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01.12.2025
16:24 Uhr
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Sein Urgroßvater Wilhelm war von 1954 bis 1957 bis heute der einzige sozialdemokratische Ministerpräsident Bayerns. Nun kehrt Ludwig Hoegner der SPD den Rücken, angetrieben von einem schmählichen „Arschtritt“.

Ludwig Hoegner hat sein rotes SPD-Parteibüchlein zurückgegeben. (Foto: Claus Schunk)
Nachkommen bayerischer Ministerpräsidenten stehen naturgemäß immer auch im Fokus der landespolitischen Betrachtung. Als die Tochter von Markus Söder, Gloria-Sophie Burkandt, kürzlich in der Fernsehshow „Deutschlands dümmster Promi“ Wissenslücken von der Tiefe des Walchensees offenbarte, war das prompt Tuschelthema auf den Landtagsfluren. Horst Seehofers Tochter, Susanne Seehofer, macht selbst Politik, wenn auch für die FDP und nicht für des Vaters CSU. Manchmal setzen sich CSU-Karrieren auch einfach fort, wie im Fall von Ministerpräsident Alfons Goppel und dessen Sohn Thomas, dem ehemaligen Kunstminister. Die Strauß-Kinder sind ohnehin ein eigenes Kapitel.
Auch die bayerische SPD hat so einen Nachfahren, wenngleich nicht in vorderer politischer Reihe. Ludwig Hoegner, Urenkel von Wilhelm Hoegner, dem einst das schier Undenkbare in der Landespolitik gelungen war – eine SPD-geführte Staatsregierung, 1954 bis 1957. Hoegner ist bis dato einer der Sprecher der „Seeheimer Oberbayern“, einem Verein, der den Namen der konservativen SPD-Strömung im Bundestag tragen darf. Als eine Art Gesprächskreis tummeln sich hier Stimmen etwa zu Wirtschaft oder Migration, die sonst in der SPD nicht so richtig gängig sind. Ein Positionspapier der Seeheimer rügte mal, die Bayern-SPD „taumelt zwischen linkspopulistischen Thesen und grüner Kopie durch die politische Landschaft“.
Ludwig Hoegner – kein Berufspolitiker, sondern Hochschulprofessor und ehrenamtlich Vorstand der Bayerischen Volksstiftung – verlässt nun nach 28 Jahren die SPD. Auf Facebook stellte der 46-Jährige unlängst ein Foto seines roten Parteibüchleins, bevor er es in der Parteizentrale abgab, wirksam zum Jahresende. Hintergrund ist offenbar ein schwelender Disput mit seiner Münchner SPD, der rund um die Aufstellung zur Kommunalwahl an Wucht gewann. Hoegner schrieb dazu: „Man zieht das Hoegner-Maskottchen aus dem Hut, wenn man’s braucht. Und dann befördert man es mit einem Arschtritt wieder zurück in den Keller.“ Inhaltliche Differenzen mit der derzeitigen Sozialdemokratie, auch wenn es sie durchaus geben mag, spielten dem Vernehmen nach keine Rolle für den Rückzug.
Wie ist es nur bestellt um die Bayern-SPD – wenn sogar die Hoegners die Segel streichen? Im Landtag ist das jetzt auch Tuschelthema. Bis heute wärmt ja der Gedanke an den roten Ministerpräsidenten viele Genossenherzen. Damals wurde mit einer Viererkoalition (SPD, FDP, Bayernpartei und Vertriebenenbund BHE) eine Staatsregierung ganz ohne die CSU gebildet. Hoegners SPD mit einem Wahlergebnis von 28,1 Prozent führte das Bündnis an. Das Passauer Bistumsblatt ächzte damals: „Gottes Vorsehung hat es zu unserer Prüfung und Bewährung zugelassen.“
Heute hat die CSU die kurzzeitige historische Schmach quasi aus ihrem Gedächtnis getilgt. Und heute sind 28 Prozent für die Bayern-SPD nicht mal legitim träumbar, bei den vergangenen Landtagswahlen schnitt sie einstellig ab. Es bleiben: die wärmenden Gedanken – auch ohne Ministerpräsidenten-Urenkel in der Mitgliederkartei.
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