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12.01.2026
14:25 Uhr
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Während der deutsche Barça-Coach auch sein achtes Endspiel als Klubtrainer gewinnt, lässt der Kollege Xabi Alonso Real Madrid ungewohnt defensiv auftreten. Auch seine Zufriedenheit über das knappe 2:3 passt nicht zur Grandezza des Klubs.

Hansi Flick hat schon wieder ein Finale gewonnen, diesmal im spanischen Supercup gegen Real Madrid. (Foto: Fadel Senna/AFP)
Heutzutage wird alles mit Kameras eingefangen, unter anderem: das versteinerte Gesicht des Real-Madrid-Präsidenten Florentino Pérez, als er das König-Abdullah-Stadion in Dschidda verließ. Oder: dass er am Sonntagabend auch anders konnte. Zum Beispiel, als er dem deutschen Trainer des siegreichen FC Barcelona, Hansi Flick, auf dem Podest des spanischen Supercups lächelnd die Hand zum Glückwunsch entbot und cäsarengleich die Wange tätschelte.
Einen deutschen Trainer, so heißt es in Madrid immer wieder, hätte der Bauingenieur Pérez auch gern für Real; möglichst einen wie Flick, der außerstande zu sein scheint, Finalspiele zu verlieren. Der frühere Bundestrainer gestaltete bislang acht von acht Endspielen mit dem FC Bayern und Barcelona siegreich. Angeblich geht Pérez aktuell der Name Jürgen Klopp, derzeit bei Red Bull angestellt, nicht aus dem Kopf, obwohl er in Xabi Alonso einen Trainer hat, der sich im deutschen Leverkusen fortgebildet hat. Alonso allerdings hangelt sich seit geraumer Zeit bei Real nur von Spiel zu Spiel weiter. „Xabis Agonie geht weiter“, schrieb El Periódico am Montag und mutmaßte, dass sich das fortsetzen werde: „Bis Florentino eines Fußballs überdrüssig ist, der unter den Anhängern (von Real) eher Geschwüre als Freuden hervorruft.“
Ob das so generell stimmt, darf dahingestellt bleiben. Doch nicht nur Torwart Thibaut Courtois rätselte nach der 2:3-Niederlage gegen Barcelona in Saudi-Arabien, die in letzter Minute fast noch in den Ausgleich und damit in ein Elfmeterschießen gemündet wäre, ob Real nun einen Schritt nach vorn getan habe. Zu den Lichtblicken des Abends zählte, dass Stürmer Vinícius Jr. nach einem beeindruckenden Solo über den halben Platz das zwischenzeitliche 1:1 und damit seinen ersten Treffer seit November erzielt hatte. In der Kritik stand aber, dass Alonsos Zufriedenheit darüber, mit Barça mitgehalten zu haben, der Grandezza Reals kaum gerecht werde. Und dass er wegen einer Reihe von Ausfällen (und den Zweifeln an der Leistungsfähigkeit des erst spät eingewechselten Kylian Mbappé) Anleihen bei seinem Ex-Trainer José Mourinho nahm.
Denn Madrid verteidigte diesmal derart tief und kleinmütig, dass sich der Berichterstatter von El Mundo Deportivo aus Barcelona an einen Pokal-Ausflug von Mitte Dezember erinnert fühlte: Real habe „gespielt wie Guadalajara“, ein fünftklassiger Verein, der gegen Barça 0:2 verlor. In der arabischen Wüste brach die Partie erst nach der Barcelona-Führung durch Raphinha auf (36.) und eskalierte in einer Nachspielzeit der ersten Hälfte, die immer länger wurde, weil der Referee pro Treffer eine Minute draufschlug: Nach dem erwähnten Kontertor von Vinícius (45.+2) trafen noch Robert Lewandowski für Barcelona (45.+4) und Gonzalo (45.+7) zum 2:2-Pausenstand. Den Siegtreffer steuerte wiederum der alles überragende Raphinha bei, der sich umgehend bei Hansi Flick bedankte.
Der Brasilianer erinnerte daran, wie er im Sommer 2024 nach einer enttäuschenden Saison „so gut wie weg“ gewesen sei: „Aber dann hat Hansi mich angerufen und mir gesagt, dass er mich in seiner Mannschaft haben will. Das ist, was ein Spieler von einem Trainer erwartet: so viel Vertrauen zu bekommen, dass du deine Arbeit verrichten kannst, ohne dich zu kümmern, was die Leute sagen“, erklärte Raphinha.
Was ihn tatsächlich kümmert, ist das innerbetriebliche Klima. Raphinha verzichtete darauf, die neu und hübsch gestaltete Silbertrophäe entgegenzunehmen, obwohl er nach dem Platzverweis für Frenkie de Jong (90.+1) die Kapitänsbinde trug. Raphinha reichte die Aufgabe stattdessen an den von Flick spät, aber mit Bedacht eingewechselten Ronald Araújo weiter, der aufgrund von mentalen Problemen eine mehr als einmonatige Auszeit genommen hatte. Barça-Präsident Joan Laporta war darob zu Tränen gerührt: „Hansis Geste, Ronald ein paar Minuten im Finale gegen Real Madrid spielen zu lassen, war außergewöhnlich – und Teil eines großartigen Drehbuchs.“
Wie das nächste Skript aussehen wird, ist offen, genau genommen ist nicht einmal die Bühne für den nächsten spanischen Supercup benannt. Der 2019 geschlossene Vertrag des spanischen Verbandes RFEF läuft noch bis 2029, im kommenden Jahr muss es aber einen Ausweichort geben. Denn Saudi-Arabien wird Anfang 2027 (7. Januar bis 5. Februar) den Asien-Cup ausrichten.
Zwar bürgt das seit einigen Jahren geltende Format – ein Vierer-Turnier, an dem die beiden Pokalfinalisten sowie die beiden bestplatzierten Mannschaften der jeweils vorangegangenen Ligasaison teilnehmen – für große Attraktivität und Emotionalität. Ein Clásico mit klangvollen Namen wie Kylian Mbappé, Lamine Yamal oder Raphinha ist im Grunde garantiert; und im Halbfinale gab es diesmal ein Madrider Derby zwischen Atlético und Real, das ähnlich eskalierte wie das Endspiel. Anders als beim italienischen Supercup, dessen Endspiel zwischen Napoli und Bologna (2:0) neulich gerade mal 18 000 Menschen anzog, waren deshalb die Ränge beim spanischen Supercup voll, die Zuschauer begeistert.
Das wäre wohl auch in anderen Ländern oder – um eine völlig verrückte Idee ins Spiel zu bringen – in Spanien selbst gewährleistet. Doch Saudi-Arabien lässt sich diesen spanischen Supercup pro Jahr 40 Millionen Euro kosten. Das ist einerseits ein Betrag, der Spaniens Verband geholfen hat, die Debatten über die Menschenrechtslage in Saudi-Arabien auszusitzen. Andererseits ist es auch eine Summe, die kein anderer „Player“ des globalen Fußballmarkts bieten mag.
Es gibt zwar Spekulationen über einen einmaligen Umzug nach Miami, Spaniens Ligaverband versucht schon seit geraumer Zeit, ein Pflichtspiel in den Vereinigten Staaten auszutragen. Doch favorisiert als Ausweichstandort für Spaniens Supercup 2027 wird angeblich Katar, das Ende März bereits eine andere Sause eingekauft hat: die Finalissima der Nationalmannschaften zwischen Europameister Spanien und Copa-América-Sieger Argentinien.
Was wird aus Marc-André ter Stegen? Der Torwart reist überstürzt vom spanischen Supercup ab, um in Barcelona einen Kniespezialisten aufzusuchen. Einen neuen Klub hat er weiterhin nicht.
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