SZ 11.12.2025
09:07 Uhr

(+) USA: Das Sechs-Milliarden-Dollar-Geschenk


Der Unternehmer Michael Dell stiftet eine Rekordsumme, die jungen Erwachsenen per Sparkonto den finanziellen Start ins Leben erleichtern soll. Donald Trump ist begeistert von der Idee, aber nicht alle halten die „Trump Accounts“ für gelungen.

(+) USA: Das Sechs-Milliarden-Dollar-Geschenk

Auch in den USA ist die Vorweihnachtszeit die Hochphase der Wohltätigkeit. Wer etwas abgeben kann, spendet für jene, denen es weniger gut geht. Der Unternehmer und Milliardär Michael Dell hat den Amerikanern nun ein besonders großes Geschenk gemacht. Er und seine Frau Susan geben 25 Millionen amerikanischen Kindern jeweils 250 Dollar. Mehr als sechs Milliarden Dollar aus ihrem Privatvermögen stellen die beiden dafür zur Verfügung. Es ist eine der größten Einzelspenden in der Geschichte der USA. Und eine, die aufhorchen ließ, gehörte der mit dem Direktvertrieb von Computern reich gewordene Dell doch bislang nicht zu bekanntesten Wohltätern der USA.

Die Spende soll das Startkapital für die sogenannten Trump Accounts bilden. Das sind vom amerikanischen Staat gemanagte Sparkonten, mit denen Eltern Geld für ihre Kinder anlegen können. Junge Erwachsene sollen es damit nach ihrem 18. Geburtstag leichter haben, ihr Studium zu finanzieren, ein Unternehmen zu gründen oder ihr erstes Haus zu kaufen, heißt es auf der Website der Organisation Invest America, die das Projekt zusammen mit Dell vorangetrieben hat. Das Geld soll in Aktienfonds angelegt werden, die den S&P 500 oder andere amerikanische Indizes abbilden und sich so Jahr um Jahr vermehren.

Er selbst habe als Achtjähriger mit acht Dollar auf einem Sparkonto begonnen, sagte Dell bei der Vorstellung des Projekts im Weißen Haus. „Ich habe schon früh in meinem Leben die Kraft des Zinseszinses gesehen, und das hat mich heute hierher gebracht.“ Neben Dell stand währenddessen US-Präsident Donald Trump, der den texanischen Unternehmer und dessen Frau als „zwei sehr besondere Menschen“ lobte. Die Initiative würde jedem Kind eine „echte Chance auf den amerikanischen Traum“ geben, sagte Trump. Sein Finanzminister Scott Bessent sprach sogar davon, dass die Konten die „finanzielle Bildung“ verbessern und das Vertrauen junger Menschen in den Kapitalismus und den Aktienmarkt festigen würden.

Trump und seine Regierung haben sich die Initiative zu eigen gemacht. Ursprünglich sollten die Konten „Invest America Accounts“ heißen. Trump benannte sie um: nach sich selbst. Schon in diesem Sommer beschloss die US-Regierung, sie mit Steuermitteln zu unterstützen. Kinder mit US-Staatsbürgerschaft, die zwischen dem 1. Januar 2025 und dem 31. Dezember 2028 geboren werden, bekommen eine einmalige Einzahlung in Höhe von 1000 Dollar aus Washington, unabhängig vom Vermögen ihrer Eltern.

Wenn es nach Trump geht, soll das aber nur der Grundstock sein. Viele seiner „Freunde“ hätten versprochen, es Dell gleichzutun und für die Sparkonten zu spenden, sagte Trump im Weißen Haus. Er selbst werde das ebenso tun. Auch Unternehmen haben Trump zufolge großes Interesse, Geld auf Trump Accounts einzuzahlen. Zum Beirat der Organisation Invest America gehören Unternehmer wie Nvidia-Chef Jensen Huang oder Salesforce-Gründer Marc Benioff. Bislang hat aber niemand von ihnen angekündigt, die Initiative zu unterstützen.

Das zeigt wieder einmal, wie die Beziehung zwischen Trump und den US-Wirtschaftslenkern in seiner zweiten Amtszeit funktioniert. Trump hat sich schon andere seiner Lieblingsprojekte von Unternehmen bezahlen lassen, etwa den vergoldeten Ballsaal, für den er Teile des East Wing des Weißen Hauses abreißen ließ. Auch für die Feierlichkeiten zu seiner Vereidigung spendeten Konzerne wie Google oder Lockheed Martin Millionenbeträge. Trump kann so sagen, dass er die Steuerzahler nicht belastet. Die Unternehmer wiederum stehen als amerikanische Patrioten da.

Die Idee für die Trump Accounts stammt aber gar nicht von Trump. Der Risikokapitalgeber Brad Gerstner hatte sie vor ein paar Jahren beim Abendbrot mit seinen Kindern. Danach versuchte er nach eigenen Angaben vergeblich, einen Termin beim damaligen US-Präsidenten Joe Biden zu bekommen. Erst als er dem republikanischen Senator Ted Cruz davon erzählte, habe er in der US-Hauptstadt Gehör gefunden. Wenig später überzeugte Gerstners Freund Michael Dell den US-Präsidenten Trump.

Inzwischen unterstützen aber auch die Demokraten das Projekt. Der demokratische Senator Cory Booker sagte, dass er zwar den Namen „hasse“, aber das Konzept liebe. Die Sparkonten würden jungen Menschen „ein Leben mit erweiterten Möglichkeiten eröffnen“, glaubt er. Booker fordert aber, dass alle amerikanischen Kinder einen Anspruch darauf haben müssten, nicht nur jene, die zwischen 2025 und 2028 geboren werden.

Doch die Begeisterung ist nicht überall so groß. Die Trump Accounts würden eine „gute Idee aufgreifen und sie schlechter machen“, kritisiert David Radcliffe von der New School in New York. Der progressive Ökonom hat zusammen mit seinem Kollegen Darrick Hamilton schon vor Jahren ein Konzept namens „Baby Bonds“ entwickelt. Die beiden forderten, dass der amerikanische Staat Sparkonten für alle Kinder eröffnet und dort regelmäßig Geld einzahlt. Damit, so hofften sie, werde die Vermögensungleichheit in den USA schrumpfen, besonders jene zwischen weißen und schwarzen Amerikanern.

Auf den ersten Blick wirkt es so, als habe Trump das nun kopiert. Doch für Radcliffe gibt es einen entscheidenden Unterschied: Die Trump Accounts setzen darauf, dass Eltern, Verwandte oder Arbeitgeber jährlich bis zu 5000 Dollar auf die Konten einzahlen. Nur so werde das Geld auf Zehntausende oder sogar mehr als hunderttausend Dollar anwachsen, sagen Trump und seine Unterstützer aus der Wirtschaft. Doch genau diese Eigenverantwortung werde dazu führen, dass „die Reichen noch reicher werden“ und die Vermögensungleichheit wachse anstatt schrumpfe, glaubt Radcliffe. Was den Ökonomen außerdem stört: Das Trump-Projekt ist Teil der „Big Beautiful Bill“, jenes Gesetzespakets, mit dem Trump die Sozialausgaben und die Krankenversicherung für arme Amerikaner zusammenstrich und besonders Kindern schadete.

Dass die Erwartungen in das Projekt womöglich generell überzogen sind, zeigt ein Blick nach Großbritannien. Dort führte die Labour-Regierung 2002 die „Child Trust Funds“ ein. Sie funktionierten vergleichbar wie Trumps Konten: Der britische Staat legte für jedes Kind einige Hundert Pfund an, die nach dem 18. Geburtstag abrufbar waren. Doch am Ende kamen im Mittel nur 650 Pfund pro Kind zusammen. Nur einige wenige Kinder konnten damit ihr Studium oder ihr erstes Auto finanzieren, nämlich dann, wenn ihre Eltern regelmäßig draufgezahlt hatten. Auch wurden mehr als eine Milliarde Pfund bis heute nicht abgerufen, weil Eltern oder Kinder die Sparkonten offenbar vergessen hatten. 2011 wurde das Programm eingestellt.

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