|
17.08.2026
13:15 Uhr
|
Statt Pep Guardiola steht nun Enzo Maresca bei Manchester City an der Seitenlinie. Sein erster Auftritt im Supercup gegen Arsenal wird zur bitteren Angelegenheit.

Glatze, akkurater Vollbart, fast gleich groß: Enzo Maresca (links) ähnelt seinem Vorgänger Pep Guardiola auffallend. Matthew Childs/Action Images/Reuters
Wer am Sonntagnachmittag flüchtig den Blick auf die Trainerbank von Manchester City richtete, konnte meinen, Pep Guardiola habe sich nach seinem Rücktritt doch dazu entschieden, seinen Vertrag zu erfüllen. Sein Nachfolger Enzo Maresca sieht ihm so verblüffend ähnlich, dass die beiden als Brüder durchgehen könnten: Glatze, akkurater Vollbart, fast gleich groß. Auch ihre Fußballauffassung weist Parallelen auf, was wenig verwundert, da der Italiener während Guardiolas Amtszeit zunächst Manchester Citys U23 anleitete und danach als Assistent des Katalanen in der Triple-Saison 2022/23 fungierte. Die Anhängerschaft witzelt, ihr Klub habe Maresca vorwiegend ausgewählt, um den Spielern einen Kulturschock zu ersparen – schließlich waren diese zehn Jahre lang an Guardiola gewöhnt.
Auf dem Platz allerdings erinnerte die Leistung der Mannschaft im ersten Pflichtspiel Marescas für Manchester City keineswegs an alte Zeiten unter Guardiola. Der FA-Cup-Sieger kassierte im englischen Supercup, Community Shield genannt, gegen Premier-League-Meister Arsenal eine 0:3-Niederlage – so hoch hatte kein Team unter Guardiola je ein Spiel um eine Trophäe verloren.
Er macht Rauch auf dem Trainingsplatz, nutzt KI und hat eine gewiefte Strategie entworfen: Die erste Meisterschaft von Arsenal seit 22 Jahren ist auch das Werk von Trainer Mikel Arteta – und er will noch mehr.
Als hätten die City-Profis den Anpfiff in Cardiff überhört – Wembley, der übliche Austragungsort, war wegen eines Konzerts nicht verfügbar –, landete der Ball bereits nach 23 Sekunden im eigenen Tor. Arsenals Myles Lewis-Skelly hatte Verteidiger Riccardo Calafiori bedient. Später erhöhten Kai Havertz (28. Minute) und Martin Ödegaard (48.) den Spielstand. Eine überzeugende Leistung bot Christos Tzolis, der 40-Millionen-Euro-Zugang von Club Brügge, der in alle Treffer involviert war.
Der klare Spielverlauf dürfte sich für Manchester City phasenweise wie eine Vorführung angefühlt haben. Die Fans von Arsenal begleiteten die Pleite ihres Rivalen mit Schmähgesängen, zur Halbzeit spotteten sie, Maresca werde „am nächsten Morgen“ gefeuert. Insbesondere Arsenals Intensität in den Zweikämpfen schien den Gegner zu überfordern. Der Leistungsunterschied wirkte so eklatant, als hätte Manchester die Vorbereitung mehrere Wochen später begonnen.
Maresca hatte im Vergleich zu seinem Kollegen Mikel Arteta doppelt so viele Spieler für die Startelf nominiert, die mit ihren Nationalmannschaften zuvor mindestens das WM-Viertelfinale erreicht hatten: Erling Haaland (Norwegen), Jeremy Doku (Belgien) sowie die Engländer Elliot Anderson und Nico O’Reilly. So standen diesen vier Spielern für Urlaub und Saisonvorbereitung vor dem Supercup-Duell höchstens fünf Wochen zur Verfügung. Alle blieben wirkungslos und wurden gegen Arsenal zügig ausgewechselt – Doku zur Pause, danach Haaland und O’Reilly (beide 53.) sowie Anderson (60.).
Den misslungenen Auftakt versuchte Maresca, 46, auf der Pressekonferenz herunterzuspielen. Er äußerte sich betont nüchtern. Die Pleite schmerze zwar, aber es sei erst der Anfang, betonte er. Grundsätzlich sei er als Trainer immer besorgt, nach verlorenen Spielen noch mehr als nach gewonnenen. Und er wisse, dass es „viele Dinge“ zu verbessern gebe, sagte Maresca. Weniger gelassen kommentierten die Medien auf der Insel seinen Einstand. Der Telegraph schrieb von einer „bitteren Feuertaufe“ für Maresca, dessen Mannschaft „kontur- und seelenlos“ ausgesehen habe.
Dass auch Maresca eine Woche vor dem Premier-League-Start gegen Bournemouth womöglich mehr Handlungsbedarf sieht, als er öffentlich zugeben wollte, klang an, als er indirekt Verstärkungen einforderte. Bisher holte Manchester City, abgesehen von Perspektivspielern, lediglich Rekordzugang Elliot Anderson für 136 Millionen Euro. Von Januar 2025 bis Januar 2026 hatte der Klub mehr als eine halbe Milliarde Euro Ablöse investiert.
Marescas Hinweis ließ sich auch im Hinblick auf den bevorstehenden Abschied von Weltmeister Rodri verstehen. Laut Medienberichten haben sich Manchester City und der FC Barcelona auf einen Transfer des Mittelfeldstrategen nach wochenlangen Verhandlungen geeinigt. Als Sockelablöse werden 60 Millionen Euro genannt – womit Rodri der teuerste Weggang der City-Klubgeschichte wäre. Lange hatte sich Manchester um eine Vertragsverlängerung bemüht, doch der 30-Jährige lehnte ab.
Auf dem Platz, das wurde bereits gegen Arsenal deutlich, hinterlässt Rodri eine vergleichbare Lücke wie Guardiola auf der Trainerposition. Anstelle von Rodri setzte Maresca auf Mateo Kovacic vor der Abwehr, der dem Spiel der Citizens jedoch kaum Struktur verleihen konnte. Eine Alternative zu Rodri ist zudem Anderson. Überdies erwägt der Klub mögliche Verpflichtungen von Chelseas Argentinier Enzo Fernández und Marokkos WM-Nachwuchsstar Ayyoub Bouaddi von LOSC Lille.
Und die Nachwirkungen der Guardiola-Ära sind nicht zu übersehen. In Cardiff hielt ein Manchester-City-Anhänger ein Plakat hoch, auf dem stand: „We miss you, Pep“.
Beim englischen Traditionsklub sitzt künftig eine Riege an Multimilliardären am Steuer. Vorerst halten sie rund 30 Prozent der Anteile – doch Jeff Bezos und seine Mitstreiter könnten die Mehrheit am FC Liverpool anstreben.
Lesen Sie mehr zum Thema
In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.
Sie möchten die digitalen Produkte der SZ mit uns weiterentwickeln? Bewerben Sie sich jetzt!Jobs bei der SZ Digitale Medien
Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: