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17.12.2025
12:48 Uhr
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Der deutsch-französische Rüstungskonzern KNDS plant im Sommer 2026 eine Notierung in Frankfurt und Paris. Das Unterfangen ist heikel, die Regierung in Berlin redet mit.

Neue Panzer vom Typ „Leopard“: Das Modell ist eines der wichtigsten Produkte von KNDS. (Foto: Angelika Warmuth/REUTERS)
Rüstungsaktien laufen derzeit besonders gut, das Papier von Rheinmetall etwa hat zuletzt drastisch an Wert zugelegt. Aber auch andere profitieren davon, dass angesichts des Kriegs in der Ukraine viele Staaten massiv aufrüsten. Jetzt will auch der deutsch-französische Rüstungskonzern KNDS im kommenden Jahr an die Börse gehen. Geplant sei ein Doppel-Listing in Frankfurt und Paris, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit.
„Die Zeit ist reif und das Unternehmen ist bereit“, sagte Verwaltungsratschef Thomas Enders, der viele Jahre lange Airbus-Chef war. Der Hersteller des „Leopard-2“-Kampfpanzers folgt damit dem Vorbild des französisch-deutschen Flugzeugbauers, dessen Aktien allerdings überwiegend in Paris gehandelt werden. KNDS könnte Insidern zufolge dabei mit bis zu 20 Milliarden Euro bewertet werden. Experten zufolge peilt KNDS für den Börsengang ein Zeitfenster im Juni und Juli an. Derzeit läuft die Auswahl der Banken, die das Unternehmen an die Börse begleiten sollen. Das geschieht in der Regel fünf bis sechs Monate vor dem Börsengang. Als Berater hatte KNDS schon die Investmentbank Lazard angeheuert. Im KNDS-Verwaltungsrat soll sich Christian Schulz um den Börsengang kümmern. Der ehemalige Finanzchef des Panzergetriebeherstellers Renk – ein großer Zulieferer von KNDS – zieht zum 1. Januar in das Gremium ein. Schulz hatte bereits Renk und den Lkw-Hersteller Traton an die Börse geführt.
„Dieses Projekt öffnet ein neues Kapitel in der Entwicklung von KNDS“, sagte Vorstandschef Jean-Paul Alary. Er hatte die Börsenpläne bereits im September angekündigt. Der Börsengang solle mit dem Zugang zum Kapitalmarkt weitere Investitionen in den Ausbau der Kapazitäten und in die Technik ermöglichen. Alary bezeichnete die Struktur von KNDS als Musterbeispiel für eine europäische Zusammenarbeit in der Rüstungsindustrie.
Der deutsch-französische Hersteller des „Leopard“ bereitet einen Börsengang vor – und folgt damit anderen Rüstungsfirmen. Der Schritt aufs Parkett soll Übernahmen erleichtern. Da hatte der Konzern zuletzt Pech.
KNDS ist aus dem deutschen Panzerbauer Krauss-Maffei Wegmann (KMW) und dem französischen Konkurrenten Nexter entstanden. Der Name steht für KMW + Nexter Defense Systems. Die Anteile liegen bislang beim französischen Staat und der Unternehmerdynastie Bode. Das könnte sich allerdings noch vor dem Börsengang ändern. Alary hatte im September Gespräche mit der Bundesregierung über einen Einstieg mit einer Sperrminorität von mindestens 25 Prozent bestätigt. Sie könnte Anteile von der ausstiegswilligen Familie erwerben. Eine Entscheidung soll Insidern zufolge bis Februar fallen.
Einen Einstieg von Rüstungskonzernen wie Rheinmetall, Airbus und Thales hatte Alary ausdrücklich ausgeschlossen. „Rheinmetall wird nicht die strategische Ausrichtung bieten, die für KNDS erforderlich ist“, sagte Alary damals. Rheinmetall verfolge eine Diversifizierung, während KNDS ein Hersteller von Landsystemen bleiben wolle.KNDS ist angesichts der Aufrüstung in Europa auf Expansionskurs. Seit 2023 habe man 500 Mitarbeiter eingestellt.
Dank eines Rekord-Auftragseingangs von 11,2 Milliarden Euro hatte das Unternehmen bereits Ende 2024 einen Orderbestand von 23,5 Milliarden Euro. Der Auftragsboom habe auch 2025 nicht nachgelassen, erklärte das Unternehmen. Erst vor Kurzem hatte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) die Bestellung weiterer 75 Leopard-2A8-Panzer für die Bundeswehr für 2026 in Aussicht gestellt, insgesamt sind es fast 200. Der Umsatz stieg im vergangenen Jahr auf 3,8 Milliarden Euro – bei „überdurchschnittlichen Renditen“.
Tom Enders war jahrzehntelang in der Luft- und Rüstungsindustrie und lange Airbus-Chef. Er plädiert für konsequente Aufrüstung, warnt aber vehement davor, dabei nur auf konventionelle Systeme zu setzen.
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