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11.02.2026
18:02 Uhr
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Chefin Claudia Meijering muss sich im Landtag harter Kritik stellen. Die Politiker drohen, dem Werk die Verantwortung zu entziehen. Kann ein kurzfristig angekündigter „Aktionsplan“ die Zustände verbessern?

Die Fotos und Berichte über die prekären Zustände, in denen Studierende in der Altstadt der Studentenstadt (Stusta) in Freimann leben müssen, lösen weiterhin Empörung aus. Am Mittwoch musste sich Claudia Meijering, Geschäftsführerin des Studierendenwerks (Stuwerk), im bayerischen Landtag vor dem Wissenschaftsausschuss den Fragen der anwesenden Politiker stellen. Bereits am Dienstag musste sie sich vor Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) rechtfertigen.
Das Thema studentisches Wohnen halte den Ausschuss bereits seit Jahren in Atem, erklärt Verena Osgyan von den Grünen, die in einem aktuellen Antrag von der Staatsregierung eine umfassende Berichterstattung zur Situation in dem Wohnheim einfordern. Wenn es um Gesundheitsgefährdung gehe, müsse „die Politik nun unverzüglich tätig werden“. Dem schlossen sich die anderen Parteien an.
Sie sei sich bereits bei ihrem Amtsantritt im November 2022 bewusst gewesen, welche „Mammutaufgabe“ die Trägerschaft der Studentenstadt für das Stuwerk bedeute, erklärt Meijering vor dem Ausschuss. Über die vielen Maßnahmen zur Sanierung der Neustadt, habe man „vergessen, in der Altstadt genauer hinzugucken“. Dies alles „tut mir sehr leid“.
Sie habe nicht gewusst, wie schlimm die Lage ist, sagt Meijering weiter. Zwar sei sie schon oft in der Stusta vor Ort gewesen, aber keiner der Studierenden habe sie dort aktiv auf Mängel hingewiesen. Mehrere Bewohner der Stusta hören ihren Worten im Publikum aufmerksam zu.
Man habe nun einen Aktionsplan erstellt und bereits mit ersten Reinigungsmaßnahmen begonnen, so Meijering, „nicht erst seit heute, sondern seit letzter Woche“. Ein Satz, der angesichts der offensichtlichen jahrelangen Versäumnisse Gelächter im Saal auslöst.
Die gezeigten Fotos hinterließen den Eindruck, „wir seien ein Entwicklungsland“, sagt Stephan Oetzinger (CSU). Dies sei nun die „letzte Chance“ des Stuwerks, um Vertrauen zurückzugewinnen. Ansonsten müsse man „sich fragen, ob das Studierendenwerk noch das richtige Instrument“ für diese Aufgabe sei. SPD und Grüne verweisen jedoch auf die Verantwortung der Staatsregierung selbst, vor allem hinsichtlich dringend anstehender Neubaumaßnahmen.
In einem Pressegespräch später am Vormittag erklären Claudia Meijering und Alexander Uehlein, Abteilungsleiter Wohnen beim Stuwerk, ihren „Aktionsplan“ für die Studentenstadt. Dieser fokussiere sich zunächst auf die 63 Gemeinschaftsküchen und 178 sanitären Gemeinschaftsanlagen. Bis zum 18. Februar sollen in allen Häusern erste Reinigungsmaßnahmen vollendet sein. Dann läuft die Frist der Studierenden ab, eine Mietminderung zum 1. März durchzusetzen, sollten die Zustände sich nicht verbessern. Den notwendigen Neubau der Altstadt könne das Stuwerk jedoch allein nicht stemmen, so Meijering.
Mehrfach an diesem Tag wird – wie auch schon in vorherigen Presseantworten des Stuwerks – erwähnt, dass eine Reinigungsfirma etwa dreimal wöchentlich in der Altstadt putze und die Fugen in den Bädern vierteljährlich erneuert würden. Auf Nachfrage, warum der auf den Fotos gezeigte Zustand daran zweifeln lasse, erklärt Alexander Uehlein, die Umsetzung sei „am Faktor Mensch“ gescheitert. Man habe bereits neues Personal eingesetzt, um die Ausführung und Kontrolle von Maßnahmen künftig besser gewährleisten zu können. Auf die Frage, ob man den Schimmelbefall in der Stusta noch immer als „nicht gesundheitsgefährdend“ einstufe, antwortet Meijering: „Ich würde sagen ja, aber ich war auch nicht in jedem Bad und ich bin keine Medizinerin.“
Ihr sei vor allem wichtig, das Vertrauen der Studierenden zurückzugewinnen, erklärt Meijering. Auch sei sie an einem regen Austausch mit den Vereinen der Studentenstadt interessiert. Zu hören, dass viele Studierende Angst davor hätten, Kritik am Stuwerk oder den Zuständen zu äußern, habe sie sehr erstaunt und „es nimmt mich sehr mit“.
Die Studierenden sind jedoch nach wie vor wenig versöhnlich gestimmt. Er schäme sich, in der Stusta zu wohnen, erklärt Yassine Elshayeb am Mittwoch vor dem Landtagsausschuss. Immer wieder bekomme er gesagt, er solle besser ausziehen, aber „man muss das halt hinnehmen, wenn es keine anderen Optionen gibt“. Er könne auch verstehen, dass viele Studierende Angst hätten, sich zu äußern. Aussagen des Studierendenwerks, man habe Interesse an offenem und regelmäßigem Austausch, seien „völliger Schwachsinn“.
Die Worte von Yassine Elshayeb hört Claudia Meijering jedoch nicht mehr. Wegen des sehr kurzfristig angesetzten Pressegesprächs im Studierendenwerk hat sie die Ausschusssitzung zu diesem Zeitpunkt bereits verlassen.
Mehr als 2000 Fotos, die der SZ vorliegen, zeigen massiven Schimmel in Wohnheimen des Studierendenwerks. Selbst der CSU-Wissenschaftsminister spricht von nicht hinnehmbaren Zuständen.
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