SZ 03.12.2025
13:37 Uhr

(+) Ruhestand eines Ministerpräsidenten: Wie sich Söder seine Rente vorstellt


Erwin Huber absolvierte ein Philosophiestudium, Günther Beckstein reist viel, Seehofer geht zum Stammtisch – und was gedenkt Markus Söder, in der Rente zu tun? Arbeiten bis zum Umfallen, sagt er selbst. Aber was genau?

(+) Ruhestand eines Ministerpräsidenten: Wie sich Söder seine Rente vorstellt

Der Ruhestand ist allen Indizien nach ein erstrebenswerter Lebensabschnitt, zumal wenn man ihn gesund und finanziell halbwegs abgesichert erreicht. Der Kollege H. jedenfalls, der gerade seine letzte Arbeitswoche in der Redaktion verbringt, verzichtet zwar rücksichtsvoll auf Freudentänze und er betont freundlich, dass ihm die Kolleginnen und Kollegen abgehen werden. Aber freilich freut er sich.

Das leuchtet ein, dann ist endlich Zeit für ausgedehnte Radtouren, man kann in der Wirtschaft hocken, den Garten umgraben oder Italienisch lernen, wenn andere im Büro sitzen. Die einen widmen sich den Enkelkindern, die anderen fangen an zu töpfern oder schreiben sich an der Uni ein.

Selbst Politiker, die lange an Macht und Ämtern hingen, entdeckten ein Leben jenseits davon. Erwin Huber, der frühere CSU-Chef, absolvierte nach einer langen Politikerkarriere ein Philosophiestudium. Der damalige Ministerpräsident Günther Beckstein ist seit seinem Rückzug aus der Politik viel auf Reisen. Und Horst Seehofer, der zuletzt Bundesinnenminister war, geht zum Stammtisch und kümmert sich als Stiftungsratsvorsitzender um die Uni Eichstätt.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder erweckte bei seinem Amtsantritt 2018 den Eindruck, keinesfalls den geeigneten Zeitpunkt für seinen Abgang verpassen zu wollen. Er kündigte an, nach zehn Jahren aufhören zu wollen. Indes, so wird es nicht kommen.

Seine Pläne hat er längst revidiert, was freilich überhaupt nichts mit Wankelmut zu tun hat, sondern allein die Schuld der Opposition ist. Die wollte die Amtszeitbegrenzung nicht in die Verfassung schreiben. Chance verpasst, Söder bleibt, er fühlte sich fortan nicht mehr an sein Versprechen gebunden.

Sein Arbeitseifer reicht möglicherweise sogar weit über 2028 hinaus. Denn als er jüngst bei Bettina Schausten in der ZDF-Sendung „Was nun...“ zu Gast war, gab Söder einen vieldeutigen Hinweis. Er sollte den Satz vollenden: „Wenn ich an mein eigenes Rentenalter denke...“ und tat das auf diese Weise: „...dann wird das sehr spät sein, weil ich hab eigentlich vor, ziemlich bis zum Umfallen zu arbeiten“.

Was das wohl heißt? Er hat nicht gesagt, was er „ziemlich bis zum Umfallen“ arbeiten möchte. Möglicherweise liebäugelt Söder mit einer Karriere nach der Karriere. Als Baumpfleger vielleicht oder als Bienenzüchter, da hat er ja schon mal reingeschnuppert. Oder was mit Wurst, da hätte er Berufserfahrung. Oder doch Ministerpräsident auf Lebenszeit? Das allerdings liegt nicht allein in seiner Hand. Das ließe sich an einem Stammtisch der Rentner mit politischer Vergangenheit erschöpfend diskutieren.

„Almans“ mit Nordic-Walking-Stöcken und Brotdose im Rucksack – soweit das Klischee vom Wanderer. Der 22-jährige Emirhan Senyüz begeistert auf Tiktok junge Leute mit Migrationshintergrund fürs Wandern. Ein Gespräch über Garmischer, die noch nie auf dem Berg waren – und warum Wandern nicht nur etwas für Deutsche ist.

Lesen Sie mehr zum Thema

In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.

Sie möchten die digitalen Produkte der SZ mit uns weiterentwickeln? Bewerben Sie sich jetzt!Jobs bei der SZ Digitale Medien

Gutscheine: