SZ 06.09.2026
16:04 Uhr

(+) Schalkes Loris Karius: Ist er schon „nationalfähig“ ?


Ist Loris Karius – ausgerechnet – unter einem Bundestrainer Jürgen Klopp ein Kandidat für die DFB-Elf? Neben Lothar Matthäus bringt ihn auch schon ein Vorgesetzter ins Gespräch.

(+) Schalkes Loris Karius: Ist er schon „nationalfähig“ ?

Der Fachbegriff länderspielreif hat seit Samstagabend zwei neue Synonyme. Sie stammen von Schalkes Sportdirektor Youri Mulder und sollten dazu dienen, die Leistung von Loris Karius zu würdigen, nachdem dieser wesentlich dazu beigetragen hatte, das 0:0 gegen den FC Bayern zu sichern. „Nationalfähig“ sei der Auftritt des Torwarts gewesen, sagte Mulder, bevor er dem Drang nachgab, seine Ausdrucksweise zu präzisieren: „Ich denke, dass Loris wie schon in der vergangenen Woche nationalmannschaftsleistungsfähig gearbeitet hat.“

Der Niederländer Mulder hat damit ein typisch deutsches Wortungetüm geschaffen. Einfach alle Bedeutungsinhalte aneinanderzukoppeln, das ist ja ein beliebtes Vorgehen in der hiesigen Sprachtechnik (siehe: Atemschutzgeräteträgertauglichkeitsbescheinigung) – und der versierte Rhetoriker Jürgen Klopp ist bestimmt dankbar für die prägnante Ergänzung, die ihm in seinem neuen Beruf als Bundestrainer zugutekommen könnte. Wie er zu Loris Karius steht, das ist bisher noch nicht bekannt – außer dass sich die Wege der beiden damals nicht unter den besten Umständen getrennt haben, nachdem Karius 2018 im Champions-League-Finale mit Klopps FC Liverpool gegen Real Madrid zwei schwere Fehler unterlaufen waren. Es war ein schlechter Tag für Klopp und Liverpool, ein schwarzer Tag für Karius.

Dieses Spiel war zugleich Höhe- und Absturzpunkt in Karius’ Karriere, am Samstagabend ging es für ihn ein weiteres Stück zurück Richtung Gipfelglück. Der 33 Jahre alte Torwart darf zwei Bewerbungen für die Torwartparade des Monats einreichen: Mit einem Blitzreflex wehrte er Nathaniel Browns Schuss in der 15. Minute ab, und mit Technik und Timing parierte er kurz vor dem Abpfiff Harry Kanes Präzisionsgeschoss. Vor allem aber war er seiner Mannschaft zu jeder Zeit und bei jedem der zahlreichen Münchner Eckstöße eine verlässliche Größe und ein Halt im Getümmel. Gegen einen unentwegt angreifenden Gegner permanent die höchste Konzentration aufzubringen, das sei „schon sehr anstrengend“,  sagte Karius mit heiserer, kraftlos erloschener Stimme, und man sah es ihm an: Er war nicht 13 Kilometer gelaufen wie die Mitspieler Tanaka und El-Faouzi, aber er war mindestens so erschöpft.

Jahrelang hatte Schalke an einem schwerwiegenden Torwart-Problem zu tragen. Die Kandidaten auf das Trikot mit der Nummer eins wechselten in Gelsenkirchen mitunter im Wochen- und Monatstakt: Frederik Rönnow, Alexander Schwolow, Ralf Fährmann, Alexander Nübel, Marius Müller, Ron-Thorben Hoffmann, Justin Heekeren – so viele Anwärter haben ihr Glück versucht und fanden es aus unterschiedlichen, manchmal unerklärlichen Gründen nicht. Für den Klub ergab sich daraus ein ständiger sportlicher Konfliktherd. Erst Karius hat das Leiden an der Torwartfrage beendet, als er im Januar des vorigen Jahres nach Gelsenkirchen kam. Zuvor war er ein halbes Jahr stellungslos gewesen. Aber er hat nicht lang gebraucht, um sich – zumindest auf Schalke – unentbehrlich zu machen.

Dass ihm jetzt die Nationalelf angedichtet wird, unter anderem auch vom Augenzeugen Lothar Matthäus, beschäftigt ihn angeblich allenfalls am Rande. „Darüber denke ich gar nicht nach“, teilte Loris Karius mit, er sei einstweilen „glücklich, mit Schalke in der Bundesliga zu spielen. Ich bin voll fokussiert auf Schalke. Alles, was kommt oder nicht kommt – keine Ahnung“. Bald weiß er mehr. Am 17. September wird Jürgen Klopp mitteilen, wen er für nationalfähig hält.

Edin Dzeko, 40, sagt: Ein Stürmer ist nur glücklich, wenn er immer trifft. Er erklärt, wie Felix Magath ihn geprägt hat – und warum es nur eine Alternative zu einem neuen Vertrag bei Schalke 04 gab: den Strand.

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