße 4.  Öffnungszeiten: Sonntag bis Donnerstag, 17 bis 0 Uhr, freitags und samstags bis 1 Uhr. Tipp: Den Glühwermut kann man sich auch in eine Flasche abfüllen lassen und mit nach Hause nehmen (etwa 25 Euro pro Liter). 

Kombucha, das ist ein fermentiertes und besonders bekömmliches Teegetränk. Gemeinhin trinkt man ihn kalt, Hanna Schumacher allerdings serviert ihn im Winter warm: Als Glühkombucha verkauft ihn die Gründerin der First8-Kombucha-Manufaktur bereits seit 2021, „sobald die Temperaturen dauerhaft sinken“. Nur: Gehen die dem Kombucha eigenen Eigenschaften nicht durch das Erhitzen verloren? Nein, sagt Schumacher: Die organischen Säuren, die bei der Fermentation entstehen sowie die Polyphenole des Tees samt seiner antioxidativen Wirkung „bleiben vollständig erhalten“. Das mache Glühkombucha  „zu einer angenehm leichten Alternative zu vielen winterlichen Heißgetränken“.

Was allerdings stimmt: „Die lebendigen Kulturen – also Milchsäure- und Essigsäurebakterien sowie Hefen – überstehen die Hitze jedoch nicht.“ Heuer gibt es zwei Sorten: „Weihnachtsbirne“, Kombucha in der Geschmacksrichtung Birne-Kurkuma verfeinert mit Holunderbeerensaft, und den „Holunder Zimt“, Kombucha in der Geschmacksrichtung Holunder-Quitte, verfeinert mit Birnensaft. Beiden werden weihnachtliche Gewürze beigemischt und schmecken dabei herb und süß gleichermaßen. Wer mag, kriegt noch einen Schuss Gin obendrauf.

Die zwei Glühkombucha-Sorten gibt es bis einschließlich 5. Januar 2026 am Stand von First8 Kombucha auf dem Viktualienmarkt (Abteilung 6)  für je 4,50 Euro oder mit Gin 6,50 Euro. Öffnungszeiten: Montag und Dienstag sowie Donnerstag und Freitag 10.30 bis 18 Uhr, samstags 10.30 bis 17 Uhr.

Dass Glühwein nicht immer gleich Glühwein sein muss, beweist der Feinkost-Stand Sziaszia auf dem Viktualienmarkt: Die Betreiber Peter Pazmandi und Vincent Sauter, die seit Herbst 2024 vor allem mit ausgefallenen Lángos-Kreationen auffallen, haben sich für ein Heißgetränk entschieden, dass zwar als Glühwein auf der Karte steht, faktisch aber eher ein Punsch ist. Die Basis ist eine Earl-Grey-Infusion, verfeinert wird das Ganze mit naturtrübem Apfelsaft, Zimt, Sternanis, Piment, Orangenöl, frischer Zitrone und wahlweise einem Schuss Wodka. Das Ergebnis erinnert zumindest Sauter optisch an das aus den Harry-Potter-Romanen bekannte Butterbier – „und so war die Idee geboren, das Getränk mit einem Schaum aus Eiweiß und Birnensaft zu ergänzen“. In der Kombination schmeckt das so lecker, dass man gerne nach dem ersten Becher noch einen Zweiten trinkt. Noch ein Pluspunkt: Wie auf den meisten Christkindlmärkten bekommt man eben auch bei Sziaszia Lángos, aber eben mit sehr viel raffinierteren Toppings. Wie wäre es zum Beispiel mit Calamari és Sütőtök, sprich Kalamari mit Kürbis, getoppt mit Safran-Mayonnaise und Bonitoflocken?

Die Glühweinvariante mit Alkohol kostet 5,50 Euro, die alkoholfreie Alternative 4,50 Euro. Beide gibt es am Sziaszia-Stand auf dem Viktualienmarkt (Abteilung 6) bis einschließlich 5. Januar 2026. Öffnungszeiten: Montag bis Samstag 12 bis 17 Uhr.

Wer bei weihnachtlichen Drinks automatisch an Heißgetränke denkt, der wird in der Josefa Bar eines Besseren belehrt: Dort stehen seit dieser Woche vier Cocktails auf der Karte, die mit Winteraromen wie Spekulatius oder Bratapfel spielen oder, wie Barmanagerin Nathalie Putz, es erklärt: „Die Drinks orientieren sich an klassischen Cocktails, denen wir eine deutlich weihnachtliche Note hinzugefügt haben.“ Man habe sich, so Putz, dabei ganz bewusst für kalte Drinks entschieden, „weil sie die winterlichen Gewürze klarer, frischer und eleganter zur Geltung bringen“.

Das Ergebnis sind ein „Strudel-Negroni-Spritz“ mit Apfelstrudellikör, Wermut, Campari und Sekt, ein „Bratapfel Sour“ mit Calvados, Zitrone, Bratapfel- und Ahornsirup, ein „Spekulatius Sour“ mit Rum, Zitrone und Spekulatiussirup oder aber ein „Chocolate Martini“ mit Wodka, Schokoladenlikör, Baileys und Sahne. Letzterer erinnert an eine etwas weihnachtlichere Interpretation eines White Russian, der Strudel-Negroni-Spritz schmeckt wie ein klassischer Negroni Sbagliato, nur eben im Abgang mit einer Apfelstrudelnote.

Unter dem Motto „Winterzauber“ serviert die Josefa Bar in der Sparkassenstraße 10 bis einschließlich 30. Dezember vier weihnachtliche Drinks, allesamt zum Preis von 14 Euro. Öffnungszeiten: täglich von 7.30 bis 0 Uhr.

Auf ihren Reisen stellten Leonard Vinçon und Paul Martin fest, dass es in Deutschland zu wenige „coole“ alkoholfreie Getränke gibt. Um das zu ändern, fingen sie vor fünf Jahren an, unter dem Namen „Franz von Fein“ alkoholfreie Aperitifs aus Früchten, Kräutern, Blüten und Gewürzen herzustellen und sie online zu verkaufen. Ein Jahr später eröffneten sie ihren „Tasting Room“ mit Verkauf an der Schwanthalerstraße. Dort dürfen Kunden verkosten und verweilen, im Sommer bei alkoholfreien Spritz und im Winter beim alkoholfreien Punsch, den die Gründer „Glühfein“ nennen. Hierfür verwenden sie ihren Aperitif „Rubin“, ein rotes Konzentrat aus Wacholder, Hibiskusblüte und Zitrone. Für eine Tasse „Glühfein“ werden etwa vier Zentiliter des „Rubin“ mit Wasser, einem Schnitzer Orange und Zimt erwärmt. Der alkoholfreie Punsch schmeckt fruchtig-frisch und etwas bitter. Für die Alternative mit Alkohol empfehlen Vinçon und Martin, je nach Vorliebe Rum, Gin oder halbtrockenen Rotwein hinzuzugeben.

Franz von Fein, Schwanthalerstraße 141, „Glühfein“ für 3,50 Euro ab dem 3. Dezember Mittwoch bis Freitag 15 bis 19 Uhr und von 9. bis 23. Dezember Dienstag bis Freitag von 15 bis 19 Uhr sowie samstags 11 bis 19 Uhr.

Aperol auf der Dachterrasse geht jetzt auch im Winter: Erstmals ist die sechste Etage des Hotels Marriott City West an der Landsberger Straße nicht nur für private Feiern zugänglich. Auf der Terrasse wurden Sitzgruppen mit beheizter Überdachung aufgebaut, außerdem zwei Eisstockbahnen, mehrere Gondeln, die man für Fondue oder Raclette mieten kann, und eine Holzhütte als Bar. Dort wird unter anderem der „Hot Aperol Royal“ ausgeschenkt. Dafür werden Weißwein, Orangensaft und Traubensaft mit Gewürzen, Aperol und dem Orangenlikör Cointreau aufgekocht. Der heiße Glühwein wird dann in einem kleinen Steinkrug serviert und mit einem Schuss kalten Champagner der Marke Piper-Heidsieck aufgegossen. Dadurch, dass der Champagner nicht erwärmt wird, behält er seine Perlage – bei einem warmen Getränk ein auf den ersten Schluck ungewohntes Gefühl auf der Zunge. Doch der Glühwein schmeckt vollmundig, fruchtig-herb und nicht zu süß. Damit ist er für einen Champagner-Glühwein nicht vollkommen überteuert und der Ausblick ist inklusive.

Cloud 6 im Marriott City West, Landsberger Straße 156, der Hot Aperol Royal kostet 12,50 Euro. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 15 bis 22 Uhr, Samstag und Sonntag 13 bis 22 Uhr. 

Welches Restaurant, welches Gasthaus in München ist wirklich einen Besuch wert? Seit 50 Jahren testen das die Gastrokritikerinnen und -kritiker der SZ. Natürlich anonym, unbestechlich – und manchmal mit ein wenig krimineller Energie. Die schönsten Anekdoten zum Geburtstag.

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