SZ 27.01.2026
15:36 Uhr

(+) Ungewöhnlicher Polizeieinsatz: „Wenn man einem Kind etwas verspricht, dann muss man es auch halten“


Ein Neunjähriger hat Angst vor Ungeheuern in seinem Zimmer und verschwindet bei Eiseskälte. Als er gefunden wird, rückt Polizeihauptmeister Jörg Kreussel mit „Monsterscanner“ und „Monstersauger“ an, damit er wieder ruhig schlafen kann.

(+) Ungewöhnlicher Polizeieinsatz: „Wenn man einem Kind etwas verspricht, dann muss man es auch halten“

Polizeihauptmeister Jörg Kreussel, 40, hat gerade Nachtdienst, als ein neunjähriger Junge von seiner Mutter am Montagabend als vermisst gemeldet wird. Eine mehrstündige Suche in Sulzbach-Rosenberg (Landkreis Amberg-Sulzbach) beginnt, an deren Ende Kreussel den Jungen im Schnee findet. Doch weil der Bub nicht nach Hause will, da in seinem Zimmer Monster wohnen, gibt Kreussel ihm ein Versprechen.

SZ: Konnten Sie die Monster alle unschädlich machen?

Jörg Kreussel: Natürlich. Wir haben alle Monster eingesaugt mit unserem Einsauggerät, damit der Junge beruhigt schlafen konnte.

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Wie kamen Sie auf die Idee, ein Kartenlesegerät und einen Alkoholtester zu einem Monsterscanner und einem Monstereinsauggerät umzufunktionieren?

Der Junge hatte Angst vor Monstern, die in der Nacht in seinem Zimmer auftauchen. Als wir das Kind hinter einer Hecke im Schnee kauernd fanden, wollte er deshalb erst nicht raus und nach Hause. Ich habe ihm versichert, dass wir Spezialgeräte für Monster dabeihaben. Sonst wäre er nicht freiwillig aus seinem Versteck gekommen. Und als wir den Jungen dann nach Hause zu seiner Mutter brachten, mussten mein Kollege und ich natürlich auch abliefern. Wir haben unter anderem unter seinem Bett, hinter der Couch und im Schrank nachgeschaut. Der Kollege hat die Monster dann eingesaugt. Wenn man einem Kind etwas verspricht, dann muss man es auch halten.

Wird man als Polizist auf solche Situationen vorbereitet?

Man wird natürlich immer dazu angehalten, auch empathisch auf unvorhergesehene Situationen zu reagieren. Aber so etwas kann man nicht lernen.

Haben Sie selbst auch Kinder?

Ja, zwei. Aber die glauben nicht mehr an Monster.

Das ist wohl eine gute Schule für einen solchen Einsatz.

Ja, das mag sein.

Haben Sie den Jungen selbst gefunden?

Ja, aber es waren insgesamt viele Streifen beteiligt. Ein großes Lob gilt auch den Bürgern in Rosenberg, die ebenfalls nach ihm suchten. Wir sind an der Stelle, an der wir den Jungen dann fanden, vorher schon ein paar Mal vorbeigekommen. Wir haben gerufen und Durchsagen gemacht. Aber er hat sich nicht gemeldet. Wir haben jedoch Spuren eines Kindes im Schnee entdeckt und wussten, dass er dort irgendwo sein muss. Gegen 22 Uhr haben wir ihn dann gefunden.

Das klingt nach einer prinzipiell lebensgefährlichen Situation für den Jungen, wenn Sie ihn nicht gefunden hätten.

Auf jeden Fall war sie das. Die Gegend dort ist sehr unübersichtlich, es gibt auch einen Bach. Die Temperatur lag um die null Grad, er war bereits zwei Stunden alleine draußen.

Rücken Sie noch mal aus, falls doch noch ein Monster übrig geblieben sein sollte?

(lacht) Die Spezialeinheit Ghostbusters werden wir jetzt nicht gründen. Aber wenn es erforderlich wird, dann kommen wir noch einmal.

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