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04.01.2026
21:55 Uhr
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Behörden haben die Identität sämtlicher Todesopfer ermittelt. Viele sind noch minderjährig, die jüngsten gingen noch zur Schule. Deutsche sollen nicht darunter sein.

Menschen trauern vor der Bar Le Constallation in Crans-Montana. (Foto: Harold Cunningham/Getty Images)
Die Schweizer Behörden haben am Sonntagabend bekanntgegeben, die letzten 16 Todesopfer des verheerenden Barbrandes in Crans-Montana identifiziert zu haben. Sämtliche 40 Todesopfer sind nun also ermittelt. Darunter sind zahlreiche Minderjährige – die Bar war besonders bei jungem Publikum beliebt. Das jüngste Opfer ist eine 14-jährige Schweizerin, wie die Schweizer Polizei im Kanton Wallis berichtet. Das älteste war laut einem Bericht der BBC 39 Jahre alt. Deutsche sind nach Angaben der Polizei nicht unter den Toten. Die Verstorbenen kamen außer aus der Schweiz aus den Nachbarländern Italien und Frankreich, sowie aus Rumänien, der Türkei, Portugal, Belgien, Großbritannien und Israel.
Die Identifizierung der Toten dauerte wegen der schweren Verbrennungen mehrere Tage, sie musste anhand von DNA-Abgleichen erfolgen.
Einige der 119 überwiegend schwer verletzten Überlebenden sind in einer kritischen Phase: Bei sehr schweren Verbrennungen treten Symptome der Verbrennungskrankheit wie Organversagen erst nach 48 Stunden auf, wie Experten erläutern.
Zudem wächst das Risiko von Infektionen, weil das überforderte Immunsystem geschwächt ist. Erst, wenn die Risiken minimiert sind, beginnen die ersten von zahlreichen Operationen, um die verbrannte Haut zu entfernen und zu ersetzen - idealerweise mit Haut von anderen Körperstellen, die unversehrt blieben.
Das Inferno in der Silvesternacht in der Bar des Schweizer Skiorts war nach bisherigen Ermittlungen durch Funken sprühende Partyfontänen ausgelöst worden. Sie setzte den Erkenntnissen zufolge Schaumstoff an der Decke in Brand. Das Feuer breitete sich rasend schnell aus. Untersucht wird, ob die Brandschutzvorschriften eingehalten wurden.
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Gegen die beiden französischen Betreiber der Bar wird inzwischen unter anderem wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Sie wurden nicht festgenommen und unterliegen auch keinen Reisebeschränkungen, wie ein Polizeisprecher präzisierte. Es handele sich zunächst um eine Strafuntersuchung. Ob Anklage erhoben werde, entscheide die Staatsanwaltschaft später.
Die Gemeinde Crans-Montana teilte laut Medienberichten mit, der Gemeinderat habe am Samstag einstimmig beschlossen, sich als Nebenklägerin an dem Verfahren zu beteiligen. Eine Zivilklage sei eingereicht worden. Zudem werde sie der Staatsanwaltschaft alle verfügbaren Unterlagen zum Brand in der Bar übergeben.
Am 9. Januar soll der Opfer mit einer Gedenkfeier und einem nationalen Trauertag gedacht werden. Die offizielle Gedenkfeier in dem Nobel-Skiort im Kanton Wallis kündigte die Gemeinde auf ihrer Homepage an. Der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin sagte dem Tages-Anzeiger, er werde dabei sein. Ob auch ausländische Staatschefs anreisten, sei noch unklar.
Parmelin teilte mit, für den Freitag sei zudem ein nationaler Trauertag geplant. Um 14 Uhr – zu Beginn der Trauerfeier in Crans-Montana – sollen im ganzen Land die Kirchenglocken läuten, begleitet von einer landesweiten Schweigeminute, wie Parmelin weiter sagte. „In diesem Moment der Stille können alle Menschen in der Schweiz – und weltweit – persönlich der Opfer der Katastrophe gedenken.“
Der Besitzer der Bar hat tesich in mehreren Medien der Schweiz geäußert, darunter dem Tages-Anzeiger. Er fühle sich nach dem Unglück „nicht gut“, sagte der Mann, der ein längeres Gespräch mit der Zeitung ablehnte. Sein Lokal sei „dreimal in zehn Jahren“ kontrolliert worden. Es habe „alles den Vorschriften entsprochen“. Nach Angaben des französischen TV-Senders BFM befand sich der Franzose zum Zeitpunkt des Brandes nicht in der Bar, sondern in einem der beiden anderen Lokale des Besitzer-Paares.
Seine Frau, die zum Zeitpunkt des Feuers vor Ort war, erlitt laut einer von Le Figaro zitierten Quelle Verbrennungen am Arm. „Wir können weder schlafen noch essen, es geht uns allen sehr schlecht“, sagte der Betreiber dem Portal 20 Minuten. „Wir werden alles tun, um mitzuhelfen, die Ursachen zu klären. Wir tun alles in unserer Macht Stehende“, sagte er weiter.
Laut Ermittlern löste Pyrotechnik in Champagnerflaschen wohl ein „Flashover“ in der Bar in Crans-Montana aus. Ein solcher Feuersprung sei relativ häufig, warnen Experten – doch die Gefahr sei vielen nicht bewusst.
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