SZ 26.08.2026
14:12 Uhr

(+) Syrien: Die kurdische Armee gibt es nicht mehr


Die syrischen Kurden besiegten die Terroristen des IS und kontrollierten eine autonome Region. Nun ist ihre Armee offiziell aufgelöst. Sie bekommen dafür nur wenig.

(+) Syrien: Die kurdische Armee gibt es nicht mehr

Es war ein Ende mit wenig Pathos. Am Dienstagabend trat Mazloum Abdi mit einer kurzen Rede im syrischen Staatsfernsehen auf und verkündete das Ende der von ihm geführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), der Armee der lange Zeit autonomen kurdischen Region im Nordosten von Syrien. Diese hat ebenfalls aufgehört zu existieren und wurde komplett in den syrischen Staat eingegliedert.

„Das Ende des Einsatzes“ sei gekommen, sagte Abdi erst auf Arabisch und dann auf Kurdisch. Mehr als 100 000 Kämpfer sollen die SDF auf ihrem Höhepunkt gehabt haben. Sie kämpften im syrischen Bürgerkrieg gegen Assad und für eine unabhängige kurdische Region, später waren sie die wichtigste Kraft im Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat (IS). Von den USA wurden sie USA maßgeblich gestützt, obwohl das, was die Kurden in ihrem „Rojava“ genannten Gebiet taten, in Washington als reinster Kommunismus wahrgenommen werden musste, eine fast utopische Gesellschaft von Gleichen, die vor allem unter Linken in Europa verklärt wurde und die bei näherer Betrachtung eine ziemlich triste bürokratische Veranstaltung war.

Zuletzt kämpften die Kurden vor allem mit der Bewachung von Zehntausenden Kämpfern und Angehörigen des IS, die in riesigen Lagern untergebracht waren – viele aus dem Ausland. Das war eine Bürde, aber auch ein Joker in Verhandlungen mit Geberländern, die diese Kämpfer ja lieber nicht zurückhaben wollten. Viele von ihnen wurden nun in den Irak transferiert, die Lager sind leerer geworden und die Rolle der Kurden nicht mehr so wichtig.

Dass sich Institutionen selbst auflösen, kommt selten vor, und ohne Druck von außen geschieht es noch seltener. Abdi hatte nach dem Regimewechsel Ende 2024 zunächst keine großen Anstalten gemacht, seine SDF aufzulösen. Im März 2025 kündigte er eine Integration in die Streitkräfte an, die aber nicht vollzogen wurde.

Erst als Präsident Ahmed al-Scharaa im Januar 2026 eine militärische Offensive gegen die Kurden gestartet hatte, erklärten diese sich tatsächlich zur Auflösung der SDF bereit. Viel bekommen haben sie dafür nicht, was andere Minderheiten wie die Alawiten und Christen, die auf mehr Autonomie in Syrien gehofft hatten, mit Sorge beobachten werden. Die Kurden bekamen das Recht auf eine eigene Sprache. Der ehemalige SDF-Chef Abdi darf sich nun „Berater des Präsidenten“ nennen. Was das in der Praxis bedeutet, ist offen.

Einige weibliche Einheiten der SDF sollen künftig in die Anti-Terror-Einheiten des Innenministeriums eingegliedert, andere Einheiten an die Grenzen beordert werden. Wie viele SDF-Kämpfer einen Platz in der neuen syrischen Armee und Regierung finden, ist unklar. Viel Verhandlungsspielraum hatten die Kurden nicht. Ihr Gebiet hatte zeitweise bis zu 40 Prozent Syriens betragen, was in den von ihnen dominierten arabischen Regionen aber zuletzt wenig Begeisterung auslöste.

Eine andere Wahl blieb denn auch nicht. Vor allem, weil der wichtigste Verbündete, die USA, auch sehr gut mit Präsident al-Scharaa zurechtkommt, den Trump einen „großen Führer“ nannte. Ob die Auflösung der kurdischen Kräfte und Autonomieverwaltung tatsächlich eine endgültige ist, wird an al-Scharaa hängen und der Autonomie und dem Anteil am Öl der Region, den er den Kurden zugesteht. Abdi sagte bereits: „Unser Kampf wird weitergehen, damit die Rechte unseres Volkes in der Verfassung festgehalten werden.“

Erdoğans Türkei strebt eine islamistisch ausgerichtete Vormachtstellung in Nahost an, davon fühlt sich Israel bedroht. Vor allem eine Militärpräsenz Ankaras in Syrien will Jerusalem nicht akzeptieren.

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