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06.10.2026
13:05 Uhr
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Helmut Schlotterer wollte die Firma an seine Belegschaft übergeben. Daraus wird nun aber nichts – und der Chef sucht nach einer anderen Lösung.

Es sollte das tollste Geschenk für die Mitarbeiter zum Firmenjubiläum werden: 2023 wurde die Modefirma Marc Cain aus Bodelshausen bei Tübingen 50 Jahre alt – und Gründer und Firmeninhaber Helmut Schlotterer kündigte damals an, das Unternehmen an die Mitarbeiter zu übergeben. Daraus wird nun aber doch nichts, wie die SZ auf Anfrage erfuhr.
Nach damaliger Planung sollten das Betriebs- und Privatvermögen an die seit Jahren bestehende gemeinnützige Helmut-Schlotterer-Stiftung gehen, die unter anderem Jugendliche unterstützt. Die Stimmrechte dagegen sollte eine neue Mitarbeiterstiftung erhalten, die durch einen Rat aus aktiven Führungskräften kontrolliert würde. Das Konstrukt sollte bis Ende 2023 stehen. Der Termin ist längst verstrichen, die geplante Mitarbeiterstiftung ist aus steuerlichen Gründen kein Thema mehr – es wäre Schenkungsteuer angefallen.
Schlotterer, mittlerweile 80 Jahre alt, wolle Marc Cain nun seiner gemeinnützigen Stiftung vermachen, die nicht steuerpflichtig sei, heißt es vom Unternehmen. Die Planungen dafür seien weit fortgeschritten.
Laut Nachhaltigkeitsbericht für das Jahr 2024 beschäftigte Marc Cain seinerzeit knapp 990 Mitarbeiter. Zugleich setzte das Unternehmen im Geschäftsjahr 2024 rund 240 Millionen Euro um, wie aus dem im Unternehmensregister hinterlegten Abschluss hervorgeht. Das Ergebnis nach Steuern lag demnach bei 5,7 Millionen Euro.
Damit schlägt sich die Modefirma immer noch besser als viele ihrer Konkurrenten. Viele Marken mussten in den vergangenen Jahren Insolvenz anmelden; es trifft teure und preiswerte Marken, kleine und große Unternehmen. St. Emile, Rena Lange, Escada, Strenesse, René Lezard, Gerry Weber, Hallhuber, Esprit, Lala Berlin, Steilmann, Ahlers – manche wurden gerettet, einige mehrmals, manche nur in Teilen, andere verschwanden endgültig. Die insolvente Marke Closed wurde von einem Kreis um Werner Böck gerettet, der auch an Marc O’Polo die Mehrheit hält. Und es gibt Übernahmen. Der britische Konzern Fraser beispielsweise baute seinen Anteil am Modekonzern Hugo Boss schrittweise aus und hält nach einem freiwilligen Übernahmeangebot mittlerweile rund die Hälfte des Grundkapitals. Pleiten von großen Ketten wie Galeria, aber auch von vielen kleineren Händlern mit nur einem oder wenigen Geschäften erschweren das Geschäft, denn viele Marken vertreiben ihre Produkte auch über solche Händler.
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