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01.12.2025
16:56 Uhr
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Der Verband hat seine Position im Umgang mit der AfD korrigiert. Man wolle sich „klar und sichtbar gegen die AfD positionieren“, sagt Verbandspräsidentin Marie-Christine Ostermann. CDU und SPD begrüßen den Meinungswandel.

Marie-Christine Ostermann war für ihre Position im Umgang mit der AfD scharf kritisiert worden. (Foto: Florian Gaertner/IMAGO/photothek)
Viel Wirbel hatte es in den vergangenen Tagen um den Verband der Familienunternehmer gegeben. Denn Anfang Oktober hatte der Verband AfD-Abgeordnete zu einem Parlamentarischen Abend eingeladen, und sein Hauptgeschäftsführer Albrecht von der Hagen hatte gesagt, man wolle sich von der Brandmauer zur AfD verabschieden. Dafür war der Verein, dem rund 6500 Familienbetriebe angehören, scharf kritisiert worden – und einige Mitgliedsunternehmen waren aus Protest ausgetreten.
Dass der Verband nun seine Position im Umgang mit der AfD korrigiert, wird begrüßt. AfD-Abgeordnete zum Parlamentarischen Abend einzuladen, sei ein Fehler gewesen, hatte Präsidentin Marie-Christine Ostermann am Sonntagabend nach Gremiensitzungen ihres Verbandes mitgeteilt. „Wir müssen andere Wege der Auseinandersetzung finden, wie wir der AfD kritisch begegnen und gleichzeitig deutlich machen können, wofür wir stehen“, schreibt Ostermann in einem Statement auf der Website des Verbandes.
Bei Politikern von CDU und SPD trifft der Kursschwenk des Verbandes der Familienunternehmer auf Zustimmung. „Drohender Mitglieder- und Einnahmeverlust scheint bei Unternehmern zu wirken“, sagte der Bundesvorsitzende des CDU-Arbeitnehmerflügels, Dennis Radtke, dem Handelsblatt. Ob dieser Kurswechsel glaubhaft sei, müssten aber in erster Linie die Mitgliedsunternehmen bewerten. „Ich freue mich jedenfalls, dass so viele Farbe bekannt und sich von dieser fatalen Entscheidung distanziert haben.“ Auch Georg Maier (SPD), Innenminister von Thüringen, lobte den Kurswechsel. Zugleich nannte er es im Gespräch mit dem Handelsblatt einen „schweren Fehler der Verbandsspitze, sich der AfD anzunähern und damit der Normalisierung einer völkisch-nationalistischen Partei Vorschub zu leisten“. Es sei aber „ein ermutigendes Zeichen, dass die Mitgliedsunternehmen den Irrweg der Präsidentin gestoppt haben“. Demokratie und Weltoffenheit seien wesentliche Erfolgsfaktoren der deutschen Wirtschaft, sagte Maier. Diese gelte es zu verteidigen.
Martin Nebeling, Vorsitzender des Bundes Katholischer Unternehmer, sagte: „In der unmissverständlichen Absage des Verbands gegenüber einer Vereinnahmung der deutschen Wirtschaft und ihrer Interessensvertreter durch die AfD sowie in der klaren und deutlichen Ablehnung jener Positionen der AfD, die weder mit der Menschenwürde, der Katholischen Soziallehre noch mit den Interessen unserer Wirtschaft vereinbar sind, stimmen wir mit den Familienunternehmern voll überein.“ Nur mit guter Politik und guten Argumenten lasse sich die Entwicklung hin zu den politischen Extremen stoppen.
Für einige Mitgliedsunternehmen kam die Kurskorrektur allerdings zu spät: Die Drogeriekette Rossmann, der Getränkefabrikant Fritz-Kola und der Hausgerätehersteller Vorwerk waren bereits vergangene Woche als Reaktion auf den Umgang mit der AfD aus dem Verband der Familienunternehmer ausgetreten. Vorwerk hatte sich in einem Statement von den Aussagen des Verbandes zum Umgang mit der AfD distanziert. Für das Unternehmen sei klar, dass die AfD in ihrem Auftreten und in Teilen ihres politischen Handelns in wesentlichen Punkten nicht im Einklang mit demokratischen Grundwerten und rechtsstaatlichen Prinzipien stehe. In einer Stellungnahme des Unternehmens am Montag heißt es dann: Die jüngsten Entwicklungen und Aussagen des Verbandes habe man bei Vorwerk wahrgenommen. „Natürlich stehen wir für einen weiteren Austausch auch mit dem Verein zur Verfügung – aktuell planen wir jedoch nicht, unsere getroffene Entscheidung zu revidieren.“ Vorwerk bleibt also bei seinem Austritt.
Verbandspräsidentin Marie-Christina Ostermann hatte zuvor in ihrem Statement Fehler eingestanden: „Es ist das Gegenteil von dem passiert, was wir wollten. Wir haben Abgeordnete der AfD zum Parlamentarischen Abend eingeladen, damit sie auch von uns hören, dass ihr Programm wirtschaftsfeindlich ist und dem Standort Deutschland schadet“, heißt es in der Stellungnahme Ostermanns. „Leider ist öffentlich – auch durch Äußerungen der AfD – der falsche Eindruck entstanden, dass wir die Partei stärken wollten.“ Dabei nahm Ostermann offenbar auch Bezug auf Leif-Erik Holm, den wirtschaftspolitischen Sprecher der AfD-Fraktion im Bundestag, der gesagt hatte: „Selbst der Verband der Familienunternehmer, der uns früher geächtet hat, lädt uns inzwischen ein.“ Auch Holm selbst war zu dem Parlamentarischen Abend eingeladen gewesen.
„Wir distanzieren uns von Extremisten und lassen uns von ihnen nicht vereinnahmen“, schreibt Verbandspräsidentin Ostermann in ihrer Stellungnahme. „Wir erkennen an, dass sich diese Einladung als Fehler erwiesen hat und nicht zu dem geführt hat, was wir beabsichtigt haben.“ Der Verband der Familienunternehmer wolle in den kommenden Wochen und Monaten mit seinen Mitgliedern über den Umgang mit der AfD diskutieren. Man werde sich „auch in den kommenden Landtagswahlen klar und sichtbar gegen die AfD positionieren“. Als Verband wolle man auch künftig wieder für das wahrgenommen werden, „für das wir stehen“, schreibt Ostermann: „Demokratie, Marktwirtschaft, Wirtschaftswende und Reformen.“
Der Verband der Familienunternehmer hat die Brandmauer zur AfD eingerissen. Nicht nur Mittelständler, auch große Konzerne stehen jetzt unter Druck, sich zu positionieren. Doch viele weichen auf Floskeln aus.
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