SZ 15.12.2025
12:28 Uhr

(+) Terror gegen Juden: Angreifer von Sydney waren Vater und Sohn – Zahl der Anschlagsopfer steigt auf 15


Ziel der Attacke war eine Chanukka-Feier an dem weltweit bekannten Strand Bondi Beach. Der Vater wird erschossen, der Sohn schwer verletzt. Noch immer liegen Dutzende Menschen im Krankenhaus. Als Reaktion auf die Tat diskutiert Australien über strengere Waffengesetze.

(+) Terror gegen Juden: Angreifer von Sydney waren Vater und Sohn – Zahl der Anschlagsopfer steigt auf 15
Sydney am Tag nach dem Anschlag: Zahlreiche Menschen trauern am Bondi Beach um die Opfer. (Foto: SAEED KHAN/AFP)

Nach dem Terroranschlag auf ein jüdisches Fest in der australischen Metropole Sydney geben die Behörden die Zahl der Toten nun mit 16 an, inklusive eines Attentäters. 14 seien am Tatort ums Leben gekommen, eine Zehnjährige und ein 40-Jähriger im Krankenhaus verstorben. 27 Menschen seien weiterhin im Krankenhaus. Sechs von ihnen seien in kritischem Zustand, sechs weitere in kritischem, aber stabilem Zustand, teilten die australischen Gesundheitsbehörden mit.

Die beiden Angreifer waren nach Polizeiangaben Vater und Sohn. Der 50 Jahre alte Mann wurde demnach am Tatort von der Polizei erschossen. Der Getötete war Mitglied in einem Jagdverein und verfügte über eine Waffenbesitzkarte, weshalb er Langwaffen besitzen durfte. Sein 24-jähriger Sohn sei gefasst worden und schwer verletzt unter Polizeiaufsicht ins Krankenhaus gekommen. Gegen ihn soll nun Anklage erhoben werden. Die beiden mutmaßlichen Täter sollen in knapp sechs Minuten mehr als hundert Schüsse abgefeuert haben.

Ziel des Angriffs am berühmten Strand Bondi Beach war eine Veranstaltung zum jüdischen Chanukka-Fest. Das Lichterfest beginnt in diesem Jahr an diesem Sonntag und endet am 22. Dezember. Mehr als 1000 Menschen waren nach Polizeiangaben dort, als die Schüsse fielen. Die Polizei stuft die Tat als „terroristischen Vorfall“ ein. Premierminister Anthony Albanese sprach am Sonntag von „einem gezielten Terroranschlag auf die jüdische Gemeinschaft“. Der Anschlag sei ein „bösartiger Fall von Antisemitismus“.

Es sei ein „improvisierter Sprengsatz“ im Auto eines der Täter gefunden worden, sagte der Polizeipräsident von New South Wales, Malcolm Arthur Lanyon. Der Sprengsatz, die für den Angriff genutzten Langwaffen sowie das Ziel des Anschlags – die jüdische Gemeinde – führten dazu, dass man den Anschlag als terroristischen Vorfall einstufe, so Lanyon. Der berühmte Strand Bondi Beach bleibt am Montag geschlossen.

Auf die Frage von Journalisten, wie man die Planung einer solchen Tat übersehen haben könne, antwortete Lanyon ausweichend. Der Polizeipräsident versicherte, dass Beamte rund um die Chanukka-Veranstaltung im Einsatz gewesen seien, was auch die prompte Reaktion der Sicherheitskräfte belege.

Der jüngere der beiden mutmaßlichen Täter sei den Sicherheitsbehörden erstmals im Jahr 2019 „aufgrund seiner Verbindungen zu anderen Personen aufgefallen“, berichtete Premierminister Albanese am Montag auf einer Pressekonferenz. Bislang seien die Behörden aber der Auffassung gewesen, „dass keine Anzeichen für eine aktuelle Gefahr oder die Gefahr von Gewalttaten seinerseits vorlagen“.

Nach Angaben des israelischen Außenministeriums ist mindestens ein Israeli unter den Toten. Der französische Außenminister Jean-Noël Barrot teilte mit, dass eines der Todesopfer Franzose war. Auch ein in Großbritannien geborener Rabbi wurde laut BBC bei dem Anschlag getötet. Israelischen Medien zufolge soll auch der aus der Ukraine stammende Holocaust-Überlebende Alex Kleytman am Bondi Beach erschossen worden sein.

Nach dem Angriff auf ein jüdisches Lichterfest in Sydney reagiert Israel mit scharfen Worten. Andere Politiker und Organisationen drücken ihre Bestürzung über die Tat aus.

Israels Ministerpräsident Netanjahu hatte bereits am Sonntag Australien vorgeworfen, mit einer Anerkennung des Staates Palästina „Öl ins antisemitische Feuer“ gegossen und nicht entschlossen gegen Antisemitismus gekämpft zu haben. Am Montag widersprach Premierminister Albanese Netanjahu. Er sehe keinen Zusammenhang zwischen der Anerkennung eines Palästinenserstaates und dem Anschlag in Sydney. „Dies waren außerordentlich traumatische 24 Stunden. Meine Aufgabe ist es, die jüdische Gemeinde zu unterstützen und deutlich zu machen, dass die Australier in dieser schwierigen Zeit überwältigend hinter der jüdischen Gemeinde stehen“, sagte Albanese dem Sender ABC Australia. Die Mehrheit der Welt erkenne eine Zweistaatenlösung als den richtigen Weg an, so Albanese weiter.

Auch der israelische Staatspräsident Isaac Herzog sprach kurz nach den Schüssen von „einem äußerst grausamen Angriff auf Juden“. „Wir wiederholen unsere Warnungen immer wieder gegenüber der australischen Regierung, um Maßnahmen einzufordern und gegen die enorme Welle des Antisemitismus zu kämpfen, die die australische Gesellschaft heimsucht.“

Der israelische Außenminister Gideon Saar reagierte ebenfalls mit scharfer Kritik an der australischen Regierung. „Dies sind die Folgen der antisemitischen Randale auf den Straßen Australiens in den vergangenen zwei Jahren, die durch die antisemitischen und aufrührerischen Aufrufe ‚Globalisiert die Intifada‘ vorangetrieben wurde, die heute in die Tat umgesetzt wurden“, sagte Saar.

In sozialen Medien wurden Videos geteilt, die die mutmaßlichen Schützen zeigen. Es sind mehrere Schüsse, Polizeisirenen und Schreie zu hören. Augenzeugen berichteten in TV-Interviews von mehr als 50 Schüssen auf die Teilnehmer der Veranstaltung zum jüdischen Lichterfest. „Alle rannten los. Zwei Polizisten lagen neben mir auf dem Boden, überall war Blut“, sagte ein Betroffener.

Ein anderes Video zeigt Menschen, die in Panik den Strand verlassen. Auch ein Video von der augenscheinlichen Festnahme der Täter wird geteilt. Ein weiteres Video zeigt einen Mann, der sich von hinten dem mutmaßlichen Schützen nähert und ihn zu Boden ringt. Laut Premier Albanese wurde der Mann bei der Aktion verletzt und musste am Montag operiert werden.

Das Chanukka-Fest erinnert an die Wiedereinweihung des zweiten jüdischen Tempels 164 vor Christus in Jerusalem und an den Sieg des jüdischen Volkes über die Besatzer. In Erinnerung daran wird in Häusern und Synagogen während des Lichterfestes jeden Abend eine neue Kerze am neunarmigen Chanukka-Leuchter entzündet.

Als Reaktion auf das Attentat kündigte Premierminister Albanese am Montagmittag (Ortszeit) an, das australische Waffenrecht verschärfen zu wollen. Unter anderem sollen legale Waffenbesitzer regelmäßig überprüft werden. „Lizenzen sollten nicht auf Dauer erteilt werden“, so Albanese. Den Opfern und ihren Angehörigen sagte der Premier Unterstützung zu und erklärte, der Staat werde die Beisetzung der Toten mitfinanzieren. Zudem gab Albanese bekannt, dass die Regierung die Sicherheitsvorkehrungen für jüdische Gemeinden in Australien erhöhen werde.

Mit Material der dpa.

Der Anschlag zeigt eine andere, düstere australische Wirklichkeit.  In der Vielvölkergesellschaft scheinen gewalttätige Kräfte den Frieden unterwandern zu wollen. Antisemitismus ist ein wachsendes Problem.

Lesen Sie mehr zum Thema

In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.

Sie möchten die digitalen Produkte der SZ mit uns weiterentwickeln? Bewerben Sie sich jetzt!Jobs bei der SZ Digitale Medien

Gutscheine: