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08.02.2026
16:53 Uhr
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Der Österreicher Benjamin Karl gewinnt zum Abschluss seiner Karriere noch einmal Gold, bei den Frauen gewinnt überraschend eine Tschechin. Eine Deutsche ärgert sich „brutal“.

Zum Schluss herrschte doch wieder gute Stimmung in Little Prag. In eine tschechische Wintersport-Hauptstadt hatte sich Livigno an diesem Sonntag verwandelt, Hunderte lautstarke Anhänger aus Tschechien waren extra angereist und schafften für die Snowboard-Alpinisten eine großartige Atmosphäre, die vielleicht beste, die Livigno bei diesen Spielen bislang erlebt hat. Nur einmal fiel der Lautstärkepegel ab, im Viertelfinale der Frauen, als sich Sensationelles ereignete.
Ester Ledecka schied nämlich überraschend im Duell mit der Österreicherin Sabine Payer aus, die später die Silbermedaille holte. Beachtlich war das insofern, als Ledecka 2018 und 2022 überlegen die Goldmedaille in dieser Disziplin geholt hatte, sie gilt als die beste Snowboarderin ihrer Generation. Und sie war die Sportlerin, deretwegen so viele Menschen die lange Fahrt über die Alpen auf sich genommen hatten, um sie auf dem Snowboard und auf Skiern zu sehen: In der kommenden Woche tritt Ledecka in Cortina noch im Super-G auf Skiern an. Zum Glück der Tschechen allerdings sahen sie eine andere Olympiasiegerin: Zuzana Maderova sorgte mit ihrer Goldmedaille dafür, dass am Ende doch noch dieselbe Hymne wie 2018 und 2022 erklang. Was allerdings auch damit zu tun hatte, dass aus Livigno nicht Little Bischofswiesen geworden war.
Zweimal hat Anna Gasser schon Olympia-Gold im Big Air gewonnen. Und jetzt? Ist die Konkurrenz zehn bis 15 Jahre jünger als sie. Doch die Österreicherin hat den Sport erst groß gemacht.
Maderova nämlich hatte auf ihrem Weg ins Finale die deutsche Hoffnungsträgerin Ramona Hofmeister bezwungen. Wobei: Es war eher ein Fahrfehler der 29-Jährigen aus dem Berchtesgadener Land, der ihrer Konkurrentin im Viertelfinale den Vorteil brachte. „Ich hätte lieber Freudentränen in den Augen. Mich ärgert’s brutal“, sagte Hofmeister später. Trost fand sie in den Armen ihres mitgereisten Fanklubs und in der Tatsache, dass schon ihr Antreten ein großer Erfolg gewesen war: Im September hatte sie sich das Sprunggelenk gebrochen und konnte somit erst Anfang des Jahres ihr Comeback im Weltcup geben: „Ich hoffe, ich kann irgendwann stolz darauf sein, bei den Olympischen Spielen – mit meiner Vorgeschichte – ins Viertelfinale zu fahren.“ Weil auch Cheyenne Loch im Achtelfinale scheiterte, ging das Frauen-Snowboardteam leer aus: „Das war nicht der Auftritt, den ich mir erhofft habe“, sagte Loch.
Die harte Realität des alpinen Snowboardsports bei den Olympischen Spielen ist, dass es mit dem Parallel-Riesentorlauf nur einen einzigen Wettkampf gibt, und selbst der umstritten ist: Das Internationale Olympische Komitee debattiert gerade, ob er in vier Jahren noch gefahren werden soll. „Es ist sehr enttäuschend, dass es jetzt daran scheitert und die nächste Chance erst wieder in vier Jahren kommt – wenn sie denn kommt“, sagte Hofmeister dazu.
Die sicherlich finale Chance, noch Olympiasieger zu werden, nutzte beim gleichzeitig stattfindenden Wettbewerb der Männer allerdings Benjamin Karl. Der Österreicher, 40 Jahre alt, war bereits bei seiner Ankunft in Livigno einer der erfolgreichsten Snowboarder der Geschichte und hatte eine Silbermedaille aus dem Jahr 2010, eine Bronzemedaille von 2014 und eine Goldmedaille von 2022 vorzuweisen. Nun verteidigte er seinen Titel gegen die teilweise noch ältere Konkurrenz: Während Karl triumphierte, gingen die italienischen Männer um Goldfavorit Roland Fischnaller, 45, leer aus, es war eine erste kleine Enttäuschung für die Heimnation. Auch die deutschen Starter mussten mit frühem Ausscheiden leben: Stefan Baumeister scheiterte bereits in der Qualifikation, Elias Huber im Achtelfinale knapp mit nur drei Hundertstel Rückstand. „Die Olympischen Spiele haben ihr ganz eigenes Flair“, sagte Huber: „Natürlich erhofft man sich mehr, aber es hat Spaß gemacht.“
Die Bilder, die von den Snowboardern aus Livigno blieben, waren trotzdem eindrücklich: Ein spannender Wettkampf bot sich den Zuschauern, mit einer Fotofinish-Entscheidung im kleinen Finale, die Tervel Zamfirov die Bronzemedaille brachte – die erste Medaille für Bulgarien bei Winterspielen seit 2006. Die vielen Tschechen im komplett gefüllten Zielbereich jubelten darüber genauso fair wie über Karl den Großen, der sich nach seinem Sieg die Klamotten vom Leib riss.
„Ich habe das von Hermann Maier. Er hat sich mal den Rennanzug vom Leib gerissen, und ich habe mir oben am Start gedacht, ich mache das jetzt auch“, sagte Karl später. Zum Abschluss sei die Goldmedaille „die Krönung“ seiner Karriere.
Sie wollte noch einmal die Welt verblüffen – und es ging schief: Lindsey Vonn erlebt bei ihrem verheerenden Unfall in Cortina, dass ihr Körper nach einer Knieverletzung zu schwach ist und bricht sich das linke Bein.
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