SZ 29.12.2025
14:56 Uhr

(+) Statistisches Jahrbuch: Die Vermessung der Bayern


Geburten, Zuwanderung, Wirtschaft – das sind die Klassiker eines Statistischen Jahrbuchs. Acht Dinge, die Sie vielleicht bisher nicht über die 13 Millionen Menschen in Bayern wussten, vom Übergewicht bis zur Kaffeemaschine.

(+) Statistisches Jahrbuch: Die Vermessung der Bayern

Es ist jedes Jahr ein dicker Wälzer, gut 700 Seiten, mit dem das Statistische Landesamt in Fürth die Vermessung Bayerns anstrebt. Bei der Präsentation des Jahrbuchs mit Innenminister Joachim Herrmann (CSU) stehen meist Wirtschaft und Bevölkerungszahl im Fokus. Doch das Buch und weitere Studien der Behörde bieten noch mehr Einblicke in das Leben der gut 13 Millionen Bayerinnen und Bayern. Oft beziehen sich die Daten auf das vergangene Jahr, manche Aspekte hatten den Stichtag früher, andere werden ins laufende Jahr 2025 fortgeschrieben. Der Freistaat Bayern in ausgewählten Zahlen.

51,1 Quadratmeter Wohnfläche stehen rechnerisch jedem Einwohner Bayerns zur Verfügung. Die durchschnittliche Haushaltsgröße liegt bei 2,04 Personen. Zum Vergleich: Im Jahr 1961 lag der Wert bei 2,9. Während der Anteil der Zwei-Personen-Haushalte seitdem relativ konstant blieb, werden Haushalte mit drei oder mehr Mitgliedern deutlich seltener; heute beträgt ihr Anteil noch 26 Prozent. Der Anteil der Single-Wohnungen an allen Haushalten liegt inzwischen bei 41 Prozent (WG-Zimmer werden ebenfalls so eingruppiert). Der Single-Haushalt ist ein Phänomen bei jungen Erwachsenen sowie auch bei Senioren. Im Alter von 75 Jahren oder älter sind drei Viertel der Alleinwohnenden weiblich. Dies lässt sich durch die höhere Lebenserwartung von Frauen erklären.

172,4 Zentimeter beträgt die durchschnittliche Körpergröße in Bayern; Männer 178,7 Zentimeter, Frauen 165,8. Setzt man beim Gewicht das formale Instrument „Body-Mass-Index“ an, haben die bayerischen Männer häufiger Übergewicht (44 Prozent) oder gelten sogar als fettleibig (17 Prozent) als die Frauen (27 Prozent beziehungsweise 13 Prozent). Bei diesen Daten im Rahmen einer Stichprobenerhebung konnten Befragte freiwillig Auskunft über Größe und Gewicht geben; gewertet wurden „plausible Angaben“.

54 518 Menschen wurden im Jahr 2024 eingebürgert. Das ist ein deutlicher Zuwachs – im Jahr 2010 waren es 12 021 – und gilt als mittelfristige Folge der Migration seit 2025. Mit einem Anteil von 17,2 Prozent stellten Personen aus Syrien das dritte Jahr in Folge die größte Gruppe. Dahinter folgen als Herkunftsländer die Türkei, Russland, Kosovo und Rumänien. Im Durchschnitt sind die eingebürgerten Personen 31 Jahre alt. Eine Einbürgerung ist nach Bundesrecht in seiner kürzlich geänderten Fassung frühestens nach fünf Jahren möglich. Vorausgesetzt werden etwa Deutschkenntnisse oder die eigenständige Sicherung des Lebensunterhalts.

55,1 Prozent der Wählerinnen und Wähler haben bei der letzten Landtagswahl die Briefwahl genutzt. Auf Ebene der Bezirke hatte Niederbayern (60,4 Prozent) die höchste Quote, Mittelfranken die niedrigste (49,8 Prozent). Spitzenreiter unter den Stimmkreisen war Regen/Freyung-Grafenau mit 67,2 Prozent, das untere Ende bildete Fürth mit 42,7 Prozent. Auch bei der Bundestagswahl 2025 wählten in Bayern mehr Menschen per Post als an der Urne. Eine Tendenz zur Briefwahl gibt es schon länger, geändertes Freizeitverhalten und berufliche Mobilität gelten als Ursachen. Durch die Etablierung aus der Not heraus, in der Pandemie, hat sich der Trend weiter verstärkt.

1,5 Scheidungen pro 1000 Einwohner gab es im Jahr 2024 in Bayern. Konkret waren das 20 264 beendete Ehen, darunter 214 gleichgeschlechtliche. Verhältnismäßig viele Ehen wurden zwischen dem fünften und siebten Ehejahr geschieden. Im selben Jahr registrierte man 58 693 Trauungen an den Standesämtern. Das durchschnittliche Erstheiratsalter lag bei 34,9 Jahren für Männer, bei 32,5 Jahren für Frauen.

37 Prozent der Studierenden nennen eigene Erwerbstätigkeit als ihre wichtigste Einnahmequelle. Gut die Hälfte lebt dagegen vor allem vom Einkommen von Eltern oder Ehepartnern, acht Prozent bestreiten ihren Unterhalt über Bafög oder ein Stipendium. Im Langzeittrend zeigt sich deutlich, dass Jobben im Studium an Bedeutung gewinnt. Im laufenden Wintersemester 2025/26 sind an Bayerns Hochschulen gut 405 000 Studierende eingeschrieben. Der Frauenanteil liegt bei 53,1 Prozent.

77 Prozent der Haushalte verfügen über einen Geschirrspüler, 82,5 Prozent über eine Kaffeemaschine; wobei die meisten Geräte nach wie vor klassischen Filterkaffee aufbrühen. Jeder fünfte Haushalt hat einen Vollautomaten. Den Besitz eines Heimtrainers wie Ergometer oder Laufband gaben in einer Stichprobe 30,6 Prozent zu Protokoll (womöglich ein schlüssiger Bezug zum Body-Mass-Index). „Smarte“ Haushaltsgeräte wie vernetzte Kühlschränke oder Saugroboter finden sich in 16,1 Prozent der Haushalte, smarte Sicherheitssysteme wie Alarmanlage oder Überwachungskamera in jedem zehnten. Smartes Fernsehen nutzt dagegen mehr als die Hälfte der Befragten. Diese Stichprobe der Statistiker zu „Gebrauchsgütern“ stammt indes von 2022, die Digitalisierung des Alltagslebens hat sich seitdem wohl weiter verfestigt.

21 310 Tonnen Kürbis wurden vergangenes Jahr im Freistaat geerntet. Benötigt wurde dafür fünf Prozent der bayerischen Gemüseanbaufläche. Die größten Flächen finden sich in Unterfranken (insgesamt 350 Hektar), Schwaben (270 Hektar) und Oberbayern (179 Hektar). Damit wurden 18,6 Prozent der deutschen Gesamternte an Hokkaido, Butternut und anderen Speisekürbissen in Bayern eingefahren. Das ist bei der Menge aber nur Platz drei bundesweit, hinter Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Kompensiert wird das durch ein anderes Produkt, das im Winter beliebt ist: Lebkuchen. Mit knapp 57 000 Tonnen kamen 70,3 Prozent aller in Deutschland produzierten Lebkuchen aus Bayern.

Die amtliche Erhebung von Zahlen bringt viele Menschen zum Gähnen, dabei ist das Thema hochpolitisch. Das Landesamt in Fürth hat seine NS-Vergangenheit und den Übergang zur Demokratie nun untersuchen lassen. Mit Lehren bis in die heutige Zeit.

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