SZ 24.11.2025
16:21 Uhr

(+) Sicherheit auf Christkindlmärkten: „Es gibt keinerlei konkrete Hinweise auf Anschlagspläne“


In Bayern eröffnen jetzt viele Christkindlmärkte. „Ein gewisses Restrisiko ist immer da“, sagt Innenminister Joachim Herrmann zur Sicherheitslage – und ruft trotzdem dazu auf, sich nicht die Feierlaune verderben zu lassen.

(+) Sicherheit auf Christkindlmärkten: „Es gibt keinerlei konkrete Hinweise auf Anschlagspläne“
Innenminister Joachim Herrmann (Mitte) steht mit Klaus Wild, dem Leiter der Polizeiinspektion Erlangen-Stadt, und der Polizeibeamtin Kerstin Decker vor einem Sicherheitspoller auf der Erlanger Waldweihnacht. (Foto: Daniel Karmann/dpa)

Am kommenden Sonntag ist erster Advent – und spätestens dann werden in Bayern die meisten Christkindlmärkte ihren Betrieb aufgenommen haben. Bei einigen ist dies schon länger der Fall, andere eröffnen im Laufe dieser Woche. Für viele Menschen ist das ein Anlass zur Freude, zur Zusammenkunft mit Freunden und der Familie. Zugleich gewinnt wieder eine Frage an Bedeutung, von der es am schönsten wäre, man müsste sie nicht stellen: Wie sicher sind die Weihnachtsmärkte im Freistaat?

„Es gibt keinerlei konkrete Hinweise auf irgendwelche Anschlagspläne“, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann am Montagnachmittag bei einem Pressegespräch auf der „Waldweihnacht“ in seiner Heimatstadt Erlangen. Die Bürgerinnen und Bürger könnten ihre Weihnachtsmärkte „ganz entspannt und ohne Sorge“ besuchen. „Man muss wirklich keine Angst haben in unserem Land.“

Von Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.

Gleichwohl sei klar: „Ein gewisses Restrisiko ist immer da. Wir haben nach wie vor eine abstrakte Anschlagsgefahr.“ Das gelte für Islamisten, sei aber auch für „andere radikale Richtungen denkbar“, sagte der CSU-Politiker.

In Abstimmung mit der Polizei seien deshalb die Sicherheitsvorkehrungen „verfeinert, verstärkt, verbessert“ worden, besonders an Zufahrten gegen Autos und Lastwagen. Die Stadt Erlangen etwa hat – wie viele andere Veranstalter von Christkindlmärkten in Bayern – Poller rund um den Schlossplatz aufgestellt, wo die „Waldweihnacht“ stattfindet. Wenn erforderlich, etwa bei besonders hohem Besucheraufkommen, werde punktuell die Polizeipräsenz erhöht, sagte Herrmann.

Er erinnerte aber daran, dass es in den vergangenen Jahren keine Anschläge auf bayerische Weihnachtsmärkte gegeben habe, weswegen man „den Sicherheitsaufwand jetzt auch nicht übertreiben“ müsse. „Diese Weihnachtsmärkte gehören zur guten Tradition in unserem Land. Das wollen wir erhalten. Es ist wichtig, dass Terroristen nicht am Schluss indirekt ihr Ziel erreichen, indem wir unser Leben ändern aus lauter Angst, dass etwas passieren könnte“, sagte er.

Der Attentäter von Magdeburg darf in der ersten Prozesswoche fast ungebremst seine Weltsicht darlegen: Die Behörden wollten Deutschland islamisieren, dagegen habe er gekämpft.

Bedenken haben dennoch viele Menschen. In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur gaben kürzlich fast zwei Drittel der Befragten an, sich um die Sicherheit auf Weihnachtsmärkten in Deutschland zu sorgen.

Dabei ist es auf den meisten Märkten und an den meisten Tagen sicher, schwerwiegende Vorfälle sind die Ausnahme. Trotzdem bleiben sie im kollektiven Bewusstsein: der islamistische Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz am 19. Dezember 2016, verübt mit einem tonnenschweren Lastwagen. 13 Menschen starben, Dutzende weitere wurden verletzt.

Und erst im vergangenen Jahr: die Amokfahrt von Magdeburg mit sechs Toten, darunter einem neunjährigen Kind, und mehr als 300 Verletzten. Der Mann, der mit einem Mietwagen über den Weihnachtsmarkt gefahren war, steht dieser Tage vor dem Magdeburger Landgericht. Ein Umstand, der die Tat und seine Opfer zur Weihnachtsmarktzeit wieder in Erinnerung ruft.

Zur Wahrheit gehört indes auch: Für potenzielle Besucherinnen und Besucher abschreckender als die Sorge vor Anschlägen sind hohe Preise. 33 Prozent der bei Yougov Befragten gaben an, keinen Christkindlmarkt besuchen zu wollen – 53 Prozent zählten die Kosten zu den wichtigsten Gründen dafür, knapp ein Drittel Sicherheitsbedenken.

Herrmann sagte, spätestens seit Magdeburg hätten „viele Mitbürgerinnen und Mitbürger Sorgen: Wie sicher sind denn unsere Weihnachtsmärkte?“ Zugleich erreichten ihn immer wieder Fragen, ob bei den Sicherheitsmaßnahmen nicht übertrieben werde und nicht gar Märkten das Aus drohe, weil ihr Betrieb durch hohe Auflagen nicht mehr bezahlbar sei.

Ende November starten zahlreiche Christkindlmärkte im ganzen Freistaat. Die SZ-Redaktion hat einige herausgesucht, die mehr zu bieten haben als Glühwein und Stollen. Ein Überblick.

Zuletzt hatte die Absage eines Marktes in Nordrhein-Westfalen für Aufsehen gesorgt, weil dort die Finanzierung von Sicherheitsmaßnahmen unklar gewesen war. Innenminister Herrmann betonte, ihm sei in Bayern „kein einziger Weihnachtsmarkt bekannt, der infrage gestellt oder abgesagt wurde, weil die Kosten für den Sicherheitsaufwand zu hoch wären“.

Auch bei den Organisatoren des bundesweit wohl bekanntesten Weihnachtsmarktes überwog am Montag Vorfreude die Sorge vor Anschlägen. „Die magische Zeit beginnt“, sagte Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König bei einer Pressekonferenz mit Blick auf den am Freitagabend beginnenden Christkindlesmarkt.

Natürlich werde es „die 100-prozentige Sicherheit nirgendwo geben“, sagte der CSU-Politiker. Er halte es aber so wie der Innenminister: Es gebe keine Drohungen und trotzdem gehe man vor jedem Markt jedes Sicherheitskonzept neu durch, und versuche, „es noch sicherer zu machen“.

Eine Widmung auf einer alten Spanschachtel gilt als ältester Beleg für den berühmten Nürnberger Christkindlesmarkt. Jetzt konnte man die Jahreszahl darauf auch endlich korrekt entziffern - und muss ein geplantes Jubiläum ein wenig anpassen

Objektiv betrachtet ist der Christkindlesmarkt, den im Vorjahr mehr als zwei Millionen Menschen besucht haben, sicher. Es gebe „nahezu keine Kriminalität“, 2024 sei selbst die Zahl von Taschendiebstählen nur soeben zweistellig gewesen, sagte Franziska Titz, die Einsatzleiterin der Polizei auf dem Christkindlesmarkt, bei der Pressekonferenz. Dennoch erkannte auch OB König an: „Jeder hat unterschiedliche Gefühle.“

Die Stadt kümmere sich in Zusammenarbeit mit der Polizei um „die objektive Sicherheit“, man habe „aus Anschlägen in anderen Städten gelernt“. Zusätzlich zur Videoüberwachung am Hauptmarkt sollen neben schweren Pflanzenkübeln sogenannte Fahrzeugsperren zum Einsatz kommen, um mögliche Amokfahrer aufzuhalten.

„Wir hoffen, über diese objektive Sicherheit auch das subjektive Sicherheitsempfinden zu stärken“, sagte König. „Das, was wir tun konnten mit dem Wissensstand von heute, das haben wir alles umgesetzt.“ Gleichwohl habe „jeder Besucher den Auftrag, mit einem offenen Auge rumzugehen“.

Wie eine Völkerrechtlerin, eine Auschwitz-Überlebende, eine Stenografin, eine Technikerin und eine Übersetzerin den Jahrhundertprozess in Nürnberg prägten. Fünf Frauen, fünf Porträts.

Lesen Sie mehr zum Thema

In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.

Sie möchten die digitalen Produkte der SZ mit uns weiterentwickeln? Bewerben Sie sich jetzt!Jobs bei der SZ Digitale Medien

Gutscheine: