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17.02.2026
15:20 Uhr
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Im Dezember veranstaltete Bayerns Ministerpräsident eine weihnachtliche Gala, moderiert von Florian Silbereisen. Das war nicht ganz günstig. Wollte Söder seine PR-Kosten nicht senken?

Am 15. Dezember fand in der Münchner Altstadt das erste Adventskonzert des bayerischen Ministerpräsidenten statt. Hier auf einem Foto mit dem Nürnberger Christkind (Mitte) und Moderator Florian Silbereisen. (Foto: Sven Hoppe/dpa)
Was braucht es, um Florian Silbereisen, Haindling und das Nürnberger Staatsorchester für einen festlichen Abend auf die Bühne zu bringen? Vermutlich ein paar gute Kontakte, aber vor allem: rund 130 000 Euro. So viel kostete das erste Adventskonzert des bayerischen Ministerpräsidenten im vergangenen Dezember. Das teilte nun die Staatskanzlei auf Drängen der Grünen im Landtag mit. Zuvor waren zwei Anfragen der grünen Finanzpolitikerin Claudia Köhler zu der Veranstaltung ins Leere gelaufen. Zuerst berichtete der Münchner Merkur.
Die gut eineinhalbstündige Gala im prunkvollen Cuvilliés-Theater der Münchner Residenz fand am 15. Dezember erstmals statt – „als Zeichen der Wertschätzung des Freistaats für das Ehrenamt“, wie es offiziell heißt. Auf Einladung von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) durften Menschen aus Kultur, Gesellschaft, Sport und Medien musikalischen Darbietungen bekannter Musikerinnen und Musiker lauschen, darunter die Sängerin Claudia Koreck, Hans-Jürgen Buchner (Haindling) und die Regensburger Domspatzen. Durch den Abend, an dem Promis wie Veronica Ferres, Torwartlegende Sepp Maier und Ex-Tatort-Schauspieler Udo Wachtveitl teilnahmen, führte der Schlagersänger und ARD-Moderator Florian Silbereisen. Anschließend lud die Staatsregierung zum Empfang.
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Haushaltspolitikerin Köhler kritisiert einen derartigen Einsatz von Steuergeld in Zeiten knapper Kassen: „130 000 Euro für ein Konzert, um den Ministerpräsidenten als Freund der Musik und der Ehrenamtlichen erscheinen zu lassen, im Entwurf des Haushaltsplans 2026 fehlen dagegen 1,2 Millionen Euro für die Musikschulen im Vergleich zum Ansatz 2025.“ Die Löcher müssten oft Ehrenamtliche füllen, so Köhler. Sie wirft ihm „Showpolitik“ vor.
Zu Beginn des Adventskonzerts wurde Söder als Gastgeber von Moderator Silbereisen persönlich begrüßt, später am Abend kam der Ministerpräsident selbst auf die Bühne. In einem Doppelinterview mit dem Nürnberger Christkind durfte Söder dann über seine Heimatstadt Nürnberg und das Familienfest Weihnachten schwärmen. Seine Gags (etwa dass er bei Terminen nicht so freundlich empfangen werde wie das Christkind) wurden von Silbereisen mehrfach mit beherztem Lachen quittiert. Man kann die Show in voller Länge auf Youtube nachsehen.
Markus Söder lädt zum ersten „Adventskonzert des Bayerischen Ministerpräsidenten“ ins festliche Cuvilliéstheater. Und alle fragen sich: Singt er selbst?
Welche Honorare die Künstler für ihr Mitwirken an Söders Weihnachtsshow erhalten haben, will die bayerische Staatskanzlei auf SZ-Anfrage nicht preisgeben. „Gagen der beauftragten Künstler sind vertragsrechtlich geschützte Geschäftsgeheimnisse“, teilt eine Sprecherin mit. „Eine Aufschlüsselung der Gesamtkosten ist daher nicht möglich.“ Die Veranstaltung mit 450 Gästen sei jedenfalls ein „voller Erfolg“ gewesen. Sie werde „auch in diesem Jahr wieder stattfinden“.
Dabei hatte der Ministerpräsident erst im November bei der Vorstellung des neuen Doppelhaushalts für die kommenden zwei Jahre angekündigt, dass seine Regierung die Kosten für Öffentlichkeitsarbeit, Empfänge und Werbung herunterfahren werde. „Es werden fünf Prozent bei allen Ministerien und auch bei der Staatskanzlei eingespart“, sagte Söder, dessen Regierung gerade so ohne neue Schulden auskommt.
Wie dazu nun ausgerechnet eine neue PR-Veranstaltung mit Kosten von mehr als 100 000 Euro passt? „Die angekündigte Reduzierung der repräsentativen Kosten der Staatskanzlei bleibt selbstverständlich bestehen“, teilt Söders Staatskanzlei mit. „Die Einsparungen werden an anderer Stelle vorgenommen – nicht aber im Bereich des ehrenamtlichen Engagements, das für unser Land unverzichtbar ist.“ Wo genau Kosten stattdessen eingespart werden sollen, lässt die Sprecherin offen.
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