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10.06.2026
15:53 Uhr
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Der Kanzler sagt, er und Frankreichs Präsident Macron hätten sich die Entscheidung über das Aus für das Kampfjet-Projekt nicht leichtgemacht. Doch eine entscheidende Frage lässt er unbeantwortet.

Nun meldet sich Kanzler Merz nach dem Scheitern zum ersten Mal zu Wort. Am Montag sickerte aus Berliner Regierungskreisen durch, dass das gemeinsame Kampfjet-Projekt mit Frankreich und Spanien endgültig beendet ist. FCAS, was für Future Combat Air System steht und als das europäische Vorzeigeprojekt im Rüstungssektor gehandelt wurde, soll eins nicht mehr sein: ein Kampfjet-Projekt. Doch was nun folgen soll, dazu gab es bisher keine Stellungnahme aus dem Kanzleramt.
Deshalb erhoffte sich die Industrie, dass Kanzler Merz zur Eröffnung der Internationalen Luft- und Raumfahrtmesse in Berlin zumindest ein wenig detaillierter beschreibt, wie es nun weitergehen soll, nach dem Aus des Milliardenprojekts. Als der Kanzler in seiner Eröffnungsrede dann zu FCAS spricht, sagt er: „Macron und ich haben es uns in dieser Frage wirklich nicht leicht gemacht.“ Er beschreibt, wie Vermittlungsversuche zwischen den Unternehmen gescheitert seien. Das Projekt geriet vor allem deshalb ins Wanken, weil sich die beteiligten Unternehmen Airbus (Deutschland) und Dassault (Frankreich) über die Führungsrolle bei dem Vorhaben zerstritten. Und Merz erzählt, wie sich Macron und er schon am Freitag darauf geeinigt haben, die gemeinsame Kampfjet-Entwicklung zu beenden.
Wie es nun mit dem Kampfjet weitergehen soll, dazu sagt der Kanzler aber weiterhin nichts. Nur so viel: Man führe die anderen FCAS-Projekte, also die Entwicklung einer Cloud und von Drohnen, ja weiter. Im Juli wolle man dann im deutsch-französischen Ministerrat dazu sprechen. Mehr gibt es an diesem Mittwoch erstmal nicht.
Dabei forderte Michael Schöllhorn, der Chef von Airbus Defence and Space, Minuten zuvor von Merz eine klare Ansage, was auf das Scheitern folgen soll. Airbus hat sich bereits mit sieben weiteren deutschen Firmen in einer Allianz zusammengetan, um an einer Alternative des FCAS-Kampfjets unter deutscher Führung zu arbeiten. Am Mittwochnachmittag soll sich die Achter-Allianz zur offiziellen Gründung zusammenfinden.
Man konnte Schöllhorns Beitrag also auch als eine Art Werbung für eine Kampfjet-Entwicklung unter deutscher Führung verstehen. „Wir stehen bereit, um Verantwortung zu übernehmen“, sagte er auf der Bühne. Und dass man ein solches Kampfflugzeug nun einmal brauche. Denn auf absehbare Zeit sei man in der Verteidigung noch immer auf einen Menschen und damit auf natürliche Intelligenz an Bord angewiesen.
Was man auch als kleine Stichelei in Richtung der Drohnen- und Software-Firma Helsing verstehen kann: Deren Chef Gundbert Scherf hatte zuvor noch infrage gestellt, ob Deutschland denn überhaupt einen solchen bemannten Kampfjet in den 2040er-Jahren noch brauche. Helsing stellt autonome Drohnen her, es ist also nicht überraschend, dass er in dieser Frage anders denkt als Schöllhorn. Aber auch Merz warf die Frage im Februar im Podcast Machtwechsel auf, ob in Zukunft noch Kampfjets nach heutigen Standards benötigt würden.
Vor der ILA äußerte sich Schöllhorn wohlwollend dazu, dass nun nach monatelangem Warten eine Entscheidung gefallen sei. „Wir begrüßen es außerordentlich, dass Sie, Herr Bundeskanzler, zusammen mit dem französischen Präsidenten die Blockade beim Kampfflugzeug beenden und gleichzeitig FCAS als europäisches und offenes System-of-Systems, als vernetztes System verschiedenster Plattformen, weitergeht.“
Der Münchner Triebwerkshersteller MTU erhofft sich Klarheit darüber, wie es weitergehen soll. Ottmar Pfänder, MTU-Programmvorstand, sagte: „Es ist entscheidend, dass nun die nötigen Schritte getan werden, um die Expertise und den Entwicklungsstand zu sichern, die bislang erreicht worden seien.“ MTU sei dabei offen, auch mit anderen Partnern zusammenzuarbeiten. MTU-Chef Johannes Bussmann nannte Spanien, Italien und Schweden als mögliche Partner.
Neben der Option einer Kampfjet-Entwicklung unter deutscher Führung gibt es auch die Möglichkeit, bei dem Programm Global Combat Air Programme einzusteigen. Unter dem Namen GCAP haben sich Italien, Großbritannien und Japan versammelt, um gemeinsam einen Kampfjet zu entwickeln.
Ein Kampfjet, Drohnen, dazu eine Cloud, die alles digital verknüpft: FCAS sollte den Kontinent unabhängiger von den USA und deren Rüstungskonzernen machen. Daraus wird jetzt nichts, wegen deutsch-französischer Rivalitäten. Jetzt will sich eine Achter-Allianz deutscher Firmen für einen Neustart zusammentun.
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