SZ 06.02.2026
14:17 Uhr

(+) „Schnella Italia“: Vermisst: die Kondom-Verteiler von Mailand & Cortina d’Ampezzo


Seit 1988 erhielten die Athleten bei ihrer Ankunft Unmengen an Präservativen, was stets stolz verkündet wurde. Diesmal lässt diese Erfolgsmeldung auf sich warten. Was ist da los?

(+) „Schnella Italia“: Vermisst: die Kondom-Verteiler von Mailand & Cortina d’Ampezzo
Ist denn auf nichts mehr Verlass? 2016 bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro wurden im olympischen Dorf Kondome an die Athleten ausgehändigt, unter anderem von Higor Leite (links). (Foto: Peter Casey/USA Today Network/Imago)

Seit 1988, so ist es dokumentiert, werden bei Olympischen Spielen Kondome an die frisch eingetroffenen Athleten und Athletinnen verteilt, stets wurde die Aushändigung an die Protagonisten in einem Tonfall der Öffentlichkeit kommuniziert, als hätte man Medaillen an die Betroffenen übergeben. Das konnte man als Olympiabeobachter gut finden oder nicht, in jedem Fall ist man längst konditioniert auf dieses Thema und wartet seit Wochen, Tagen und nunmehr Stunden darauf: Wann kommt sie endlich, die Erfolgsmeldung, dass im olympischen Dorf alle ausreichend versorgt sind?

Aber nichts kommt bislang, und so wächst die Sorge: Hat das IOC, für viele der Inbegriff der dunklen Seite der Macht, in seiner moralischen Verkommenheit auch noch das Interesse an sicherer Liebe verloren? Dabei hatten vor zwei Jahren bei den Spielen in Frankreich viele Medien noch so hoffnungsvoll getitelt: „Paris belebt alte Tradition mit 300 000 Gratis-Kondomen.“

Nach dem millionenschweren Neubau der Skisprungschanzen von Predazzo stehen sie im Mittelpunkt der Kritik. Was läuft da falsch? Eine Annäherung in 3D.

Frivoler Spaß beiseite, das Ganze ist tatsächlich eine ernste Angelegenheit, der man mit schlüpfrigen Anspielungen, wie sie im Internet auf von Spaßvögeln gefakten Olympia-Präservativhüllen durchklingen („The Olympics only come once every four years. You don’t“), nicht gerecht wird. Vor 38 Jahren bei den Sommerspielen in Seoul wurden nämlich erstmals in bester Vorsorge-Absicht die kostenlosen Latex-Produkte verteilt, seitdem wird penibel Buch geführt. Das Problem: Die Höhe der Nachfrage ließ sich vorab schwer prognostizieren, daher kam es so manches Mal offensichtlich zu Fehlkalkulationen.

In Sydney sollen nach der Hälfte der Spiele die 70 000 Kondome ausgegangen sein, eiligst wurden 20 000 nachgeordert. Dass das IOC lernfähig ist, belegte es bei den Spielen in Rio de Janeiro, als man das olympische Dorf gleich mit 450 000 Verhütungsmitteln flutete. Womöglich waren aber auch bei manchen IOC-Vertrieblern, nur weil sie die Wörter Brasilien, Sonne und Strand hörten, schlicht die Fantasien durchgegangen. Im Schnitt erhielt damals jeder Athlet ungefähr 40 Kondome. Bedenkt man, dass Sportler bei Olympia schlafen, essen, trainieren, in Wettkämpfen antreten, reisen, Medien- und Sponsorentermine wahrnehmen, zu Dopingtests und vieles mehr müssen, stellt sich die Frage: Wann um Himmels willen sollen sie Zeit haben, 40 Kondome zu benutzen? Andererseits: In der Liebe waren Menschen wohl schon immer kreativ, um Wege zum Ziel zu finden. In Italien doch auch, oder?

Ein letzter Blick in den Newsticker: immer noch keine Meldung. Kein gutes Zeichen.

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