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02.03.2026
07:25 Uhr
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Drei junge Leute und ein AfD-Kandidat streiten sich. Dann eskaliert die Situation. Die Polizei spricht von einem Angriff auf den AfDler. Videomaterial deutet eher auf eine Art Tauziehen um das Plakat der Gegendemonstranten hin.

Die Polizei ermittelt gegen die beiden 18-Jährigen und eine 19-Jährige wegen gefährlicher Körperverletzung. (Foto: Daniel Karmann/dpa)
Ein AfD-Kandidat ist nach Angaben der Polizei an einem Infostand zur Kommunalwahl in Oberbayern angegriffen und verletzt worden. Drei junge Leute seien nach einem verbalen Streit an dem Stand in Rosenheim auf den 70-Jährigen aus Griesstätt losgegangen, sagte ein Polizeisprecher. Bei dem Opfer soll es sich nach Angaben des AfD-Kreisvorsitzenden um den Kandidaten für das Bürgermeisteramt in Rott am Inn, Michael Maurer, handeln. Laut Polizei habe er Prellungen und Verletzungen am Bein und Bauch erlitten.
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Von wem die Aggression am Stand der AfD wirklich ausging, ist jedoch offen. Das Offene Antifaschistische Plenum Rosenheim weist in einer Pressemitteilung die Vorwürfe zurück. Rund fünf Demonstrierende haben sich demnach vor dem Stand der AfD versammelt und seien angegriffen worden „bevor das Transparent vollständig ausgerollt werden konnte“. Die Demonstrierenden seien geschubst und beleidigt worden. Als der AfD-Kandidat im Gerangel stürzte, hätten sich die Aktivistinnen erkundigt, wie es ihm gehe.
Khando Ronge, die Kandidatin der Linken für den Kreistag Rosenheim, schildert in einer Pressemitteilung, dass es ein „Tauziehen“ um ein Banner gegeben habe: Menschen vom AfD-Stand hätten versucht, den Demonstrierenden ein Plakat zu entreißen. Sie selbst sei von einem AfD-Politiker geschubst worden.
Beide Seiten haben den Vorfall zumindest teilweise per Handy mit Foto- und Videoaufnahmen dokumentiert. Einzelne Bilder und Ausschnitte sollen die jeweils eigene Darstellung stützen. In einer längeren Videopassage ist ein Gerangel um ein offenbar noch nicht entrolltes Transparent zu sehen. Die Szene ähnelt tatsächlich einer Art Tauziehen. Dabei scheint der 70-Jährige durch einen plötzlichen Ruck am umkämpften Transparent nach vorne zu stürzen, sich dabei halb zu drehen und dann mit dem Oberkörper auf einem jüngeren Mann zu liegen zu kommen. Dabei stößt er einen Schmerzensschrei aus. Damit scheint das Gerangel allerdings zu enden. Schubser, Schläge oder Tritte sind zumindest in diesem veröffentlichten Video-Ausschnitt nicht zu erkennen.
Danach brachte laut Polizei ein Rettungswagen den AfD-Politiker ins Krankenhaus, das er nach einer ambulanten Behandlung wieder verlassen konnte. Die Polizei ermittelt nach eigenen Angaben gegen die beiden 18-Jährigen und eine 19-Jährige wegen gefährlicher Körperverletzung. Als gefährliche Körperverletzung gilt rein juristisch auch schon eine Tat in der Gruppe, ohne dass es dabei unbedingt zu gravierenden Verletzungen gekommen sein muss. Diese drei Verdächtigen seien einer „linken Gruppierung“ zuzuordnen, heißt es von der Polizei weiter.
In Rosenheim gibt es eine größere linke Szene, die immer wieder in den Fokus der Polizei gerät, unter anderem durch mehr oder weniger symbolische Hausbesetzungen. Eine Woche zuvor hatten sich linke Aktivisten ihrerseits beklagt, dass sie an einem Wahlkampfstand der AfD friedlich hätten protestieren wollen und dann von Parteivertretern geschubst, geschlagen und bedroht worden seien. Die AfD-Leute hatten danach ihrerseits ebenfalls von Bedrohungen, Beleidigung und Nötigung gesprochen. Die Polizei hatte keine Straftaten registriert und die Situation per Platzverweis aufgelöst.
Mit Material der dpa
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