SZ 16.08.2026
14:21 Uhr

(+) Russlands Verbündeter: Wie Nordkorea vom Krieg in der Ukraine profitiert


Das Regime in Pjöngjang erlangt durch seine nach Russland verschickten Soldaten nicht nur technisches Know-how – die Nachbarn in Ostasien sind beunruhigt. US-Präsident Trump lobt die „guten Beziehungen mit Kim Jong-un“ und rüffelt Südkorea.

(+) Russlands Verbündeter: Wie Nordkorea vom Krieg in der Ukraine profitiert

Am Samstag erhellten Raketen den Himmel über Pjöngjang. Nordkorea feierte den 81. Jahrestag der Befreiung von der japanischen Kolonialherrschaft mit einem gigantischen Feuerwerk und einer nächtlichen Tanzaufführung der Massen auf dem Kim-Il-sung-Platz.

Raketen waren auch in der vergangenen Woche schon abgefeuert worden. Dabei handelte es sich um ballistische Kurzstreckenraketen, die man aus Nordkorea etwa 700 Kilometer über das Japanische Meer fliegen ließ, wie das südkoreanische Militär am Mittwoch meldete – genau vor dem Start der gemeinsamen Truppenübungen von Südkorea und den USA an diesem Montag. Seoul und Tokio verurteilten die Raketentests als Provokation.

Die USA unterhalten nahe Seoul und damit nur etwa 95 Kilometer vor der Sperrzone zu Nordkorea ihren größten militärischen Außenposten weltweit, „Camp Humphreys“, für rund 41 000 Soldaten und ihre Angehörigen – ein Areal mit Taco Bell, Pizza Hut, Baseball- und American-Football-Feldern.

Zweimal im Jahr üben das US-amerikanische und das südkoreanische Militär gemeinsam, das Sommermanöver mit dem Namen Ulchi Freedom Shield soll von Montag an elf Tage dauern, etwa 18 000 südkoreanische Soldaten werden daran teilnehmen, wie Jang Do-young, der südkoreanische Militärsprecher, in einer Pressekonferenz in der vergangenen Woche erklärte.

US-Militärsprecher Ryan Donald sagte bei dieser Gelegenheit, die Übung spiegle den „sich wandelnden Charakter der Kriegsführung wider“, einschließlich des zunehmenden Einsatzes unbemannter Systeme, elektronischer Kampfführung und Cyberoperationen. Damit ist vor allem die Kampferfahrung mit Drohnen gemeint.

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15 000 Soldaten soll Kim Jong-un seinem Verbündeten in Moskau bereits für den Krieg gegen die Ukraine zur Verfügung gestellt haben. Bis November dieses Jahres sollen weitere 50 000 Soldaten folgen. „Es ist völlig klar, dass Nordkorea weiterhin Erfahrungen in der modernen Kriegsführung sammeln, Lizenzen von Russland erhalten und verschiedenste militärische Ausrüstung von dort beziehen wird“, erklärte der ukrainische Staatschef Wolodimir Selenskij vergangene Woche.

Bei Militärparaden in Pjöngjang und Moskau rollen zwar weiterhin Panzer an den Machthabern vorbei, doch mittlerweile entscheidet die Drohnentechnik maßgeblich über den Erfolg von Militäraktionen. Die Kurzstreckenraketen, die Pjöngjang derzeit über dem Japanischen Meer testet, sind die nordkoreanische Version der russischen Iskander-Modelle. Nordkorea wird auf diese Weise zu einer immer größeren Bedrohung in der Region, gestützt von China, mit dem der Handel ebenfalls wieder zugenommen hat, nach Jahren der Isolation nach der Pandemie.

Die nach Russland verschickten Söldner spülen Geld in die nordkoreanischen Regierungskassen, nicht nur, weil Russland für diese Soldaten zahlt, auch der Verkauf von alter Munition an Russland hat dem Regime in Pjöngjang geholfen, sich wirtschaftlich zu erholen. Gleichzeitig leidet nach Schätzungen der Vereinten Nationen weiterhin fast die Hälfte der rund 26 Millionen Einwohner Nordkoreas an Unterernährung.

Es ist auch denkbar, dass Moskau dem Verbündeten in Pjöngjang sensible Technologien überlässt, die man in Nordkorea zum Bau einer Atombombe braucht. „Nordkorea gewinnt zunehmend Spielraum, um mehr Ressourcen in das Bauwesen und die Wirtschaftsführung zu investieren“, schrieb das Wall Street Journal im Vorfeld der Militärübungen. Gleichzeitig sei genug Geld vorhanden, „um die Entwicklung von Atomwaffen und Raketen voranzutreiben“. Das sollte nicht nur die Regierungen in Seoul und Tokio beunruhigen, sondern auch den Rest der Welt.

Nachdem die USA einen Krieg gegen Iran begonnen hatten, in dessen Folge die Straße von Hormus zum Faustpfand des Regimes in Teheran wurde, verweigerte Seoul einen Waffengang genauso wie Tokio, Berlin, Paris und London. US-Präsident Donald Trump wütete und drohte mit Freundschaftsentzug. Am Sonntag legte Trump mit einem Post auf seinem eigenen Netzwerk nach, lobte die „guten Beziehungen mit Kim Jong-un aus Nordkorea“ und kündigte an, die Truppenübungen im kommenden Jahr zu reduzieren, da Südkorea ihm nicht geholfen habe, das iranische Atomprogramm zu bekämpfen. Ohne das US-Militär aber wäre Südkorea nur bedingt verteidigungsfähig, genau wie Japan.

Nach der Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg zog sich die japanische Armee 1945 aus Korea zurück. China und die Sowjetunion unterstützen den Norden im folgenden Koreakrieg, die USA und ihre Alliierten schickten Truppen in den Süden. Der Konflikt endete nicht mit einem Friedensschluss, sondern mit einem Waffenstillstand, der bis heute mehr oder minder hält, auch weil er durch die US-Armee gesichert wird. Nordkorea wurde zu einem kommunistischen Marionettenstaat, Südkorea entwickelte sich nach Jahren der Militärdiktatur zu einer wirtschaftlich boomenden Demokratie.

Gemeinsam mit den demokratischen Verbündeten Japan, Südkorea und den Philippinen haben die USA in den vergangenen Jahrzehnten verhindert, dass China sich dieses Gebiet militärisch einverleibt, inklusive der Besetzung Taiwans. Die Truppenpräsenz der USA sichert in der Region die wichtigsten Wirtschaftswege und hält China in Schach, das Anspruch auf 90 Prozent des Südchinesischen Meeres erhebt, durch das etwa ein Fünftel aller weltweit gehandelten Waren verschifft werden.

Auch in Südkorea wurde am Wochenende übrigens das Ende der japanischen Kolonialherrschaft gefeiert. Der südkoreanische Präsident Lee Jae-myung rief bei dieser Gelegenheit zu Gesprächen mit Nordkorea auf, um den Koreakrieg endgültig zu beenden und Maßnahmen zur Eindämmung von Pjöngjangs Atomwaffenkapazitäten auszuloten.

Nordkorea hingegen hat seinen Kurs gegenüber Südkorea in diesem Jahr noch verschärft und seine Verfassung geändert: Dabei wurden Verweise auf eine Wiedervereinigung gestrichen, eine gesonderte Verteidigungsklausel bezeichnet den Norden nun als „verantwortungsbewusste Atommacht“ und legt fest, dass das Land die Entwicklung von Atomwaffen vorantreiben wird.

Auch 81 Jahre nach dem Ende der brutalen Besetzung Koreas durch Japan sind die Wunden nicht verheilt. Japan zwang die Koreaner damals zu Zwangsarbeit, das Militär nahm sich sogenannte Trostfrauen, wie man Zwangsprostituierte nannte. Eine Aufarbeitung fand nie statt. Der südkoreanische Präsident Lee Jae-myung plädierte am Samstag in seiner Rede zum Jahrestag dafür, in die Zukunft zu sehen und gemeinsam mit Japan als „engem Nachbarn“ eine neue Ära von Frieden und Wohlstand einzuleiten.

Anmerkung der Redaktion: dieser Text wurde in der Nacht auf Montag mit dem Post von US-Präsident Donald Trump aktualisiert.

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