SZ 28.11.2025
10:52 Uhr

(+) SZ-Kolumne „Bester Dinge“: Der Richter und sein Rocker


Ein US-Richter ist begeisterter Elvis-Fan. So begeistert, dass er mit Perücke im Gericht sitzt und die Musik abspielt, während er Zeugen vereidigt. Seine Leidenschaft kostet ihn nun offenbar den Job.

(+) SZ-Kolumne „Bester Dinge“: Der Richter und sein Rocker
Richter-Robe und Elvis-Perücke: für Matthew Thornhill kein Widerspruch. (Foto: The State of Missouri's Commission on Retirement, Removal and Discipline of Judges)

In St. Louis im US-Bundesstaat Missouri wusste man nie, ob gleich ein Urteil oder ein Refrain zu hören ist. Matthew Thornhill, 57, war dort bekannt als Richter, aber auch als Mann mit Leidenschaften. Auf der Website des Kreisgerichts gibt er an, dass er gern surft, gärtnert, Fußball schaut und Golf spielt mit seinen Kindern. An erster Stelle aber steht ein Name, der größer ist als jedes Amtssiegel: Elvis Presley.

Wann genau die Zuneigung für den 1977 verstorbenen Sänger so weit ging, dass er es für eine gute Idee hielt, sein Idol regelmäßig in den Zeugenstand zu rufen, ist noch unklar. Als gesichert gilt: Er erschien bei Verhandlungen mit prächtiger Elvis-Perücke, wie ein Foto belegt.

Und nicht nur das: Unterlagen, aus denen der Sender CBS zitiert, besagen, dass er Zeugen erlaubte, ihre Vereidigung zu den Klängen von Elvis-Musik durchzuführen. Manchmal habe er Lieder auch dann abgespielt, wenn er selbst den Gerichtssaal betrat. An den Geburts- und Todestagen hielt Thornhill zudem offenbar eine Art Andacht: Er habe die schönsten Zeilen seines Idols rezitiert. Videos davon sind leider nicht überliefert.

Der Fall Thornhill weist auf ein Dilemma hin: Wie sehr dürfen Menschen mit öffentlichem Auftrag aus ihrer Rolle brechen? Und wie sehr wünschen wir uns das – wenn wir ehrlich sind – vielleicht sogar? Einem Busfahrer, der am Steuer sitzend Lieder singt, dem fliegen die müden Pendler-Herzen zu. Ein Lehrer hingegen, der während einer mehrmonatigen Krankschreibung an einer TV-Kochshow teilnimmt, gewinnt damit gerade im Kultusministerium eher keine weiteren Fans. Auch Richter Thornhill bekam Ärger.

Nachdem es mehrere Beschwerden über ihn gegeben hatte, entschied der Oberste Gerichtshof von Missouri: Thornhill müsse bald in den vorzeitigen Ruhestand. Er selbst erklärte in einem Brief, aus dem CBS zitiert, er habe beabsichtigt, „in manchen Momenten für etwas Auflockerung zu sorgen, wenn ich glaubte, dies würde die Prozessbeteiligten beruhigen“. Nun ist Elvis tot, schon wieder. Er hat es versucht.

Er brachte Teenager zum Kreischen, da gab es noch nicht mal die Beatles. Jetzt wird Peter Kraus 85. Ein Gespräch mit Deutschlands erstem Popstar über Randale im Publikum, das Image als Heulboje und den leidigen Vergleich mit Elvis.

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