Als Matwij Bidnyj, der ukrainische Minister für Jugend und Sport, am Dienstagmorgen zum Gespräch in einem Hotel am Stadtrand von Mailand erscheint, ist der Fall des Skeletonprofis Wladyslaw Heraskewytsch noch frisch. Am Vorabend hatte Heraskewytsch im Training einen Helm getragen, auf dem 20 Athleten zu sehen sind, sie alle wurden von Russland im Krieg getötet. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte Heraskewytsch daraufhin daran erinnert, dass dies eine politische Botschaft manifestiere, die er vor und nach dem Training oder Rennen verbreiten könne – nicht aber im Wettkampf. Als Kompromiss boten sie ihm an, einen Trauerflor zu tragen. Heraskewytsch lehnte ab, trug im nächsten Training erneut den Helm; er will ihn auch im olympischen Wettstreit tragen, der am Donnerstag um 9.30 Uhr in Cortina d’Ampezzo beginnen wird. Das IOC sagte am Mittwoch, es werde seine Haltung noch einmal an den 27-Jährigen herantragen, schloss eine Disqualifikation aber nicht aus. Im Gespräch mit Matwij Bidnyj wird deutlich: Die Auseinandersetzung um den Helm steht längst für größere Spannungen, die das Verhältnis zwischen der Ukraine und dem organisierten Sport prägen.
