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12.10.2026
14:53 Uhr
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Eine große Befragung in mehr als 100 Ländern zeigt, wie sehr Wissenschaft unter Druck steht. In Europa und den USA stieg das Vertrauen gegen den globalen Trend.

Allen Entdeckungen und Innovationen, allen Preisen und Ehrungen zum Trotz sieht sich die Wissenschaft mit immer mehr Skepsis konfrontiert. Im vergangenen Jahr sank das globale Vertrauen in die Forschung auf ein Level, das noch niedriger war als vor der Pandemie. Dies ergibt die jüngste Ausgabe des Vertrauensbarometers, das der gemeinnützige britische Wellcome Trust am Wochenende veröffentlichte. Es ist die größte Erhebung dieser Art. Für sie ließ die Forschungsstiftung 2018, 2020 sowie 2025 jeweils mehr als 100 000 Menschen aus mehr als 100 Ländern befragen.
In der jüngsten Welle gaben nur noch 72 Prozent der Befragten an, „wenigstens etwas Vertrauen“ in die Wissenschaften zu haben. Während der Pandemie hatte dieser Wert 80 Prozent betragen, in der ersten Befragung 77 Prozent.
Knapp ein Drittel der weltweit Befragten brachte Forscherinnen und Forschern zuletzt „viel“ Vertrauen entgegen. Damit genießen Wissenschaftler zwar noch immer mehr Glaubwürdigkeit als Regierungen (26 Prozent) und Journalisten (17 Prozent). Dennoch, schreibt John-Arne Røttingen, Direktor des Wellcome Trust, in dem Bericht: „Das Vertrauen in die Wissenschaft steht unter Druck.“ Es sei nicht gelungen, den Zuwachs an Zuspruch aus den Pandemiejahren zu halten.
Die Gründe dafür sind vielfältig und können sich von Land zu Land unterscheiden. Doch grob zusammengefasst kristallisiert sich dieses Erklärungsmuster heraus: Vertrauen schenken Menschen der Wissenschaft vorwiegend dann, wenn sie spürbar von ihr profitieren – in ihrem Alltag ebenso wie in Momenten der Not. So war das Zutrauen in Forschung besonders dort hoch, wo die Gesundheitsversorgung als gut erlebt wurde. „Menschen vertrauen Wissenschaft eher, wenn Institutionen für sie funktionieren, Gesundheitsversorgung zugänglich und Wissenschaft für ihr Leben relevant ist“, sagte Mark Henderson, Leitung Corporate Affairs and Engagement bei Wellcome, in einer Pressemitteilung. Er mahnte dazu, solche Erfahrungen, Werte und Anliegen ernst zu nehmen. Auch John-Arne Røttingen warnte davor, „geringes Vertrauen einfach als begrenztes Wissen oder Verständnis abzutun“.
Auf ähnliche Weise zeigte sich, dass Menschen der Wissenschaft wohlgesinnter waren, wenn ihr Lebensstandard und ihre finanzielle Sicherheit hoch waren. Auch eine gute Bildung ging mit mehr Vertrauen in die Wissenschaft einher. Allerdings waren die jüngsten Vertrauensverluste sowohl bei den am besten als auch bei den am geringsten Gebildeten am ausgeprägtesten.
Auch auf Länderebene kann man eine Tendenz erkennen, dass mangelnder Wohlstand dem Vertrauen in die Wissenschaft nicht guttut – in Subsahara-Afrika sank es über alle drei Erhebungswellen hinweg. Nur noch 21 Prozent der Menschen gaben 2025 an, „großes“ Vertrauen in Wissenschaft zu haben. In der Demokratischen Republik Kongo, die seit Jahren unter bewaffneten Konflikten, Armut und Krankheiten wie Ebola leidet, berichteten 22 Prozent aller Menschen, überhaupt kein Vertrauen in Wissenschaft zu haben.
In West- und Südeuropa dagegen lag das Vertrauen 2025 über dem Niveau von 2018; sie sind die einzigen beiden Regionen mit einem Anstieg des Zuspruchs. In zwölf europäischen Ländern gab mindestens die Hälfte der Menschen an, „großes“ Vertrauen in die Wissenschaft zu haben. Dazu zählt auch Deutschland, wo sich 60 Prozent überzeugt von der Wissenschaft zeigten. 2018 waren es nur 54 Prozent gewesen, während der Pandemie dagegen 67 Prozent.
Eine gewisse Sonderstellung nehmen in der jüngsten Auswertung die USA ein. Dort hat das Ansehen der Wissenschaft seit 2018 zugenommen. Doch während eine positive Haltung der Wissenschaft gegenüber für gewöhnlich mit einem starken Vertrauen in Staat und Regierung einhergeht, ist es in den USA umgekehrt. 74 Prozent jener Amerikaner, die ihren Präsidenten ablehnten, hofften, dass Wissenschaft ihnen zugutekomme. Unter den Befürwortern des Präsidenten glaubten dies weniger als die Hälfte. Allerdings ist nicht ganz klar, auf welchen Präsidenten sich die Antworten bezogen. Die Umfrage wurde kurz nach der Präsidentschaftswahl 2024 gemacht, als Joe Biden noch im Amt war, Donald Trump die Wahl jedoch bereits gewonnen hatte.
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