SZ 12.02.2026
06:01 Uhr

(+) Transatlantische Krise: Das erwartet Sie auf der Münchner Sicherheitskonferenz


Bundeskanzler Merz hält am Freitag eine Grundsatzrede, bevor am Samstag US-Außenminister Rubio spricht. Zu den US-Demokraten, die nach München kommen, gehört die Trump-Gegnerin Alexandria Ocasio-Cortez.

(+) Transatlantische Krise: Das erwartet Sie auf der Münchner Sicherheitskonferenz

Als 1963 in München das erste Mal eine Sicherheitskonferenz ausgerichtet wurde, hieß sie „Internationale Wehrkunde-Begegnung“ und hatte maximal 40 Teilnehmer. 63 Jahre später ist die Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) das weltweit wichtigste Forum für Außen- und Sicherheitspolitik, zu dem vom 13. bis 15. Februar mehr als 60 Staats- und Regierungschefs erwartet werden. Dies liegt auch daran, dass jedes Jahr höchst- und hochrangige Vertreter aus den USA anreisen. Auch wenn diese gerade in einer „erheblichen Vertrauenskrise“ seien, bildeten die transatlantischen Beziehungen das „Rückgrat“ der Konferenz, sagt MSC-Chef Wolfgang Ischinger.

Anstelle von Vizepräsident J. D. Vance wird die US-Delegation 2026 von Marco Rubio angeführt. Offenbar stehen auch Trumps wichtigste Verhandler Steve Witkoff und Jared Kushner auf der Teilnehmerliste. Weil Rubio nicht nur US-Außenminister, sondern auch Nationaler Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump ist, wird seine für Samstagmorgen geplante Rede genau verfolgt werden. Kurz danach steht Wang Yi, Mitglied im Politbüro der Kommunistischen Partei Chinas und Außenminister, auf der Bühne des Bayerischen Hofs.

Zu den mehr als 50 Mitgliedern des US-Kongresses, die sich im Luxushotel Bayerischer Hof angekündigt haben, gehören Stammgäste wie der republikanische Senator Lindsey Graham ebenso wie die progressive Demokratin Alexandria Ocasio-Cortez aus New York. Mit Spannung wird Gavin Newsom erwartet: Der Gouverneur von Kalifornien vertritt nicht nur den wirtschaftsstärksten US-Staat, der Demokrat könnte auch 2028 fürs Weiße Haus kandidieren. Dies erklärt, wieso Friedrich Merz sowohl mit Rubio als auch mit Newsom Gespräche unter vier Augen plant.

Merz nimmt erstmals als Bundeskanzler teil und wird die MSC am Freitag mit einer Grundsatzrede eröffnen. Auch Vizekanzler Lars Klingbeil, Verteidigungsminister Boris Pistorius und Außenminister Johann Wadephul werden an prominenter Stelle auftreten. Wie immer sind die Chefs von Europäischer Kommission und Nato, Ursula von der Leyen und Mark Rutte, vertreten.

Mit Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron und dem britischen Premier Keir Starmer plant Kanzler Merz ein Treffen im sogenannten E-3-Format. Zu besprechen gibt es etwa den Nahostkonflikt, Iran und die Unterstützung für die Ukraine, die sich seit bald vier Jahren gegen den russischen Angriffskrieg wehrt. Präsident Wolodimir Selenskij reist ebenfalls nach München. María Corina Machado, die diesjährige Friedensnobelpreisträgerin und Anführerin der Opposition in Venezuela, wird per Video zugeschaltet.

Nach der äußerst brutalen Niederschlagung der Proteste im Januar in Iran sind dieses Mal keine Vertreter des Teheraner Regimes eingeladen. Wie 2023 reist in Reza Pahlavi, dem Sohn des Schahs, die prominenteste Figur der Opposition nach München. Auf der Theresienwiese planen Organisatoren eine Demonstration gegen das Regime mit 100 000 Teilnehmern.

Anders als früher werden in Rüdiger Lucassen, Heinrich Koch und Anna Rathert drei Bundestagsabgeordnete der in weiten Teilen rechtsextremen AfD an der MSC teilnehmen. Parteichefin Alice Weidel, die sich 2025 außerhalb der Konferenz mit US-Vizepräsident Vance getroffen hatte, wird nicht nach Bayern reisen. Allerdings hat Markus Frohnmaier, der außenpolitische Sprecher der AfD, bereits angekündigt, sich in München mit hochrangigen US-Vertretern zu treffen, weil sich MSC-Teilnehmer mit ihm austauschen wollten. Unter Trumps Republikanern unterstützen viele die AfD.

In Mark Carney, dessen Trump-kritische Rede jüngst in Davos für Aufsehen sorgte, wollte eigentlich erstmals ein kanadischer Regierungschef teilnehmen. Nach dem Amoklauf an einer Schule mit  neun Toten und 25 Verletzten in British Columbia sagte der Premierminister seine Europareise jedoch ab.

Anmerkung der Redaktion: Die Absage Mark Carneys wurde nachträglich ergänzt.

Rastlos reist Friedrich Merz durch die Welt. Zwischen den rivalisierenden Großmächten sucht er Partner, die noch etwas von Regeln halten. Dabei ist nicht einmal klar, wie es in Europa weitergeht.

Lesen Sie mehr zum Thema

In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.

Sie möchten die digitalen Produkte der SZ mit uns weiterentwickeln? Bewerben Sie sich jetzt!Jobs bei der SZ Digitale Medien

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: