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01.08.2026
11:47 Uhr
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Bayerns Ministerpräsident wurde oft für zu viel Spaßpolitik kritisiert. Das ist vorbei. Nun geht es auch auf Reisen ernsthaft zu. Pech für die begleitenden Journalisten.

Vorneweg, wir Medienvertreter sind ja selber schuld. Es waren ja nicht nur genervte CSU-Parteifreunde, sondern auch Journalisten, die Bayerns Ministerpräsident Markus Söder regelmäßig ein Übermaß an Spaßpolitik vorgehalten haben. Mit #Söderisst ist er zwar in eine sonst von Politikern selten erreichte Zielgruppe vorgedrungen, die Verfechter der ernsthaften Sachpolitik konnten ihm dahin allerdings nicht folgen.
Und als er dann auch noch anfing zu singen, im ABBA-Museum in Schweden, in der Sendung Inas Nacht und an Weihnachten in den sozialen Medien, da sahen viele die Seriosität des CSU-Chefs ernsthaft erschüttert. Entsprechend fiel die Kritik aus der Partei nach den teils schmerzhaften Verlusten bei den Kommunalwahlen aus. Gerade als ob Söder die CSU ins Verderben gefuttert und gesungen hätte.
Der Foodblogger Markus Söder will im Angesicht der Weltkrisen sein liebstes Hobby zurückstellen und Social-Media-Diät halten. Vielleicht ist ihm aber auch nur aufgrund der Kommunalwahlergebnisse der Appetit vergangen?
Das mag übertrieben sein, dennoch, er macht jetzt Ernst. Mit weitreichenden Folgen. Auch für Berichterstatter.
Die Reise vor wenigen Tagen nach Südosteuropa zum Beispiel. Erste Station Budapest, was hätte es da für heitere Bilder geben können. Die Ungarn essen gern deftig, Söder hätte in einem riesigen Gulaschtopf rühren können wie einst im indischen Curry. Aber nein, stattdessen Händeschütteln vor Flaggen, das ist seriöses Auftreten.
Dabei hätte die Geschichte Anknüpfungspunkte bereitgehalten, immerhin war die bayerische Prinzessin Sisi einst Königin von Ungarn. Im Palast auf dem Burgberg residierte sie gelegentlich, da hätte Söder geschichtsbewusst auf die Donau schauen können. Mit etwas mehr Zeit hätte sich ein Ausflug der Delegation raus nach Gödöllő angeboten, in Sisis Lieblingsschloss. Söder im Ballsaal, wo einst Sisi mit dem aufrührerischen Grafen Andrassy tanzte (oder zumindest Romy Schneider mit Walther Reyer) – es hätte ein Glückstag werden können für die Kollegen von den bunteren Medien.
Und dann Athen! Auch da herrschte einst ein Bayer, der glücklose König Otto wird doch irgendwo Spuren hinterlassen haben, auf denen sich bildstark hätte wandeln lassen. Söder hätte eine große Portion Gyros heruntersäbeln können, quasi als Brückenschlag zum türkischen Dönerspieß. Nichts. Nur Konjunktive. Stattdessen ein Bild von einem Glas Ananassaft.
Gut, Moldau wäre etwas herausfordernder geworden, aber im Zoo hätte sich bestimmt ein knuffiges Tier für einen Besuch auftreiben lassen. Eine Patenschaft, ein Foto, die Staatskanzlei hat schließlich auch früher stets große Kreativität in Sachen Söder-Vermarktung bewiesen, Stichwort Panda-Diplomatie.
Aber nein, auch dort maximale Ernsthaftigkeit, politische Gespräche, Händedruck vor Flaggen. Also gibt es nun Berichte von Söders Reise zu drei Regierungschefs, in deren Mittelpunkt die Sachpolitik stand. Wie gewünscht. Nur, na gut, wir geben es zu: Lustiger war’s vorher.
Bayerns Ministerpräsident präsentiert sich auf seiner Reise als Anwalt Südosteuropas – und als seriöser Staatsmann. Es geht um Autos, Hightech und Europa. Und natürlich um ihn.
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